Die Zeiten, in denen Spieler notdürftig auf ihnen fremden Positionen aushelfen mussten oder der FCA mit einem unvollständigen Kader ging und sich auf dem Transfermarkt nur noch am Ramschtisch bedienen konnte, scheinen vorbei. Vor einem Jahr bestand die wichtigste Aufgabe des damaligen Sportchefs Raimondo Ponte darin, einen tauglichen Spielmacher zu verpflichten. Trotz monatelanger Suche gelang dies nicht – eine von mehreren Versäumnissen der alten sportlichen Führung. Erst als Ponte im August 2017 gehen musste, klappte der Transfer von Gianluca Frontino, der eigentlich schon lange vorher ins Brügglifeld wollte.

Staub weggekratzt

Ponte-Nachfolger Sandro Burki scheint mit mehr Weitsicht ans Werk zu gehen. Im Gegensatz zum Altmeister, der zweifellos viel von Fussball versteht, aber mit seinem Auftreten und seiner Arbeitsweise aus der Zeit gefallen war, ist Burki ein moderner Sportchef. Zwar auch immer noch ein Lehrling – aber Burki, vor einem Jahr selber noch Profi, spricht die Sprache der heutigen Spieler. Dazu hat er beste Kontakte zu den wichtigsten Beratern der Schweiz. Kurzum: Ohne den Paradigmen-Wechsel auf dem Sportchef-Sessel wäre die Staubschicht auf dem FC Aarau wohl noch dicker geworden. Nun gibt es sogar Anzeichen dafür, dass der FC Aarau bald wieder glänzt.

Burki und «sein» Trainer Patrick Rahmen haben frühzeitig erkannt, auf welchen Positionen besonderer Handlungsbedarf besteht und haben den nötigen Aufwand für die sogenannten Königstransfers nicht gescheut. Die Verpflichtung von Stürmer Marco Schneuwly etwa hatte ihren Ursprung im Frühling, als Burki erstmals Kontakt mit seinem früheren Teamkollegen bei YB und in den Junioren-Nationalmannschaften aufnahm. Auch Rahmen liess seine Kontakte spielen: Den neuen Innenverteidiger Nicolas Schindelholz kennt er aus Luzern, mit dem langjährigen FCB-Mann Marco Walker lotste Rahmen zudem den prominentesten und erfolgreichsten Assistenztrainer der Schweiz nach Aarau.

Ausschau nach Verstärkung

Ein anderes Beispiel: Das Duo Burki/ Rahmen besuchte im Mai Markus Neumayr in der Türkei, um den Mittelfeldspieler vor Ort vom Wechsel nach Aarau zu überzeugen. Auch wenn dies letztlich nicht gelang – der Vorwurf, nicht alles für eine Neumayr-Verpflichtung getan zu haben, gilt nicht. Und wer weiss: Bis jetzt hat Neumayr noch keinen neuen Klub – und der FC Aarau will neben einem weiteren Stürmer bekanntlich noch einen überdurchschnittlichen Spieler fürs zentrale Mittelfeld holen . . .

Doch auch mit dem aktuellen Kader kann Burki leben. Er sagt: «Wir halten weiter Ausschau nach Verstärkungen. Ich habe jedoch keine Bedenken, mit diesen Spielern in die Saison zu gehen.» Das tönte vor einem Jahr noch anders: Beim Saisonstart klafften im Kader an entscheidenden Stellen Lücken.

Die Mischung stimmt

Ein Augenschein im Dienstagstraining verrät: Die Mischung zwischen Alt und Jung, zwischen neuen und alten Gesichtern stimmt, in den Übungen ist Feuer drin, gleichzeitig wird gelacht. Ganz andere Bilder als vor einem Jahr. Bilder, die zuversichtlich machen.

Trotzdem gilt: Ein mit System zusammengebautes Kader anstelle einer zusammengewürfelten Truppe erhöht zwar die Chancen auf Erfolg, aber eine Garantie dafür ist es nicht.