Eine ganze Woche lang haben rund 50 freiwillige Helferinnen und Helfer zusammen mit der Armee das Festgelände im Brugger Schachen errichtet. Drei der vier Tribünen wurden nach den Aargauer Flüssen Limmat, Reuss und Aare benannt. Vielleicht war dies ein schlechtes Omen, denn das viele Wasser hat das 111. Aargauer Kantonalschwingfest während des ganzen Wochenendes verfolgt.

Beim Jungschwinget am Samstagregnete es bereits regelmässig. Und auch am Sonntagmorgen goss es schon beim Anschwingen am Morgen wie aus Kübeln. Trotzdem wollte sich eine Mehrheit der 4500 Zuschauern den ersten Gang nicht entgehen lassen. Ausgerüstet mit einem Regenschutz setzten sich die wirklich eingefleischten Schwingfans nicht etwa unter das schützende Tribünendach, sondern direkt ans Sägemehl, um ihre Lieblinge und Freunde so nah wie möglich anzufeuern.

Attiger vertritt Hürzeler

Pünktlich zum Empfang der Ehrengäste um 11 Uhr hörte der Regen auf. OK-Präsident Thierry Burkart lobte die freiwilligen Helfer, die ein Beweis für das «hervorragend funktionierenden Milizsystems» der Schweiz seien: «Sie haben nicht gefragt, was sie für ihre ehrenamtliche Arbeit erhalten, sondern was sie geben können.»

Burkart begrüsste auch viel Politprominenz: Da war unter anderem die FDP-Schweiz-Präsidentin Petra Gössi, die Nationalräte Christian Imark (SVP/SO), Sylvia Flückiger (SVP/AG) und der Aargauer Landammann Stephan Attiger, der seinen Regierungsratskollegen Alex Hürzeler vertrat.

Am allermeisten geschmeichelt haben dürfte dem Aargauer Schwingvolk der Besuch von Bundesrat Ueli Maurer. Seine Anwesenheit beweise, welch grosses Ansehen das Aargauer Kantonale in der Schweiz geniesst, freute sich Burkart.

Bäumige Stimmung am 111. Kantonalschwingfest

Bäumige Stimmung am 111. Kantonalschwingfest

Trotz 13 Grand herrscht am in Brugg alles andere als Schlotterstimmung. Hier wird geschnupft, getrunken und böse geschwungen. Mit dabei: Ueli Maurer.

Maurer, der echte Schwingfan

Trotz des schlechten Wetters war Ueli Maurer am Morgen einer der Ersten auf dem Brugger Festgelände. Dass der Anlass für ihn alles andere als ein lästiger Pflichttermin ist, bewies er – wenn auch ungewollt – beim Apéro vor dem Mittagessen. Kurz nach der Ansprache von OK-Präsident Burkart schlich sich Maurer davon, um nicht die letzten 15 Wettkampf-Minuten vor der Mittagspause zu verpassen.

Beim Festakt am Nachmittag sagte Ueli Maurer dann, welchen Stellenwert der Schwingsport für ihn hat: «Ein Schwingfest ist wichtig für mein Gemüt. Es ist eine willkommene Abwechslung in einem traditionellen Rahmen.» Gerade in der hektischen Zeit, in der wir leben würden – «mit all den iPhones und sonstigen Smartphones» – seien solche Sonntage wichtiger denn je. Für die Organisatoren hatte Maurer nur lobende Worte. Er habe den Anlass sehr genossen und Brugg sei eine tolle Örtlichkeit für das 111. Aargauer Kantonale gewesen.

Hektik im Einteilungsraum

Maurer, Burkart und Attiger haben gestern keine Politik betrieben. Politik – also verbindliche, oft umstrittene Entscheide – haben die Verantwortlichen im Einteilungsbüro gemacht. Im Herzstück des Schwingfests wurden die Paarungen für die sechs Gänge festgelegt. Je weiter das Aargauer Kantonale voranschritt, desto mehr brei-tete sich im Büro Unruhe aus. Weil die beiden Gäste Andi Imhof (Uri) und Armon Orlik (GR) die ersten vier Gänge allesamt siegreich gestalteten, zeichnete sich ein Schlussgang ohne Nordwestschweizer Beteiligung ab. Ein absolutes Horrorszenario.

Guido Thürig, technischer Leiter des Aargauer Schwingverbandes, musste sich für den fünften Gang etwas einfallen lassen. Er ging mit seinen Kollegen die verschiedenen Einteilungsmöglichkeiten durch: «Nei, dä isch nur 50 Kilo schwer» oder «dä schlot dä Orlik niemols» sind zwei druckreife Aussagen aus dem Einteilungsbüro. Letztlich ging Thürigs Taktik auf: Die zwei Solothurner Marcel Kropf und Bruno Gisler standen im Schlussgang und sorgten für ein würdiges Finale.

Bruno Gisler gewinnt 111. Kantonalschwingfest

Bruno Gisler gewinnt 111. Kantonalschwingfest

Solothurnischer Triumph in Brugg. Nicht etwa Kronfavorit Armon Orlik, sondern der Rumisberger Bruno Gisler darf Siegermuni Bruno mit nach Hause nehmen.