Nach sieben Auswärtsniederlagen in Folge, sechs davon noch in der letzten Saison, liegt das ersehnte Erfolgserlebnis auf fremdem Terrain für den FC Aarau auf dem Silbertablett bereit. Es läuft schon die 94. Spielminute, und die Mehrheit der 3600 Zuschauer auf der Schützenwiese hat sich vermutlich mit der dritten Winterthurer Niederlage im dritten Spiel abgefunden.

Da schlägt Goalie Matthias Minder die Kugel ein letztes Mal voller Verzweiflung in Richtung Gästetor. Der Aarauer Michael Perrier verliert in der Winterthurer Platzhälfte das Kopfballduell, und plötzlich liegt der Ball vor den Füssen von Silvio, der nicht lange fackelt, zum 1:1 trifft und seiner Mannschaft den ersten Meisterschaftspunkt beschert. «Das ist so etwas von bitter», sagte hinterher der machtlose Aarauer Goalie Steven Deana. «Wir haben bis zur 94. Minute kaum etwas zugelassen, und dann das! Jetzt müssen wir am Donnerstag gegen Schaffhausen Vollgas geben.»

Steven Deana war machtlos: «Das ist so etwas von bitter.»

Steven Deana war machtlos: «Das ist so etwas von bitter.»

Marinko Jurendic wollte indes zum Spiel gegen den Spitzenreiter noch nichts sagen. «Die Vorbereitung darauf beginnt am Dienstag», sagte der Aarauer Trainer, der nach drei Partien noch auf den ersten Sieg mit seinem neuen Klub wartet. Die Enttäuschung war Jurendic ins Gesicht geschrieben. So lange war sein Plan aufgegangen, bis diese letzten Sekunden alles kaputt machten. «Ja, unsere Absicht war es, ohne Gegentor zu bleiben. Dann aber hat ganz zuletzt die Konzentration gefehlt», sagte der Trainer.

FC Winterthur-FC Aarau 1:1 – Stimmen zum Spiel

FC Winterthur-FC Aarau 1:1 – Stimmen zum Spiel

Interviews mit Torschütze Petar Misic sowie mit Cheftrainer Marinko Jurendic

Glück gesucht und gefunden

Er wollte seiner Mannschaft aber nicht den Vorwurf machen, sie habe das 1:0 zu passiv verwaltet. Er erinnerte vielmehr an die Grosschance, die Stürmer Patrick Rossini zwei Minuten nach der Pause vergab. Der Tessiner scheiterte alleine vor Minder. «Wenn wir dieses 2:0 schiessen, dann läuft der Match anders. Am Schluss war dann klar, dass die Winterthurer mit weiten Bällen ihr Glück versuchen würden», sagte Jurendic. Glück, das sie dann auch tatsächlich fanden.

Marinko Jurendic: «Wenn wir dieses 2:0 schiessen, dann läuft der Match anders.»

Marinko Jurendic: «Wenn wir dieses 2:0 schiessen, dann läuft der Match anders.»

Auch wenn Jurendic nicht dieser Ansicht ist: Der FC Aarau stand in der zweiten Hälfte zu tief und versäumte es, die Räume zu nützen, welche die offensiver werdenden Gastgeber ihnen öffneten. Es stimmt: Die Aarauer verteidigten nicht schlecht, eigentlich sogar gut. Sie hielten diszipliniert ihre Positionen und behielten kühlen Kopf. Und ja, Winterthur kam tatsächlich kaum zu Torchancen, sodass die Gäste vielleicht glaubten, es würde hier nichts mehr anbrennen. Hätte Aarau das 1:0 über die Zeit gebracht, wäre von einer cleveren Teamleistung die Rede gewesen.

Misic mit feinem Füsschen

So aber muss es sich nun vorwerfen lassen, dem harmlosen Gegner nicht früher definitiv den Zahn gezogen zu haben. Sich viel zu sehr auf dem Führungstreffer ausgeruht zu haben, den die Neuverpflichtung Petar Misic nach 35 Minuten erzielt hatte. Der Kroate hatte mit einem feinen Füsschen einen Freistoss zu seinem ersten Tor in der Challenge League genützt. Zu mehr als einem Remis sollte es aber nicht reichen in einem Spiel, das klarmachte, warum die beiden Teams noch auf den ersten Sieg warten.

Der Liveticker des Spiels zum Nachlesen: