Erst einen Monat ist es her, seit Schwimmerin Nora Meister an den World Para Swimming Finals in Berlin einen Weltrekord über 200 m Rücken aufgestellt hat. Das Schuljahr ist für die Sportgymasiastin der Alten Kanti Aarau nun zu Ende, doch Ferien und Erholung gibt es für die zweifache Europameisterin nicht. Sie steckt mitten in der Vorbereitung für die Para-Schwimm-Weltmeisterschaften, die Anfang September in London stattfinden.

Nora Meister leidet an einer Versteifung der Extremitäten (Arthrogryposis multiplex congenita) sowie einer Hörbehinderung. Auf den ersten Blick erkennt man beim Schwimmen die Behinderung von Nora Meister nicht sofort. Bei genauerem Hinsehen stellt man aber fest, dass bei ihr der Beinschlag fehlt. «Ich arbeite vor allem mit den Armen und dem Oberkörper», erklärt die Aargauerin.

Acht Wochen tägliches Training

Der Trainingsaufwand für Nora Meister ist aufgrund ihres Handicaps aber nicht kleiner als bei anderen Spitzensportlern. In den Sommerferien trainiert die Lenzburgerin zuerst zwei Wochen durchgehend ein bis zweimal pro Tag in ihrem Verein Aarefisch Aarau, danach in Magglingen. «Zum Schulanfang gehe ich zwei Tage in die Schule, danach geht es wieder nach Magglingen zum dreiwöchigen Trainingslager mit zwei Trainings pro Tag», erzählt die frischgebackene Weltrekordhalterin. Einen Tag ist sie dann noch zuhause, bevor sie zu den Weltmeisterschaften nach London (9. bis 15. September) fliegt.

In London startet Nora Meister in der Klasse S7 über 100 m Rücken, 100 m und 400 m Crawl. Der letzte Langbahn-WM-Titel einer Schweizer Behindertensportlerin liegt bereits 13 Jahre zurück. Als die blinde Chantal Cavin 2006 Weltmeisterin wurde, war Nora erst drei Jahre alt. «Für jeden ist das Ziel bei jedem Wettkampf, egal ob Schweizer Meisterschaften oder Weltmeisterschaften, eine Medaille zu gewinnen», sagt die 16-Jährige, «Ich habe mir aber keine Platzierung als Ziel gesetzt, da London meine erste WM ist. Ich gebe dort mein Bestes und schaue, was dabei herauskommt. Ich würde aber gerne über die Distanzen, bei denen ich starte, meine persönlichen Bestzeiten unterbieten.»