FC Aarau

Wenn in Aarau der Löwe los ist

Leidenschaft am Spielfeldrand: Aaraus Trainer Marco Schällibaum vergleicht sich mit einem Löwen, der sein Revier verteidigt.

Leidenschaft am Spielfeldrand: Aaraus Trainer Marco Schällibaum vergleicht sich mit einem Löwen, der sein Revier verteidigt.

Warum der FC Aarau im Kampf um die Fairplay-Trophy wohl chancenlos ist. Im heutigen Spiel gegen Xamax (19:45 Uhr) müssen die Aarauer eine rote Karte verhindern, sonst könnte dies sich rächen.

Rot für Olivier Jäckle wegen eines Ellbogenchecks! Rot für Geoffrey Tréand wegen einer Tätlichkeit! Gelb-Rot für Stéphane Besle wegen eines Fouls und eines Nasenstübers! Drei Platzverweise in fünf Spielen: Das sind gleich viele rote Karten wie in der gesamten letzten Saison! Da stellt sich die Frage, wie böse die aktuelle Ausgabe des FC Aarau ist. Antwort: Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist sie ziemlich böse.

Woran das wohl liegen mag? Betreiben wir Ursachenforschung und beginnen wir beim Trainer – bei Marco Schällibaum also, der alles andere als ein Kind von Traurigkeit ist. «Halt, halt», sagt er. «In den vergangenen vier Spielen hatte ich mich völlig im Griff und war die Ruhe selbst.»

Mag sein, aber im Heimspiel beim 1:1 gegen Chiasso zum Saisonauftakt liess er – formulieren wir es mal salopp – die Sau raus. Nach dem Schlusspfiff war der 54-Jährige kaum zu beruhigen. Als Zielscheibe der Kritik musste mit Esther Staubli vor allem die vierte Offizielle hinhalten. Kurze Zeit später entschuldigte sich Schällibaum bei Frau Staubli. Damit war die Sache vom Tisch.

Wer den FC Aarau nach der Startphase dieser Meisterschaft unter die Lupe nimmt, kommt zum Schluss: Das Spiel ist eine Kopie des Trainers. Es ist kämpferisch, bissig, leidenschaftlich! Der totale Siegeswille ist spürbar. Um seine Rolle als Trainer des FC Aarau zu beschreiben, wählt Schällibaum einen Vertreter aus der Tierwelt.

«Ich bin, ich muss der Löwe sein», sagt er. «Ich gehe voraus. Es ist meine Aufgabe, das Revier zu verteidigen.» Ein Löwe also: Der Vergleich ist gut. Der Löwe ist der König der Tiere. Und Schällibaum ist durchaus ein kleiner König. Schliesslich hat er den FC Aarau in der Rückrunde der vergangenen Saison aus den Niederungen der Tabelle geholt und an die Spitze der Challenge League geführt.

Böse ist der falsche Ausdruck

Zurück zum bösen FC Aarau: Sind die Spieler wirklich böse? «Nein», sagt Schällibaum. «Böse ist der falsche Ausdruck. Natürlich verlange ich von den Spielern Aggressivität und Herzblut. Aber es gibt keinen Spieler, der seinem Gegner mit Absicht wehtun oder ihn sogar verletzen will.» Des Trainers Worte in Gottes Ohr; einer, der sich bezüglich Fairplay immer am Limit bewegt, ist Stéphane Besle.

Der eisenharte und schlitzohrige Innenverteidiger kassierte in der Schlussphase des Heimspiels gegen den FC Schaffhausen die gelb-rote Ampelkarte und wird dem FC Aarau heute in Neuenburg gegen Xamax fehlen. Der 32-jährige Franzose wurde gegen die Nordostschweizer innert 30 Sekunden zweimal verwarnt und hatte Glück, dass er beim Griff ins Gesicht eines Gegenspielers nicht direkt rot sah.

«Das war eine Dummheit», kritisiert Schällibaum Besles Verhalten. «Das habe ich Stéphane in einem Gespräch unter vier Augen gesagt. Besle muss sich in Zukunft besser unter Kontrolle haben. Wir brauchen ihn. Schliesslich ist er unser Abwehrchef, unser Patron in der Defensive.»

Neben Besle muss aufseiten des FC Aarau auch der verletzte Daniele Romano pausieren. Im Gegensatz dazu trainieren Olivier Jäckle und Denis Markaj wieder mit. Um sich optimal auf den Kunstrasen im Stade de la Maladière einstellen zu können, trainierte man am Wochenende auf der Plastikunterlage in Gränichen.

Nach einem Footing im Brügglifeld wird die Mannschaft am Montag kurz vor Mittag in Richtung Neuenburg reisen und sich in einem Hotel auf das Verfolgerduell vorbereiten. Das Ziel ist klar: Der FC Aarau will in der sechsten Runde der Saison ungeschlagen bleiben, um mit positiven Gefühlen in die zweiwöchige Pause gehen zu können.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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