Schwingen

Wegen Doping-Gisler: Knatsch bei den Nordwestschweizer Schwingern

Der Spray des Anstosses: Der Dopingfall Bruno Gisler sorgt im Verband weiterhin für Gesprächsstoff. Key

Der Spray des Anstosses: Der Dopingfall Bruno Gisler sorgt im Verband weiterhin für Gesprächsstoff. Key

Im Nordwestschweizer Verband brodelt es wegen des Dopingfalls Bruno Gisler. Der Schuldige ist seit seinem Geständnis untergetaucht und der Verband ist nicht gewillt, den Fall offen zu diskutieren. Vor der Delegiertenversammlung herrscht dicke Luft.

Es hätte ein Jubeljahr werden sollen. Mit Bruno Gisler hatte der Nordwestschweizer Schwingerverband (NWS) letzten Sommer einen aussichtsreichen Kandidaten um die Krone am «Eidgenössischen» in Burgdorf im Rennen. Mit einem Kranz kehrte der Gisler aus dem Emmental zurück, der sich kurz darauf sprichwörtlich in Luft auflöste. Der Fall machte schweizweit Schlagzeilen. Er wurde zur «Spagyrik-Affäre».

Gisler wurde die Einnahme der verbotenen Substanz Nikethamid nachgewiesen. Seit seinem Doping-Geständnis ist der Athlet untergetaucht. Ruhe ist deswegen nicht eingekehrt. Das Gegenteil ist der Fall: Die Führungsspitze des Verbands tut sich schwer, den unrühmlichen Vorfall adäquat aufzuarbeiten.

Kein Wort im Jahresbericht

Unter den Mitgliedern regt sich nun Widerstand. Zu spüren bekommen dürfte der Vorstand den Unmut an der Delegiertenversammlung morgen in Zuchwil. In der Öffentlichkeit wollen sich im Vorfeld nur wenige Personen äussern. Einer, der seinem Ärger Luft verschafft, ist Hansruedi Zumstein. «Was Bruno Gisler gemacht hat, das kann passieren. Was aber nicht geht, dass der Verband danach die Sache einfach unter den Tisch wischt und so tut, als wäre nichts geschehen und zur Tagesordnung übergeht», stellt der langjährige Präsident der Solothurner Schwinger klar.

Dass der Verband nicht gewillt ist, den Fall Gisler mit seinen Mitgliedern transparent auszudiskutieren, beweist der Blick in den Rechenschaftsbericht, der dieser Zeitung vorliegt. Weder im Jahresrückblick von NWS-Präsident Daniel Dreier noch im Bericht des Technischen Leiters, Stefan Strebel, kommt der Name Gisler vor. Im Editorial schreibt Dreier: «Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dieser Bericht die wichtigsten Jahresereignisse beinhaltet ...»

Rundumschlag gegen die Medien

Diese Art der Verdrängung stösst auch Ruedi Handschin sauer auf: «Der Verband hält Bruno Gisler bedingungslos die Stange», sagt Handschin, unter anderem Ehrenmitglied des Nordwestschweizer Schwingerverbands. Er vermisst die Selbstkritik und die Bereitschaft, zu den eigenen Fehlern zu stehen. «Anstatt zu reflektieren, wird die öffentliche Berichterstattung bemängelt», ergänzt Hansruedi Zumstein. Präsident Dreier holt in seinem Bericht zu einem Rundumschlag gegen die Medien aus. Er nennt sie «sensationsgeile Medienfritzen» und «Nestbeschmutzer», die «vom Schwingplatz verwiesen werden» sollten.

Zumstein vermutet in Dreiers Verhalten auch eine Überforderung mit der Situation. «Ein Krisenmanagement ist offensichtlich nicht vorhanden.» Ob er an der Delegiertenversammlung das Wort ergreifen wird, lässt er offen. Er kann es sich aber vorstellen. «Ich gehe jedenfalls gut vorbereitet nach Zuchwil.» Für weiteren Gesprächsstoff wird der NSW auch ohne Bruno Gisler in den kommenden Wochen sorgen. So viel ist klar.

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