U20-Länderspiel

Warum das heutige Länderspiel der Schweizer U20-Nati für Trainer Francesco Gabriele sehr speziell ist

Francesco Gabriele in seinem Element: Immer wieder ist der akribisch arbeitende Trainer auf den Fussballplätzen als Beobachter anzutreffen.

Erinnern Sie sich an das kleine Wunder, das Francesco Gabriele am 22. April 2017 im Aarauer Brügglifeld vollbracht hat? Gabriele war damals Trainer des FC Wohlen und schrieb mit einem 3:0-Sieg gegen Aarau ein Stück Fussballgeschichte.

Das Spezielle: Es war der einzige Sieg von Wohlen in 20 Duellen gegen den Kantonsrivalen. «Natürlich erinnere ich mich an diesen Erfolg», sagt Gabriele. «Das 3:0 war der Lohn für die harte Arbeit, welche die Spieler geleistet haben. Als Trainer von Wohlen verlor ich dreimal in Folge gegen Aarau. Dann endlich klappte es. Für mich ist das ein schönes Kapitel. Für den FC Wohlen und seine Fans war der Derbysieg eine Genugtuung, weil die sportliche Rivalität zwischen den beiden Klubs gross ist.»

Gabriele hinterliess im Aargauer Fussball aber schon vor dem Coup im Frühling 2017 seine Spuren. Nach sechsjähriger Tätigkeit in der Nachwuchsabteilung Team Aargau lancierte der Solothurner seine Karriere als Klubtrainer 2012 beim FC Baden. Er führte den Erstligisten vom Tabellenende weg, reihte einen Sieg an den andern und verpasste den Aufstieg in die Promotion League schliesslich nur knapp. «Gabriele leistete bei uns hervorragende Arbeit und legte den Grundstein für seine nächste Trainerstation in Bellinzona», sagt der heutige Baden-Präsident Heinz Gassmann. «Er hat es verstanden, die jungen Spieler zu motivieren, sie an die Leistungsgrenze zu führen und ihnen die Winner-Mentalität zu vermitteln.»

Der Startschuss

Der Höhenflug mit Baden war für Gabriele der Startschuss für weitere Stationen im Klubfussball. Bei der AC Bellinzona war er ähnlich erfolgreich wie in Baden. Zwischen Juli 2013 und Mai 2015 arbeitete er in Thun, Lausanne und Wil. Von September 2016 bis Juni 2017 war er Trainer des FC Wohlen. Danach nahm er vom Schweizerischen Fussballverband das Jobangebot für das Traineramt der U19-Nationalmannschaft an.

Heute ist Gabriele Trainer der Schweizer U20-Nationalmannschaft und trifft in einem Testspiel in Baden auf Holland (Anpfiff: 18.30 Uhr). Für den 41-jährigen Verbandstrainer mit Uefa-Prolizenz schliesst sich mit der Rückkehr an die frühere Wirkungsstätte ein Kreis. «Mit dem FC Baden verbinden mich schöne Erinnerungen», blickt Gabriele zurück. «Ich kenne im Stadion Esp jede Ecke, jeden Winkel und jeden Grashalm. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern. Fussballtechnisch ist es für mich so etwas wie eine Rückkehr nach Hause.»

Die Entwicklung stimmt

Sechs Jahre Trainer im Nachwuchsbereich zum Ersten, fünf Jahre Trainer im Klubfussball zum Zweiten, seit anderthalb Jahren Verbandstrainer in Diensten des Schweizerischen Fussballverbandes zum Dritten: Der Ausbildungs-Rucksack von Gabriele ist prall gefüllt. Er kennt inzwischen alle Facetten des Fussballs. «Bezüglich meiner Karriereplanung bin ich voll auf Kurs», sagt Gabriele. «Die internationale Erfahrung mit der U20 ist ein weiterer wichtiger Schritt. Ich möchte mich als Trainer immer vorwärts orientieren und weiterentwickeln.»
Mal schauen, was Francesco Gabriele in Zukunft machen wird.

Die logische Folge wäre das Traineramt der Schweizer U21-Auswahl. Aber was ist schon logisch im unberechenbaren Fussball-Geschäft? Ob er mittelfristig als Verbands- oder als Klubtrainer arbeiten wird, steht also in den Sternen. Gabriele selbst macht kein Geheimnis daraus, dass er seine Laufbahn gerne mal im Ausland fortsetzen möchte.

An der nötigen Motivation und an der Bereitschaft, eine Herausforderung der besonderen Art anzunehmen, fehlt es ihm nicht. Dank Tugenden wie Disziplin, Fleiss und Leidenschaft wäre ihm ein Job in England oder in Deutschland auf den Leib geschneidert. Gut möglich, dass Gabriele den Höhepunkt seine Karriere noch vor sich hat. Wie sagt der 41-jährige Solothurner mit einem sanften Lächeln so schön: «Die meisten Toptrainer haben ihre beste Zeit erst im Alter von 50 Jahren.»

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Autor

Ruedi Kuhn

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