FC Aarau
Wenn nach dem Führungstreffer plötzlich die Angst die Runde macht

Der FC Aarau ist in drei der vier Spiele seit dem Abstieg in die Challenge League in Führung gegangen. Für einen Sieg hat es trotzdem noch nicht gereicht.

Dean Fuss
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Kurzer Aarauer Jubel nach dem Tor zum 1:0 durch Marvin Spielmann.

Kurzer Aarauer Jubel nach dem Tor zum 1:0 durch Marvin Spielmann.

Michela Locatelli/freshfocus

Die Freude über Marvin Spielmanns ersten Treffer im Trikot des FC Aarau wurde rasch getrübt. Nur eine knappe Minute nachdem der 19-Jährige den Super-League-Absteiger in Chiasso mit 1:0 in Führung geschossen hatte, schlugen die Gastgeber zurück und trafen zum Ausgleich.

Bereits zum dritten Mal in der noch jungen Saison verspielte die Mannschaft von Trainer Livio Bordoli am frühen Samstagabend einen Vorsprung und brachte die Führung nicht über die Zeit.

Das war schon beim 1:1 zum Saisonauftakt gegen den FC Wohlen so gewesen. Pikant: Wie gegen Chiasso kassierten die Aarauer im Kantonsderby den Ausgleich in der 85. Minute, nachdem sie durch den Führungstreffer von Captain Sandro Burki in der 52. Minute vermeintlich erlöst worden waren.

Noch schlimmer erging es dem FCA im Heimspiel vor etwas mehr als einer Woche gegen den FC Biel: Nachdem erneut Burki und Ridge Mobulu ihr Team mit sehenswerten Toren bis zur 20. Minute mit 2:0 in Front geschossen hatten, brach der FCA in der zweiten Halbzeit ein und verlor die Partie nach drei Gegentoren zwischen der 65. und der 74. Minute noch mit 2:3.

Die Angst nach der Führung

Der FC Aarau hat in seiner Ausgabe 2015/16 ein ganz offensichtliches Problem: Er kann nicht mit Führungen umgehen. «Sobald wir in Front liegen, kommt die Angst auf den Platz», sagte Spielmann nach dem Schlusspfiff der Partie in Chiasso und fügte präzisierend an: «Nicht der einzelne Spieler hat Angst, sondern irgendwie schleicht sich das in diesen Momenten im Kollektiv ein.» Eine Erklärung, weshalb sich das momentan so verhält, hat Spielmann nicht.

Denn eigentlich sollte der Jubel über einen Torerfolg die Mannschaft in ihrer Sache bestärken, ihr einen zusätzlichen Schub an Selbstvertrauen bescheren. Auch Captain Sandro Burki tut sich schwer, eine Erklärung für die Probleme im Umgang mit Führungen zu finden: «Es fehlt uns im Moment die Abgeklärtheit, um mit solchen Situationen umzugehen und ein solches Spiel über die Runden zu bringen.»

Dass man in Chiasso den 1:1-Ausgleich unmittelbar hinnehmen musste, sei «brutal» gewesen. «Wir hatten so viele gute Chancen. Waren gerade in der zweiten Halbzeit hochgradig überlegen. Endlich schiessen wir das Tor, wollen unbedingt weiter angreifen und dann unterläuft uns ein unglücklicher Fehler, eine kleine Unachtsamkeit – und wir werden sofort bestraft. Das ist bitter. Wir sind enttäuscht», fügte der Captain noch an.

Bordolis erfolgreiche Wechsel

Trainer Bordoli nimmt trotzdem einiges an Positivem aus dem Chiasso-Spiel mit. «Wir haben den Leader dominiert. Hätten eigentlich gewinnen müssen», sagte der 51-jährige Tessiner. Zudem hatte der Trainer seine Mannschaft perfekt auf den Gegner eingestellt: Um Chiassos Spielmacher Andrea Maccoppi aus dem Spiel zu nehmen, stellte er Carlinhos auf der Doppelsechs neben Burki und dafür Michael Perrier als Zehner hinter der Sturmspitze auf. Kim Jaggy, der nicht als Flügel, sondern wieder auf seiner angestammten Position als Aussenverteidiger zum Einsatz kam, machte eine ganz starke Partie. Und schliesslich hatte Bordoli auch mit seinen Einwechslungen Erfolg: Marvin Spielmann, Daniele Romano und indirekt auch Petar Sliskovic waren allesamt am 1:0-Führungstor beteiligt.

Für Torschütze Spielmann hatte der 1:1-Ausgleich Chiassos einen doppelt bitteren Nachgeschmack. Nach seinem ersten Torerfolg in der Challenge League hätte er die mühselige Heimfahrt auf der wegen des Endes der Schulferien verstopften Süd-Nord-Achse im Mannschaftsbus lieber als Matchwinner angetreten. «Natürlich ist es ein gutes Gefühl, getroffen zu haben. Aber dass wir den Sieg nicht über die Zeit gebracht haben, tut mir mehr weh, als mich mein persönlicher Erfolg freut. Ich hätte lieber gewonnen, als selber ein Tor zu erzielen», sagte Spielmann. So blieb wohl eher Zeit, in Gedanken dem verpassten Coup im Tessin nachzuhängen.