Handball NLA

Wegen des Abwehrsystems: Die Konkurrenz versucht, den HSC Suhr Aarau zu kopieren

HSC-Trainer Misha Kaufmann bringt mit seinen unzähligen Varianten der 5-1-Deckung die Gegner immer wieder zum Verzweifeln.

HSC-Trainer Misha Kaufmann bringt mit seinen unzähligen Varianten der 5-1-Deckung die Gegner immer wieder zum Verzweifeln.

Der HSC Suhr Aarau kassiert in der NLA am wenigsten Gegentreffer – und löst mit seinem Abwehrsystem einen Trend aus. Am Sonntagnachmittag (Anpfiff: 16 Uhr) empfängt das Team von Trainer Misha Kaufmann in der Schachenhalle NLA-Leader Kadetten Schaffhausen – mit einer individuell auf den Gegner abgestimmten 5-1-Deckung.

Seit der Winterpause setzen die Kadetten Schaffhausen fast konseuqent darauf. Der RTV Basel versucht sich daran und auch der TV Endingen hat schon die eine oder andere Sequenz damit bestritten.

Die Rede ist von der 5-1-Deckung – dem Abwehrsystem also, in dem ein vorgestellter Verteidiger für zusätzlichen Druck auf die Offensive des Gegners sorgt und dessen Optionen einschränkt.

22,7 Gegentreffer pro Partie

Es ist das Abwehrsystem, das der HSC Suhr Aarau unter Federführung von Trainer Misha Kaufmann als Pionier in der NLA importiert und salonfähig gemacht hat. Und nicht nur das: Der HSC ist mittlerweile das Team mit der besten Defensive in der NLA.

..

  

22,7 Gegentreffer haben die Aargauer in den bisherigen 19 Meisterschaftspartien im Durchschnitt kassiert. Das sind über zwei Treffer weniger als die Kadetten Schaffhausen, die mit 24,8 Gegentreffern pro Partie die zweitbeste Defensive der Liga stellen.

Die Gegner finden im Angriff keine Lösungen

Zuletzt hat der HSC am vergangenen Samstag auswärts gegen GC Amicitia mit 22:14 gewonnen. Noch nie seit der Rückkehr in die NLA auf die Saison 2016/17 hin hat Suhr Aarau so wenige Gegentreffer kassiert.

«Wir haben ihnen das Leben sehr schwer gemacht und sie haben im Angriff keine Lösungen gefunden», sagte HSC-Trainer Kaufmann nach der Partie. Und genau das ist die Essenz, die sich aus der 5-1-Deckung des HSC immer wieder ergibt: Die Gegner finden keine Lösungen im Angriff – oder tun sich zumindest sehr schwer damit.

System lässt sich im Training nicht einfach so simulieren

«An der 5-1-Deckung ist speziell, dass der Spielfluss im Angriff nicht so zustande kommt, wie wenn die Deckung defensiver orientiert ist. Der Angriff wird also langsamer», erklärt Arno Ehret, der Ende 2019 das Trainermandat bei GC Amicitia vorzeitig niedergelegt hat. Die mittlerweile 66-jährige Handballkoryphäe hat während insgesamt 13 Jahren das Schweizer Nationalteam trainiert und Kaufmann bei dessen Einstieg ins Trainerbusiness beim HSC 2016 als Mentor unterstützt.

Neben der Verlangsamung der offensiven Bemühungen erreiche der HSC durch sein System ausserdem, dass die Spieler im linken und rechten Rückraum immer wieder in Entscheidungssituationen gezwungen und in ihrer Spielfähigkeit sehr stark gefordert und häufig auch überfordert würden.

Auch dafür, dass die Gegner trotz des heutzutage üblichen Videostudiums weiterhin grosse Mühe mit der 5-1-Deckung des HSC haben, hat Ehret eine Erklärung: «Im Training lässt sich das nicht einfach schnell eins zu eins nachstellen und wettkampfmässig simulieren, weil es auch eine entsprechende individuelle Qualität der Verteidiger und längeres einüben benötigt.»

Zudem fehle den restlichen NLA-Teams die Routine in der 5-1-Deckung. «Die Routine und das Gespür in der Verteidigung, wie sie der HSC nach drei Jahren Praktizierens hat, bringt derzeit in der NLA noch keine andere Mannschaft hin», sagt Ehret dazu.

Kaufmann: «5-1-Deckung in unzähligen Varianten»

HSC-Trainer Kaufmann macht sich angesichts der auf den 5-1-Zug aufspringenden Konkurrenz keine Sorgen, dass sein System bald an Wirkung verlieren könnte: «Wir spielen die 5-1-Deckung in unzähligen Varianten – immer auf den Gegner und dessen Spieler angepasst. Zudem verfügen wir auch in der Defensive über fixe Auslösungen.»

So wird der HSC Suhr Aarau am Sonntag (Anpfiff: 16 Uhr)auch die Kadetten Schaffhausen mit einem individuell abgestimmten Abwehrsystem in der Schachenhalle empfangen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1