Auf Nebenplatz verbannt
Vor dem Aargauer Cupfinal: Frauenteams fühlen sich vom Verband diskriminiert

Die Finalteilnehmerinnen des FC Erlinsbach und FC Windisch wehren sich gegen die Spielansetzung des Aargauischen Fussballverbandes.

Nicola Imfeld
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Wenn die Frauen morgen Auffahrtsdonnerstag in Muri um den Aargauer Cup kämpfen, findet das Spiel morgens um 10 Uhr auf einem Nebenplatz statt. Roland Jaus/Archiv

Wenn die Frauen morgen Auffahrtsdonnerstag in Muri um den Aargauer Cup kämpfen, findet das Spiel morgens um 10 Uhr auf einem Nebenplatz statt. Roland Jaus/Archiv

roland jaus

Vor einem Fussballspiel wird normalerweise darüber diskutiert, welches Team nach 90 Minuten das Spielfeld als Sieger verlässt. Doch vor dem diesjährigen Aargauer Cupfinal der Frauen geht es um etwas ganz anderes – um viel Grösseres als nur den Gewinn eines Fussballspiels. Es steht die Frage im Raum: Werden die Fussballerinnen vom Aargauischen Fussballverband diskriminiert?

Dass diese These aktuell heiss diskutiert wird, hängt mit dem Spielplan des Aargauer Cupfinaltags morgen Auffahrtsdonnerstag in Muri zusammen. Der Anlass ist für den kantonalen Klubfussball der wichtigste Termin des Jahres. Im Vorjahr verfolgten rund 3200 Zuschauer die Finalspiele der Senioren, Junioren, Männer und Frauen.

Frauen auf dem Nebenplatz

Logisch, dass sich alle Mannschaften am liebsten zur Prime Time und im Stadion präsentieren würden. Doch weil es schlicht zu viele Finalspiele sind, müssen morgen einige Begegnungen auf zwei Nebenplätzen ausgetragen werden. Dass der Cupfinal der Männer das sportlich bedeutendste Spiel ist und als Hauptevent um 18.30 Uhr im Stadion ausgetragen wird, stellt niemand infrage. Doch die Ansetzung des Frauencupfinals zwischen dem FC Erlinsbach und dem FC Windisch sorgt für rote Köpfe, bevor der Schiedsrichter die Begegnung überhaupt angepfiffen hat.

Im Gegensatz zum Vorjahr haben die Frauen nicht mehr das Vorspiel um 15.30 Uhr vor dem Männerfinal erhalten, sondern müssen nun um 10 Uhr morgens auf einem Nebenplatz kicken. Zur gleichen Uhrzeit tragen auch die Senioren 40+ ihr Finalspiel aus, doch statt auf einem Nebenplatz dürfen sie im Stadion um den Cuptitel kämpfen.

Shitstorm auf Facebook

Als das Programm des Finaltags veröffentlicht wurde, prasselte auf Facebook ein gewaltiger Shitstorm auf den Aargauischen Fussballverband nieder. Im sozialen Netzwerk ist von «Schweinerei», «Frechheit» oder «Peinlichkeit» die Rede. Auch Thomas Müller, Trainer der Frauen vom FC Erlinsbach, kritisierte den Verband auf Facebook scharf: «Es gibt wohl keine grössere Geringschätzung für den Frauenfussball, als am Morgen um 10 Uhr auf dem Nebenplatz spielen zu müssen», schrieb er.

Auf Anfrage der az erklärt Müller, warum er den Entscheid nicht nachvollziehen kann: «Der Final der Frauen ist sportlich das zweitwichtigste Spiel des Tages und müsste daher unmittelbar vor dem Cupfinal der Männer stattfinden.» Er empfinde es als eine Degradierung, dass der Aargauische Fussballverband die Partei auf eine Randzeit gelegt habe. Dass die Senioren 40+ im Stadion spielen dürfen, sei dabei nur die Spitze des Eisbergs. Auch seine Spielerinnen können den Entscheid nicht nachvollziehen. Larissa Stampfli, Captain des FC Erlinsbach, sagt: «Die Wertschätzung gegenüber uns Frauen lässt vonseiten des Verbandes zu wünschen übrig.»

Ins gleiche Horn bläst Patrick Born – Cheftrainer der Frauen des FC Windisch und Finalgegner der Erlinsbacher. Er sagt: «Es macht den Anschein, als werde der Frauenfussball im Aargau von den Verantwortlichen nicht ernst genommen.»

Promi-Bonus für Senioren?

Wie reagiert der Aargauische Fussballverband auf diese heftige Kritik? Geschäftsführer Hannes Hurter will nichts von einer Geringschätzung gegenüber dem Frauenfussball wissen, wie er auf Anfrage der az sagt. Dass die Frauen ihr Spiel in diesem Jahr aber nicht unmittelbar vor jenem der Männer austragen können, sei schon lange klar gewesen. «Das Vorspiel wird im Turnus zwischen den A-Junioren und den Frauen vergeben», sagt der Geschäftsführer.

Auch für die frühe Anspielzeit des Frauenfinals hat Hurter eine Erklärung parat: «Der FC Erlinsbach stellt drei Teams am Cupfinaltag. Damit die Fans und Zuschauer dieses Vereins sämtliche Begegnungen sehen können, müssen die Mannschaften zu einer unterschiedlichen Zeit spielen.» Viel Spielraum hat die Wettspielkommission also tatsächlich nicht gehabt.

Trotzdem stellt sich die Frage, warum die Frauen auch noch auf den Nebenplatz verbannt wurden. Um diese zu beantworten, muss man die Spieler der Seniorenmannschaften kennen. Die Kaderliste dieser Teams zieren illustre Namen wie jener von Urs Meier (Fussballtrainer), Petar Aleksandrov (Fussball-Legende) und Marc Hodel (Ex-Nati-Spieler). Profitieren die Senioren also von einem Promi-Bonus? «Nein, der AFV behandelt alle Altersklassen gleich», stellt Hurter klar. Es sei in den letzten Jahren zu einer Tradition geworden, dass die Senioren 40+ das Startspiel im Stadion bestreiten dürfen.