Eigentlich ist die Gymnaestrada ein Fest der Freude. Tausende Junger und Junggebliebener verwandeln Lausanne in dieser Woche in eine pulsierende Turnmetropole. Freundschaften werden geschlossen, Grenzen überwunden. Brasilianer treffen auf Chinesen, Ägypter auf Thailänder. In der Gruppe Dance + Climb treffen 22 Aargauer auf 70 Solothurner. Zweieinhalb Jahre Arbeit steckte die interkantonale Gruppe in ihren 20-minütigen Auftritt. Und beinahe musste dieser in letzter Minute abgesagt werden.

Am Vorabend stellten die Aargauer fest, dass ihre Schwedenleiter nicht in die Halle passt. Zu gross war ihre 5,6 Meter hohe und 1,3 Tonnen schwere Leiter. Dabei hatte Gruppenleiter Christian Braun aus Windisch im Oktober die Halle besichtigt und dem OK die Masse durchgegeben. «Ich hatte schon im Oktober ein mulmiges Gefühl», sagte Braun.

Gymnaestrada-Video AZ

Auftritt von Dance + Climb an der Gymnaeastrada

Aus der Vorahnung wurde nachts um 22 Uhr Gewissheit. Doch die Gruppe liess sich nicht unterkriegen. Am frühen Morgen wurde die Leiter in eine andere Halle verschoben. Der Auftritt um 9 Uhr war gerettet. Alles andere wäre für die Beteiligten eine Riesenenttäuschung gewesen. Die Solothurner, die den Aargauern in ihrer Gruppe Unterschlupf gewährten, wären beinahe über ihre Gastfreundschaft gestolpert.

«Das wäre ganz bitter gewesen»

Zwar hätten die Frauen und Männer der Gymnastikgruppe des Solothurner Turnverbands ihren Teil des Auftritts auch ohne die Aargauer (aus Ehrendingen, Windisch, Mülligen und Veltheim) absolvieren können. «Doch dann hätte die Musik neu geschnitten werden müssen», so der Subinger Leiter Walter Fankhauser. «Es wäre ganz bitter gewesen, wenn der Auftritt nicht geklappt hätte.» Erleichtert zeigte sich auch Blockchefin Heidi Müller: «Ich bin sehr zufrieden mit unserem Auftritt. Auch der Schluss, den wir kurzfristig geändert haben, hat wunderbar geklappt.»

Nur zwei gemeinsame Trainings hatte die Gruppe im Vorfeld der Gymnaestrada absolviert. Den tanzenden Teil übernahmen die Solothurner, den Part an der Schwedenleiter die Aargauer. Weil die Aargauer in keinem anderen Block Platz fanden, fragte die Fachgruppe, welche die Einteilungen an der Gymnaestrada vornimmt, bei den Solothurnern nach. Zur Freude der Aargauer sagten die Solothurner zu. «Es ist doch schön, wenn sich verschiedene Kantone in einer Gruppe treffen», sagte Fankhauser. Riesig war die Erleichterung bei Braun: «Die Anspannung nach dem Hin und Her war enorm.»