2. liga inter

«Wer seinen Spieler keine Spesen bezahlt, hat es schwer» – hat die 2. Liga inter ein strukturelles Problem?

Der FC Muri gehört seit drei Spielzeiten zu den Spitzenteams in der 2. Liga inter.

Der FC Muri gehört seit drei Spielzeiten zu den Spitzenteams in der 2. Liga inter.

Mit dem FC Wettingen, dem FC Olten und den Eagles Aarau ziehen sich gleich drei Mannschaften sich aus der 2. Liga inter zurück. Die Fälle aus der Gruppe 5 der 2. Liga interregional werfen Fragen auf. Die zuständige Amateur Liga hat jedoch keine Angst, dass es künftig öfters zu solchen Szenarien kommt.

Die 2. Liga inter macht turbulente Zeiten durch: Mit dem FC Olten, dem FC Wettingen und den Eagles Aarau ziehen sich in der Gruppe 5 gleich drei Mannschaften zurück. Wo drückt also der Schuh beim Spielbetrieb der Amateur Liga? 

Während die Eagles am Ende schlichtweg die Junioren fehlen und damit einen Sonderfall bilden, kommen die beiden Fälle von Wettingen und Olten auf einen ähnlichen Nenner. 

«Wir zahlen dem Team schon länger keine Spesen oder Punkteprämien mehr», erklärt Isidor Meyer. «Die Kosten für den Ligabetrieb sind schon genug hoch, wenn dann noch Spielergehälter dazukommen, wir für uns der Aufwand zu gross», sagt der Präsident des FC Olten. Sein Verein wolle sich nun stärker auf die Nachwuchs konzentrieren, dies habe man zuletzt vernachlässigt, so der Präsident. 

Präsident Isidor Meyer zieht sich mit dem FC Olten zurück aus der 2. Liga inter.

Präsident Isidor Meyer zieht sich mit dem FC Olten zurück aus der 2. Liga inter.

Auch in Wettingen will man einen ähnlichen Weg gehen: Der eigene Nachwuchs soll in den Fokus gestellt werden. Der Tenor für die Zukunft ist eindeutig: Wer in ­Zukunft für den FC Wettingen spielt, der verdient keinen ­Rappen. 

Zeitgemässere Spielklassen-Struktur

Sandro Stroppa, Präsident der Amateur Liga, kann die Entscheidung der Klubs aus ökonomischer Sicht nachvollziehen. «Der Rückzug von Wettingen und Olten ist verantwortungsbewusst. Die Vereine haben frühzeitig gemerkt, dass sie etwas ändern müssen und haben dementsprechend reagiert, bevor sie existenzielle Probleme bekommen haben.»

Angst, dass es künftig öfters zu solchen Szenarien mit mehreren Rückzügen in der 2. Liga inter kommt, hat Stroppa nicht: «Der Virus hat gezeigt, dass eine gesunde Finanzpolitik das Wichtigste ist. Dabei darf ich unseren Vereinen ein gutes Zeugnis ausstellen.» 

Trotzdem ist sich auch der Präsident bewusst, dass der Ruf der «Übergangsliga» nicht von ungefähr kommt. Stroppa selbst leitet deshalb eine Arbeitsgruppe, die eine zeitgemässere Spielklassen-Struktur ausarbeiten möchte: «Wir wollen die Regionen stärken und auf die Finanzen der einzelnen Vereinen Rücksicht nehmen, aber dabei auch die beste Lösung für den Nachwuchs finden. Dementsprechend soll der Spielbetrieb auch für die U21-Teams optimiert werden.»

«Die Liga ist ein Abenteuer»

Die Beispiele aus Olten und Wettingen schrecken den FC Lenzburg nicht ab. Jedoch möchte der Verein auch im Falle eines Aufstiegs auf Eigengewächse und Spieler aus der Region setzen, anstatt eine Söldnertruppe zusammenzustellen. 

Emilio Munera würde die Herausforderung in der 2. Liga inter mit dem FC Lenzburg gerne annehmen.

Emilio Munera würde die Herausforderung in der 2. Liga inter mit dem FC Lenzburg gerne annehmen.

Gerne hätte Trainer Emilio Munera mit seiner Mannschaft bereits nach dem Abbruch als souveräner Tabellenführer der regionalen 2. Liga einen freien Platz in der höheren Spielklasse eingenommen. Daraus wurde mit der Annullierung der Spielzeiten jedoch nichts. 

Es ist Munera durchaus bewusst, dass die 2. Liga interregional durch die weiteren Reisen und deren Auswirkungen auf die Zuschauer nicht sonderlich lukrativ ist. Trotzdem würde den Lenzburg-Trainer die sportliche Herausforderung reizen: «Die Liga ist ein Abenteuer. Unsere Mannschaft ist ambitioniert und hat junge, hungrige Spieler. Wir würden uns gerne darauf einlassen, falls es soweit kommt.»

Ginge es allerdings nach dem Trainer, sollten die Kantone künftig die 2. Liga jeweils in zwei regionalen Gruppen austragen. In der Rückrunde könnten dann jeweils die besten 8 Teams den Kampf um den Aufstieg in die 1. Liga unter sich ausmachen, so der Vorschlag von Munera.

«Die Reisen sind überschaubar» 

Muri ist als Spitzenteam ein wichtiger Bestandteil der 2. Liga inter. Bei Saisonabbruch stand die Mannschaft gar an der Spitze der Gruppe 5. Der ehemalige Erstligist gehört seit drei Saisons dem Spielbetrieb der Amateur Liga an.

Michael Stadelmann ist zufrieden mit der Attraktivität der 2. Liga inter.

Michael Stadelmann ist zufrieden mit der Attraktivität der 2. Liga inter.

Präsident und Spieler Michael Stadelmann ist zufrieden mit der aktuellen Situation: «Natürlich gibt es immer wieder Teams, die Mühe haben sich in dieser Liga zu etablieren. Die Liga finde ich jedoch aus sportlicher Sicht attraktiv. Auch die Reisen sind überschaubar.»

Der Präsident macht jedoch kein Geheimnis daraus: «Bei uns ist die Basis für die 1. Liga vorhanden. Ich würde gerne in den nächsten 3-5 Jahren wieder aufsteigen. Jedoch nicht um jeden Preis. Wir sind nicht das Muri von 10 Jahren, das sich teure Spieler holen konnte.»

Der Rückzug der beiden Konkurrenten aus Olten und Wettingen hat Stadelmann unterschiedlich aufgefasst: «Beim FC Olten war es schon immer ein auf und ab, jedoch hat mich der Entscheid des FC Wettingen überrascht. Ich dachte, der Verein wolle in die 1. Liga aufsteigen.»

Er kann jedoch verstehen, dass die Vereine sich nun für einen anderen Weg entschieden haben: «Wer überhaupt keine Spesenentschädigungen zahlt, hat es schwierig in unserer Liga», erklärt Stadelmann. 

Folgen weitere Vereine?

In der 2. Liga inter prallen verschiedene Welten zusammen. Fakt ist, wer finanziell begrenzte Mittel hat, der kämpft um den Ligaerhalt. Der Spielbetrieb ist zwar sportlich attraktiv, aber durch weite Reisen, fehlenden Lokalderbys und teilweise hohen Ansprüchen bei den Spielern auch mit grossen Kosten verbunden. Gerade in Zeiten nach der Coronakrise ist es deshalb gut möglich, dass auch andere Teams den Beispielen aus Wettingen und Olten folgen werden. 

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