Analyse
Vor dem Auftakt in die Rückrunde: Die Challenge League ist heiss wie nie

Gegenüber dem Vorjahr ist die Challenge League, in welcher der FC Aarau vertreten ist, ungemein spannender. Eine Analyse.

Sebastian Wendel
Sebastian Wendel
Merken
Drucken
Teilen
Die Rückrunde in der Challenge League verspricht einiges an Spektakel.

Die Rückrunde in der Challenge League verspricht einiges an Spektakel.

Freshfocus

Erinnern Sie sich an die Stimmungslage in der Challenge League vor einem Jahr? Tristesse pur! Der FC Wohlen meldete sich bereits bei Halbzeit aus der Liga ab und auch im Aufstiegsrennen war die Luft wegen der Dominanz von Xamax draussen. Der sportliche Wert der Rückrunde entsprach jenem von Freundschaftsspielen. Kein Wunder, sanken das fussballerische Niveau und die Zuschauerzahlen ins Bodenlose.

Ganz nach Freddy Quinn: Vergangen, vergessen, vorüber! Ein Jahr später ist die Challenge League heiss wie nie!

Einen grossen Anteil daran hat Alfred Schmid: Als es im Mai 2018 an der Generalversammlung der Swiss Football League um die Wiedereinführung der Barrage ging, schnappte sich der Präsident des FC Aarau das Mikrofon und bat die Chefs der Super-League-Vereine, die Durchlässigkeit zwischen den beiden Ligen zu erhöhen. Schmids flammender Appell kam an: Mit 16:4 Stimmen wurde die Auf-/Abstiegspoule zwischen dem Zweitplatzierten der Challenge League und dem Vorletzten der Super League von den 20 Profiklubs angenommen.

Die Barrage ist bereits in der ersten Saison Gold wert für die Challenge League. Denn statt hinter dem vorerst entrückten Tabellenführer Servette Trübsal zu blasen, startet die Konkurrenz mit Ambitionen in die Rückrunde: Vom zweitplatzierten Winterthur (31 Punkte) bis zum sechstplatzierten Aarau (23 Punkte) liebäugeln alle Vereine mit der Barrage. Mehr noch: Lausanne, mit einem 12-Millionen-Budget der Goldesel der Liga, plant den Sturm auf die Tabellenspitze. Im Gegensatz zum Vorjahr Xamax kann Servette bei Saison-Halbzeit den Aufstiegs-Champagner noch nicht kühl stellen.

Ebenso spannend wie oben verspricht es bis zum Saisonende am Tabellenende zu werden: Der Abstieg eines Teams am grünen Tisch deutet sich nicht an. Heisst: Rapperswil-Jona, Kriens und Chiasso sind in der Rückrunde alles andere als Kanonenfutter für die Aufstiegskandidaten, da sie ihrerseits ums Überleben in der Challenge League kämpfen.

Nimmt man nur die Tabelle und nicht auch Form und individuelle Qualität als Massstab, darf sich sogar der FC Aarau punkto Abstieg nicht zu sicher fühlen. Mit acht Punkten ist er gleich weit entfernt von Schlusslicht Chiasso wie vom Barrageplatz. Anders gesagt: Der FC Aarau steht sinnbildlich für die Ausgeglichenheit der Liga.

Im Sommer hat Aarau die ersten sechs Spiele verloren. Normalerweise bedeutet dies Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag. Nicht in dieser Saison: Dank der Aufholjagd vor der Winterpause hat sich Aarau in eine Position gebracht, in der Träumen von der Barrage erlaubt ist. Und nach oben statt nach unten geht der Blick im Brügglifeld auch. Muss er, alles andere wäre ein schlechter Witz: Auf dem Papier hat der FC Aarau das stärkste Kader der Liga. Die Verpflichtung von Markus Neumayr hat diesen Status zementiert. Und anders als im Sommer ist die Mannschaft nun eingespielt. Das Argument, man müsse sich erst finden, zählt nicht mehr.

Die Challenge-League-Rückrunde verspricht so viel Spektakel wie lange nicht mehr. Lasst die Spiele beginnen!

az
Veränderung ja, aber ja nicht zu viel. Heisst: Am Erfolgssystem mit Viererabwehr und einem oder zwei Stürmern sollte festgehalten werden. Aber personell würde ich regelmässig durchmischen. Einerseits, um den Druck auf die vermeintlichen Stammspieler hochzuhalten. Andererseits, um die zweite Garde bei Laune zu halten. Schlechte Stimmung und sportliche Bedeutungslosigkeit wären Gift für das FCA-Luxuskader.

(Quelle: Sebastian Wendel)

Ruedi Kuhn

Der FC Aarau hat das grösste Offensivpotenzial der Challenge League. Das 3-4-3-System ist ein Garant für Spektakel. Die Zuschauer wollen Unterhaltung und keinen Betonfussball. Wichtig ist, dass die Flügel, also Giger, Obexer, Tasar und Schneuwly den richtigen Mix aus Defensive und Offensive finden. Neuzugang Neumayr hat zweifellos Klasse, aber keine Spielpraxis. Daher würde ich ihn noch nicht in die Startelf stellen.