Zum 185. Mal streift sich Patrick Romann heute Abend das Trikot des HSC Suhr Aarau für ein Meisterschaftsspiel über. Klar, ein besonderes Jubiläum rechtfertigt diese Zahl nicht. Und doch, wird heute Abend in der BBC Arena in Schaffhausen alles etwas anders sein, als sonst – zumindest vielleicht.

Der Konjunktiv muss in diesem Fall bemüht werden, weil es der Modus nun einmal nicht anders zulässt: Gewinnt der HSC Suhr Aarau auswärts gegen die Kadetten Schaffhausen, rettet er sich in der Viertelfinalserie in ein viertes Spiel. Verlieren die Aargauer hingegen, ist die Saison für sie zu Ende – ebenso die Karriere von Captain Romann.

184 Meisterschaftseinsätze, 705 Tore

«So weit will ich gar nicht denken», sagt Romann am Tag vor dem kapitalen Auswärtsspiel vom Mittwochabend. Der 24-Jährige klingt vollkommen gelassen, als ihn die «AZ» telefonisch erreicht. Dass seine Karriere bereits am Abend darauf beendet sein könnte, merkt man ihm nicht an.

184 Meisterschafts-Einsätze in den beiden höchsten Schweizer Ligen hat das HSC-Eigengewächs seit der Saison 2011/12 für das Fanionteam bestritten und dabei 705 Tore erzielt. Seit knapp zwei Jahren und dem Aufstieg von Suhr Aarau in die NLA trägt er die Captainbinde am Arm.

Im November des vergangenen Jahres verkündete Romann seinen Rücktritt per Ende der laufenden Saison. Im Alter von gerade einmal 24 Jahren hat er sich entschieden, ganz auf die Karte Studium zu setzen. Im kommenden Sommer beginnt er einen trinationalen Masterstudiengang im Bereich der Biotechnologie. Mit Romann verliert der HSC das Gesicht, das ihn in den vergangenen Jahren prägte.

Eine Generation tritt ab

Weil neben ihm auch noch Lukas Strebel (24, Zukunft offen) und Ilan Baumann (22, wechselt zum STV Baden) den HSC verlassen, verbleibt von dieser Generation nur noch Patrick Strebel im Kader. Sie alle hatten ihre Karrieren zusammen im HSC-Nachwuchs lanciert. «Natürlich geht damit auf dem Spielfeld etwas verloren», sagt Romann. «Aber die nächste Generation steht bereit, um zu übernehmen.»

Dieser nächsten Generation gehört unter anderem Tim Aufdenblatten an. Auch wenn der 22-Jährige für die heutige Partie verletzt Forfait erklären musste, der HSC-Topskorer der Hauptrunde hat sich spätestens mit seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung bis im Sommer 2022 als neues Gesicht des Klubs etabliert.

«Ich wollte keinen Abschied durch die Hintertür»

Doch zurück zur Aktualität: Weil Romann zuletzt immer noch unter Nachwirkungen einer gegen Ende der Finalrunde erlittenen Gehirnerschütterung litt, konnte er im bisherigen Verlauf der Viertelfinalserie nur dosiert eingesetzt werden. «Es ist natürlich schade, dass ich dadurch behindert worden bin. Aber ich bin froh, dass ich dem Team jetzt helfen kann. Ich wollte keinen Abschied durch die Hintertür, sondern in den Playoffs unbedingt dabei sein.»

Dass der Playoff-Modus den effektiven Zeitpunkt seinen Abschied ungewiss macht, sieht Romann gelassen: «Ich sehe es eher als Chance, meine Zeit auf der Platte zu verlängern. Das finde ich noch cool.» Sagts und richtet seinen Fokus voll und ganz auf die Partie von heute Abend – und darauf, dass er mindestens noch einmal in der Schachenhalle auflaufen darf. Sollte der HSC auswärts gewinnen, stünde Spiel 4 der Serie am Freitagabend in Aarau auf dem Programm.