Der Ball rollt

Vorfreude auf den «Wembley-Rasen»: Aargauer Amateurfussball kehrt zur Normalität zurück

Stadion Niedermatten: Hier kommt es zum Duell zwischen dem FC Wohlen und dem FC Baden.

Stadion Niedermatten: Hier kommt es zum Duell zwischen dem FC Wohlen und dem FC Baden.

Der Bundesrat hat entschieden: Der Ball darf wieder rollen, und zwar in der gesamten Schweiz. Die Lockerungen sorgen für Euphorie beim AFV und seinen Fussballvereinen. Auch wenn alle Beteiligten wissen, dass es einige Baustellen zu beseitigen gibt.

Endlich wieder kicken! Die drei magischen Worte, auf die alle Amateurfussballer seit März gewartet haben, nun darf man sie endlich aussprechen. Dank den Lockerungen, die der Bundesrat am letzten Mittwoch bekannt gegeben hat, darf ab 6. Juni endlich wieder normal trainiert werden und auch Sportveranstaltungen mit bis zu 300 Personen sind wieder erlaubt. 

Bald wieder ein gewohntes Bild: Der Amateurfussball kehrt zur Normalität zurück.

Bald wieder ein gewohntes Bild: Der Amateurfussball kehrt zur Normalität zurück.

Die Erleichterung könnte bei Luigi Ponte kaum grösser sein: «Es ist ein fantastisches Gefühl. Seit es definitiv ist, dass unsere Leute wieder auf den Platz dürfen, ist die Stimmung wieder viel positiver. Es ist eindrücklich, was so eine Krise mit der Psyche anstellen kann.»

Der Präsident des Aargauischen Fussballverbandes habe in den letzten Wochen die sinkenden Fallzahlen mit grossem Interesse beobachtet und wurde immer optimistischer, dass der Saisonstart am 14. August realisierbar wird: «Dass die Klubs jetzt wieder ins Training einsteigen dürfen ist grossartig, damit haben sie für die neue Saison gleich viel Vorbereitungszeit wie üblich. Kommt dazu, dass viele auf Ferien im Ausland verzichten werden. Insofern können sich die Vereine noch besser vorbereiten.»

AFV-Präsident Luigi Ponte fiebert bereits dem Saisonstart entgegen.

AFV-Präsident Luigi Ponte fiebert bereits dem Saisonstart entgegen.

Fussballfelder wie Golfplätze 

Ponte ist froh, dass die Empfehlung des AFV eingehalten wurden und die Vereine in dieser schwierigen Zeit auf den Trainingsbetrieb verzichtet haben. Zwar hätten die Klubs unter den strengen Vorschriften des SFV-Schutzkonzepts in Kleingruppen und ohne Körperkontakt wieder auf den Rasen zurückkehren dürfen, doch diese Möglichkeit habe nur der FC Lenzburg genutzt. 

Der FC Lenzburg (r.) machte gebrauch vom SFV-Schutzkonzept und trainierte zuletzt in Kleingruppen und ohne Körperkontakt.

Der FC Lenzburg (r.) machte gebrauch vom SFV-Schutzkonzept und trainierte zuletzt in Kleingruppen und ohne Körperkontakt.

Der Präsident kann jedoch nicht nur wegen dem vorbildlichen Verhalten der Klubs aufatmen, auch aus finanzieller Hinsicht scheint der AFV derzeit glimpflich davonzukommen. «Wir können nun davon profitieren, dass wir Rücklagen angesammelt haben. Dadurch konnten wir den Vereinen auch die Gebühren für die kommende Saison erlassen.» 

Rückblickend kann Luigi Ponte dieser schweren Zeit sogar etwas Positives abgewinnen: «Unsere Fussballfelder sehen jetzt aus wie Golfplätze, das sieht man sonst zu dieser Zeit eigentlich nie», sagt der Präsident schmunzelnd. 

Sportlich und finanziell keine Sorgen

Dies kann auch Thomas Jent bestätigen: «Unser Trainingsplatz sieht aus wie der Wembley-Rasen», schwärmt der Trainer des FC Wohlen. Auch er verspürt grosse Vorfreude beim Gedanken an das erste Training. «Wir mussten am Mittwochabend unsere Kleider aus dem Stadion holen, da nun alles desinfiziert wird. Da habe ich zum ersten Mal einige Spieler der Mannschaft wieder getroffen. Wir hätten am liebsten gleich wieder losgelegt. Es tut gut, dass wir wieder ein Ziel vor Augen haben.» 

Gross Vorfreude beim FC Wohlen: Endlich darf wieder trainiert werden.

Gross Vorfreude beim FC Wohlen: Endlich darf wieder trainiert werden.

Beim Aargauer Erstligisten wurde bewusst auf ein Training in Kleingruppen verzichtet. Primär aus finanziellen Gründen, da die Kurzarbeit sonst nicht mehr möglich gewesen wäre.

Nun will der Trainer sobald wie möglich in die Vorbereitung starten: «Wir konnten den Spielern mithilfe einer App Übungen zukommen lassen, bei denen sie jeweils auch Feedback geben mussten. Ich gehe davon aus, dass die Spieler den Umständen entsprechen fit und hungrig ins Training zurückkommen werden.»

Wohlen-Trainer Thomas Jent kann sorglos mit seiner Mannschaft in die Vorbereitung starten.

Wohlen-Trainer Thomas Jent kann sorglos mit seiner Mannschaft in die Vorbereitung starten.

Keine Sorgen muss sich Jent über die sportliche Situation beim FC Wohlen machen: «Wir haben schon vor der Krise mit den meisten Spielern den Vertrag verlängert und uns auch um Neuzugänge gekümmert. Der Kader ist komplett, das wird uns bei der Vorbereitung helfen.»

Zudem wird die Coronakrise dank Kurzarbeit und frühem Lohnverzicht der Akteure für den FC Wohlen auch in finanzieller Hinsicht zu meistern sein. 

Baden braucht Verstärkung 

Während in Wohlen der Trainingsbetrieb so bald wie möglich aufgenommen wird, will Baden-Trainer Ranko Jakovljevic vorerst abwarten: «Wir wissen noch nicht genau, wann wir wieder ins Training einsteigen, dafür will ich zuerst wissen, wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird.»

Ihm sei durchaus bewusst, dass er damit bei den Spielern auf die Euphorie-Bremse trete, aber er wolle sein Team nicht mit zu viel Vorbereitung überstrapazieren, sieben Wochen Sommertraining sollen gemäss Jakovljevic reichen. Ausserdem müsste bei der Wiederaufnahme des Trainings auch die Kurzarbeit abgemeldet werden. 

Baden-Trainer Ranko Jakovljevic würde das Kader im Sommer gerne noch verstärken.

Baden-Trainer Ranko Jakovljevic würde das Kader im Sommer gerne noch verstärken.

Auch bezüglich dem Kader herrscht beim FC Baden derzeit noch ein wenig Ungewissheit. Mit dem Karrierenende von Juan Pablo Garat fehlt den Badener in der kommenden Saison eine wichtige Teamstütze: «Wir brauchen noch Verstärkung, mindestens 1-2 Spieler, damit wir auch nächste Spielzeit vorne mitspielen können», sagt Jakovljevic. Ziel des FC Baden sei es dennoch, auch nächste Saison die Aufstiegsspiele für die 1. Liga Promotion zu erreichen.  

Ob die Wünsche des Trainers jedoch berücksichtigt werden können, steht derzeit noch in den Sternen. Der FC Baden hat zwar Kurzarbeit angemeldet, doch Baden-Präsident Heinz Gassmann betonte jüngst gegenüber dieser Zeitung, dass er mit Einbussen von deutlich mehr als 200'000 Franken rechnet. 

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