NLA-Handball
Wer kocht im Aargauer Derby wen ab? «Das gibt kleine Psychospielchen»

Dario Ferrante und Johnny Knecht spielten jahrelang zusammen – am Donnerstag stehen sie sich im Derby zwischen dem HSC Suhr Aarau und dem TV Endingen gegenüber.

Alexander Wagner
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HSC-Torhüter Dario Ferrante (links) und Endingens Johnny Knecht sind gut befreundet, treten nun aber im Derby gegeneinander an.

HSC-Torhüter Dario Ferrante (links) und Endingens Johnny Knecht sind gut befreundet, treten nun aber im Derby gegeneinander an.

Alexander Wagner

Für den HSC Suhr Aarau geht es am Donnerstag im Derby gegen Endingen darum, sich einen Platz in der Finalrunde zu sichern. Für die Endinger geht es um die Ehre – und eine gute Ausgangslage für die Abstiegsrunde. Für Knecht und Ferrante geht es aber noch um viel mehr.
Johnny Knecht wohnte jahrelang gerade mal drei Minuten entfernt von der Schachenhalle in Aarau, wo er beim HSC Suhr Aarau mit dem Handball begann.

Doch seit der Saison 2009/2010 spielt er beim TV Endingen – zusammen mit Goalie Dario Ferrante. Der wohnt nach wie vor in seinem Elternhaus in Wettingen. Und pendelt seit dieser Saison in die Schachenhalle. Vielleicht haben sich die beiden Freunde auf dem Weg ins Training schon gekreuzt. Am Donnerstag werden sich ihre Wege mit Sicherheit kreuzen. Sie stehen sich im Aargauer Derby gegenüber.

Gegen Freund und Stammverein

2009 wechselte Knecht nach fünf Jahren bei Suhr zum TV Endingen in die U19. Im Goal stand Dario Ferrante, der beim SV Lägern mit dem Handball begann. Die beiden freundeten sich an, nicht nur auf dem Feld, sondern auch daneben. So gingen die beiden auch zusammen in die Ferien. Obwohl sie jeden Tag zusammen in der Halle standen.

Und nicht nur bei Endingen, sondern bereits zuvor in der Regionalauswahl spielten sie zusammen. Doch damit nicht genug: Auch an der Sportkanti Aarau sahen sie sich täglich und absolvierten gemeinsame Trainingseinheiten, vor allem im Kraftraum. «Ich schätze ihn sehr. Er ist als Spieler enorm ehrgeizig und hat sich trotzdem seine Lockerheit bewahrt, er ist immer für ein Spässchen gut», meint Ferrante über Knecht, der wiederum über Ferrante sagt: «Er ist einer der diszipliniertesten Spieler, die ich kenne. An seinem Fleiss, seiner mentalen Vorbereitung können sich viele ein Vorbild nehmen. Er ist immer voll fokussiert.»

Da sprechen zwei Freunde mit viel gegenseitigem Respekt übereinander. Und dann entschied sich Ferrante zu wechseln. «Klar fand ich es schade, dass wir uns nicht mehr jeden Tag sehen», gibt Knecht offen zu. Aber die beiden hätten sich bereits an der Aufstiegsfeier von Endingen versprochen, dass sie nach wie vor in engem Kontakt bleiben würden. «Das war sicher nicht einfach, aber er hat sich auch für mich gefreut», ergänzt Ferrante.

Gegen den Stammverein

Knecht lernte das Handball-ABC bei Suhr – und spielt jetzt mit Endingen gegen seinen Stammverein. «Ich habe Suhr sehr viel zu verdanken. Aber ich fühle mich im Herzen zu 100 Prozent als Endinger», bleibt Knecht cool. Wird dann aber doch noch emotional: «Spezieller wird es, wieder nach Aarau zurückzukehren. Habe ich doch sehr lange auch noch gleich neben der Schachenhalle gewohnt.» So spielt er nicht nur gegen seinen ehemaligen Verein, sondern auch gegen seinen Freund.

Knecht weiss natürlich genau, wo Ferrante seine Stärken hat und er besser nicht hinzielt. Und wo er grössere Chancen hat, ein Tor zu erzielen. Im Gegenzug kennt Ferrante natürlich genau die Schussbilder von Knecht.

Aus hunderten von gemeinsamen Trainings und Partien. Und weiss genau, wohin sein Freund die harzverschmierte Kugel am liebsten wirft. «Ich denke, dass am Ende nicht die ’Hard Skills’ entscheiden werden, sondern dass sich die Duelle im Kopf entscheiden werden», meint der Rückraumspieler. «Das gibt kleine Psychospielchen», ergänzt der Goalie. Und bei beiden merkt man die Vorfreude auf das anstehende Duell.

Wichtiges Duell

Natürlich ist das Duell für beide Teams enorm wichtig. Für das Prestige um die Nummer 1 im Kanton. Aber nicht nur. Suhr kämpft um die Finalrunde. Nach einem hervorragenden Start kam Sand ins Getriebe: «Am Anfang hatten wir viel Drive, alle haben daran geglaubt. In der jetzigen Phase ging auch etwas das Selbstverständnis verloren und es kam eine leichte Unsicherheit auf», weiss Ferrante.

Für den Aufsteiger aus dem Surbtal geht es darum, sich für die Abstiegsrunde eine gute Ausgangslage zu schaffen. Dass sie hartes Brot beissen werden, war von Beginn weg allen klar. «Aber uns fehlt die nötige Konstanz», bemängelt Knecht und weiss selber: «Wir haben nicht das gespielt, was wir können.»

Am Donnerstag können er und seine Kollegen aus Endingen es zeigen. Genau wie Ferrante und sein Team. Die Frage ist nur, wer kocht im Derby am Ende wen ab? Für genügend Brisanz ist gesorgt. Nicht nur bei Ferrante und Knecht.