Unihockey
Wenn OL-Läufer zum Stock greifen – die Geschichte des UHC Lok Reinach

Während eines Orientierungslaufs in Schweden werden junge Wynentaler von Unihockey inspiriert. Obwohl die Sportart in der Schweiz wenig bekannt ist, gründeten sie den Club Lok Seetal – das war vor 30 Jahren.

Ruedi Burkart
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Saison 2016/17: Dem Nachwuchs gehört die Zukunft. Lennart von Flüe am Ball, hinten lauert Ramon Schneeberger. Beobachtet werden die beiden von ihren Teamkolleginnen.

Saison 2016/17: Dem Nachwuchs gehört die Zukunft. Lennart von Flüe am Ball, hinten lauert Ramon Schneeberger. Beobachtet werden die beiden von ihren Teamkolleginnen.

Ruedi Burkart
30 Jahre Unihockey im Wynental

30 Jahre Unihockey im Wynental

Zur Verfügung gestellt

Wir schreiben das Jahr 1985. Eine illustre Truppe von ambitionierten Orientierungsläufern der Gruppe Rymenzburg weilt an einem Fünftage-OL in der schwedischen Stadt Falun. Dort erspäht Teamleiter Rainer Sommerhalder im Schaufenster eines Sportgeschäfts einen modernen Unihockeystock. Kurzerhand importiert man ein ganzes Set in die Schweiz und spielt fortan im Wintertraining damit. Die jungen Wynentaler haben Spass an der in der Schweiz noch wenig bekannten Sportart. Konsequenz: Im Winter 1987 gründen eine Handvoll Kanti-Schüler und ein paar Orientierungsläufer den Unihockey-Club Lok Seetal. Notabene nur zwei Jahre nach der Gründung des Schweizer Unihockey-Verbands.

Andere Länder, Andere Sitten: Kanonendonner holt Schweden aus dem Bett

Jonas Stenmark und Anton Magnusson hiessen die ersten Schweden, die für Lok Reinach in der Nationalliga B auf Torejagd gingen. Die beiden kamen 1995 ins Wynental und wohnten in einer Wohnung vis-à-vis des Reinacher Saalbaus. An einem Sonntagmorgen läutete Jonas Stenmark – ein Neffe des ehemaligen Weltklasse-Skifahrers Ingemar Stenmark – Reinachs Trainer und Sportchef Rainer Sommerhalder aus den Federn. «Stenmark war völlig aufgebracht», erinnert sich Rainer Sommerhalder, «er sagte, er sei wegen lauten Kanonendonners aufgewacht und ans Zimmerfenster gestürmt. Und jetzt renne auf der Hauptstrasse das Militär mit Gewehren an seiner Wohnung vorbei.» Stenmark fragte Sommerhalder allen Ernstes, ob der dritte Weltkrieg ausgebrochen sei. «Ich erklärte ihm», so Sommerhalder, «dass alles in Ordnung ist.» Stenmark und Magnusson waren Zeugen des Starts des Reinacher Waffenlaufs geworden. (rubu.)

«Wir nannten uns Lokomotive Seetal, weil damals am Sonntag noch regelmässig Dampfloks im Seetal verkehrten. Und weil wir mit diesem Namen die ganze Region abdecken und damit einen gewissen Bezug der Bevölkerung zu unserem Verein schaffen wollten», so Sommerhalder. Das erste Vereinslogo zeigte denn auch eine Dampflok. Indes, die Namenswahl erwies sich als Bumerang. Keine Gemeinde fühlte sich für den jungen Verein verantwortlich, niemand wollte ihm sportliches Asyl gewähren. «Es war beispielsweise äusserst schwierig, eine Halle zu bekommen», schaut Sommerhalder zurück. Erst die Änderung des Vereinsnamens im Frühjahr 1989 in UHC Lok Reinach schaffte da Abhilfe. Sommerhalder: «Von da an hatten wir ein zu Hause.» Fortan spielten und trainierten die Unihockeyaner dort, wo sie noch heute daheim sind: in der Pfrundmatt-Halle.

Dreimal in die Nationalliga A

Der junge Verein gedieh prächtig und bald schon stellte sich der erste sportliche Erfolg ein: 1992 stieg die 1. Mannschaft in die 1. Liga Kleinfeld auf. Zwei Jahre folgte die Promotion in die Nationalliga B und damit der Wechsel auf das Grossfeld. In den nächsten Jahren wirkten prominente Leute im Wynental. Der damalige Schweizer Nationaltrainer Felix Coray wurde als Coach verpflichtet, in der Saison 1995/96 spielten erstmals zwei Schweden bei Lok Reinach und erlitten dabei den Schreck ihres Lebens (vgl. Text rechts). Den sportlichen Höhepunkt erlebte man im Jahr 2000 mit dem ersten von total drei Aufstiegen in die Nationalliga A. Aktuell spielen die Reinacher in der 1. Liga. Zu Gründungsmitglied Sommerhalder: Der langjährige AZ-Sportredaktor zog sich nach dem dritten Aufstieg in die NLA – die damals Swiss Mobiliar League hiess – im Sommer 2009 aus dem Verein zurück.

Im Nachwuchs feierte man in früheren Jahren ebenfalls den einen oder anderen Erfolg. Seit geraumer Zeit ist die Lage allerdings ein wenig angespannt. Es fehlen vor allem die älteren Jahrgänge. «Wir konnten ein paar Jahre keine U18-Mannschaft melden. Dieses Loch spüren wir jetzt», so Riccardo Belluz, Vereinspräsident seit 2012. Bei den jüngeren Junioren läuft es jedoch nach Wunsch. Vor allem das «Kids Unihockey» für Kinder ab fünf Jahren jeweils am Mittwoch ist ein grosser Erfolg. Insgesamt spielen 120 Kinder und Jugendliche in Reinach Unihockey.

Auf ein grosses Fest anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums wird verzichtet. «Wir werden vereinsintern etwas organisieren», sagt Belluz. Anstossen auf den runden Geburtstag kann die Bevölkerung mit den Unihockeyanern gleichwohl. Am Reinacher Jugendfest am ersten Juli-Wochenende führen sie eine Beiz.

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