Erinnern Sie sich? Am 13. Juni 2007 wurde Alfred Schmid zum Präsidenten des FC Aarau gewählt. Während der vergangenen knapp elf Jahre begrüsste und verabschiedete der Unternehmer aus Gränichen zehn Trainer. Interessant: Der Erste war gleich der Erfolgreichste. Der Pole Ryszard Komornicki führte die Mannschaft in den Saisons 2007/08 und 2008/09 in der Super League jeweils auf Rang fünf.

Auf Erfolgskurs war auch René Weiler. Der Zürcher wurde am 13. April 2011 verpflichtet, führte den Klub 2013 in die Super League und verteidigte in der Saison 2013/14 den Platz in der höchsten Spielklasse auf souveräne Art und Weise.

Komornicki und Weiler waren Extraklasse. Der Rest bewegte sich irgendwo zwischen Mittelmass und Flop. Nach der Ära Komornicki folgte in die Abstiegssaison 2009/10 mit Jeff Saibene, Martin Andermatt und Ranko Jakovljevic. Und nach der Zeit mit Weiler kamen der Reihe nach Sven Christ, Raimondo Ponte, Livio Bordoli, Marco Schällibaum und Marinko Jurendic. Sie alle konnten die in sie gesetzten Erwartungen bei weitem nicht erfüllen.

Schmid erlebte als Präsident des FC Aarau zwischen 2007 und 2018 also zehn Trainer. Angesprochen auf die Frage, wer denn sein Lieblingstrainer gewesen sei, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. «Mein Lieblingstrainer war René Weiler», sagt Schmid. «René hat von Anfang an die Nähe zu meiner Person gesucht.

Die Gespräche mit ihm waren interessant und unterhaltend zugleich. Er war ehrlich, geradlinig, aber auch kritisch und fordernd. René war ein Perfektionist, gab sich nie zufrieden und wollte immer mehr. Imponiert hat mir, dass René während der Trainings nicht nur geistig, sondern auch körperlich präsent war.

Er hat den Spielern die Übungen vorgemacht, war also nicht nur neben, sondern auch auf dem Spielfeld ein Vorbild. Und», fügt Schmid hinzu, «das Spezielle an René war die Tatsache, dass er Ende Saison 2013/14 um eine vorzeitige Vertragsauflösung bat.

Das habe ich bei einem Trainer nun wirklich noch nie erlebt. René sagte zu mir, dass er nach drei schönen, aber halt auch kräftezehrenden Jahren mit dem FC Aarau ausgelaugt sei, eine Auszeit brauche und mehr Zeit für seine Familie aufbringen möchte.»

Keine Wagnisse mehr

Wie heisst nun der Trainer Nummer elf unter der Führung von Schmid? Der Entscheid wird in den nächsten Tagen fallen. Schmid wünscht sich für den FC Aarau eine Persönlichkeit mit einer Mischung aus allen zehn bisherigen Trainern. Das Wagnis mit einem jungen, unerfahrenen Trainer wird man mit Sicherheit nicht mehr eingehen. Der Neue soll das Geschäft kennen und bereits über Erfahrung im Profifussball verfügen.

Die Suche nach dem Nachfolger von Marinko Jurendic überlässt der sechsköpfige Verwaltungsrat Sandro Burki. «Sandro ist unser Sportchef», erklärt Schmid. «Wir vertrauen ihm. Seine Stimme zählt etwas. Er wird dem Verwaltungsrat die Vorschläge bezüglich des neuen Trainers unterbreiten. Dann werden wir gemeinsam entscheiden.»

Wann ist das genau? Schmid zögert– und sagt dann: «Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung in der nächsten Woche fallen wird. Vielleicht schon vor dem Heimspiel gegen Xamax am Mittwoch …» Der Topkandidat heisst nach wie vor Patrick Rahmen. Burkis Wunschkandidat Ciriaco Sforza hat sich selbst aus dem Rennen genommen.

Zurück zu Präsident Alfred Schmid, dessen Rücktritt im Juni 2019 beschlossene Sache ist. Wird der Trainer Nummer elf der letzte in seiner Ära sein? «Es ist mein Wunsch, dass der Neue möglichst lange im Amt bleibt», sagt Schmid.

«Eines möchte ich betonen. Der Abschied der zehn Trainer ist mir nicht leicht gefallen. Alle waren bei der Wahl unsere Wunschkandidaten. Entlassungen sind immer eine schmerzhafte Angelegenheit. Schliesslich sind auch sie alle Menschen, die sich in einem schwierigen Umfeld bewegen.»