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Wegen Stadion: Wohlens Aufstiegschancen liegen knapp über null Prozent

Tabellenführer Wohlen darf vorläufig nur sportlich von der Super League träumen. Die Infrastruktur im Stadion Niedermatten reicht für die höchste Spielklasse nicht aus.

Fabian Sanginés
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Viel Power auf dem Platz, zu wenig Lux bei der Beleuchtung: Das Stadion Niedermatten verfügt nicht über die erforderliche Lichtstärke.

Viel Power auf dem Platz, zu wenig Lux bei der Beleuchtung: Das Stadion Niedermatten verfügt nicht über die erforderliche Lichtstärke.

Nordwestschweiz

Zu Anfang war es Verblüffung, was der FC Wohlen in der Challenge League ablieferte. Doch spätestens nach der ersten Niederlage, wohlgemerkt erst in der zwölften Runde Mitte Oktober, prophezeiten die Experten dem Überraschungsteam des Saisonstarts einen Einbruch und fühlten sich mit der 0:1-Niederlage in Genf, der bis heute einzigen Auswärtsniederlage dieser Spielzeit, bestätigt.

Heute, knapp zwei Monate vor Saisonende ist aus dieser Verblüffung eine Bewunderung geworden. Wie souverän die Freiämter auftreten, ihre atemberaubende Auswärtsbilanz von 31 Punkten in zwölf Spielen und die Leichtigkeit, mit welcher Trainer Ciriaco Sforza und seine Spieler die einmonatige Mini-Winterpause gemeistert haben, können nur zu einem einzigen Schluss führen: Der FC Wohlen ist mehr als nur ein ernst zu nehmender Aufstiegskandidat, sondern der Favorit schlechthin.

Wohlen wird auf kein anderes Stadion ausweichen

Doch kann sich der Verein einen Aufstieg überhaupt leisten? Wo würde Wohlen spielen, schliesslich ist die Niedermatten, in Gegensatz zu deren Heimteam, bei weitem nicht Super-League-tauglich. Ähnlich sieht das Präsident Lucien Tschachtli, der gegenüber der NZZ im vergangenen August sagte, dass der Verein die Lizenz «beantragen und sie dann nicht erhalten werde, weil die Infrastruktur des Stadions nicht genügt.»

Etwas abgeschwächt sieht Tschachtli die Situation heute: «Ich kann nicht sagen, ob wir die Lizenz erhalten werden, schliesslich entscheide ich ja nicht darüber. Die Chance steht aber bei knapp über null Prozent.» Er hält jedoch fest, dass der FC Wohlen auf kein anderes Stadion ausweichen wird. Ansonsten will der FCW-Präsident jedoch nichts ausschliessen, schliesslich geht er davon aus, dass der Verein bis auf den Punkt Infrastruktur alle Voraussetzungen erfülle.

Und in Anbetracht, dass der Provinzklub auf einmal die Gelegenheit hat, die Nummer eins im Kanton zu werden, hofft Tschachtli auf ein «let’s do it» seitens der Gemeinde. Ausserdem betont er, dass es dem Verein «finanziell gut» gehe, was auch die per 25. Februar endgültig vollzogene Kapital-Erhöhung auf 500 000 Franken (vorher 335 000) belegt.

Problem Beleuchtung

Einfach wird es trotzdem nicht. In den Super-League-Überlegungen stellen sich dem Verein die Lichtmasten beziehungsweise deren Beleuchtung in den Weg. «Die TV-Verträge der Swiss Football League besagen, dass alle Stadien mindestens 1000 Lux haben müssen, ansonsten droht eine saftige Geldbusse», sagt Lucien Tschachtli. Das neue Lichtmaterial würde wohl mehr als eine Million Franken kosten – und die landwirtschaftliche Zone beanspruchen.

Es ist umso beeindruckender, mit welcher Leichtigkeit das Team mit all den Unsicherheiten umgeht, sie nahezu komplett ausblenden kann. «Die Jungs wollen einfach nur Fussball spielen und Spass haben», so der oberste FC-Wohler. Dies können sie heute Abend endlich wieder zu Hause tun – zum ersten Mal in diesem Jahr – gegen den FC Biel.

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