FC Basel
Vor dem Aarau-Spiel: Wie nüchtern ist der FC Basel?

Am Sonntag kürte sich der FC Basel zum sechsten Mal in Serie zum Meister. Entsprechend ausgiebig wurde seither gefeiert. In Aarau kommt es nun für den frischgebackenen Meister zum ersten Kehrausspiel.

Cedric Heer
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FCB-Captain Marco Streller genoss die Feierlichkeiten sichtlich.

FCB-Captain Marco Streller genoss die Feierlichkeiten sichtlich.

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Lange zurückblicken wollte Trainer Paulo Sousa auf die Feierlichkeiten anlässlich des 18. Meistertitels nicht. Dazu nur so viel: «Auch bei mir wurde es etwas später.» Wie und vor allem wie lange die Akteure des FC Basel am Sonntag am Feiern waren, verriet keiner. Aus gegebenem Anlass dürften die Feierlichkeiten bis in die Morgenstunden gegangen sein.

Auch gestern, nachdem die Spieler einen trainingsfreien Tag genossen hatten, pilgerten einzelne Akteure nochmals in den Ausgang. Wie fit sind die Spieler drei Tage nach der grossen Meistersause vor dem heutigen Spiel gegen das Tabellenschlusslicht aus Aarau also wirklich?

Einstellung muss stimmen

Die interessanteste Frage in Anbetracht der drei verbleibenden Meisterschaftsrunden ist, ob der FC Basel nun den Schlendrian einlegt. Etwa so wie Bayern München, das die drei letzten Spiele seit dem Gewinn des Meistertitels verloren hat. Den Münchnern wird gar Wettbewerbsverzerrung vorgeworfen, weil sie am vergangenen Wochenende auch gegen das abstiegsgefährdete Freiburg verloren haben.

Schon lange keine FCB-Schwäche mehr

Ein Blick auf die letzten neun Meistertitel des FC Basel zeigt: Zweimal hat der FCB nach Feststehen des Titelgewinns das nächste Ligaspiel verloren. Zuletzt in der Saison 2004/2005 gegen GC.

Saison 2001/2002 Titel drei Runden vor Schluss gesichert. Nächstes Spiel: 1:2 gegen St. Gallen.
Saison 2003/2004 Titel vier Runden vor Schluss gesichert. Nächstes Spiel: 0:0 gegen St. Gallen.
Saison 2004/2005 Titel zwei Runden vor Schluss gesichert. Nächstes Spiel:
1:4 gegen GC.
Saison 2007/2008 Titel erst in der letzten Runde gesichert.
Saison 2009/2010 Titel erst in der letzten Runde gesichert.
Saison 2010/2011 Titel erst in der letzten Runde gesichert.
Saison 2011/2012 Titel sechs Runden vor Schluss gesichert. Nächstes Spiel:
3:1 gegen Lausanne.
Saison 2012/2013 Titel erst in der letzten Runde gesichert.
Saison 2013/2014 Titel eine Runde vor Schluss gesichert. Nächstes Spiel:
4:2 gegen Lausanne.

Ein Blick auf die Resultate der vergangenen Jahre zeigt auf, dass sich auch der FC Basel im Spiel 1 nach dem Meisterschaftsgewinn nicht immer von seiner besten Seite gezeigt hat (siehe Auflistung in rechts).

Sousa wehrt dahingehende Anspielungen ab: «Wir haben eine Verantwortung gegenüber dem Verein, der Liga und dem Fussball.» Dass in den abschliessenden Partien aber nicht mehr nur unbedingt die Resultate im Mittelpunkt stehen, gesteht der Portugiese dennoch: «Es ist menschlich, dass man nach dem Gewinn einer Meisterschaft nicht mehr auf demselben Level spielt. Wichtig ist, dass die Einstellung der Spieler auf dem Feld stimmt.»

Aarau wird sich wehren

Auch, dass die tägliche Arbeit nach dem vorzeitigen Meisterschaftsgewinn für den Trainer nicht unbedingt leichter geworden ist, ist sich Sousa bewusst: «Natürlich ist es meine Aufgabe, die Spieler auch jetzt noch motiviert zu halten, was nicht ganz einfach ist. Sie sind aber Profi genug, um zu wissen, um was es geht. Wir müssen die Gewohnheiten aufrechterhalten, egal wer auf dem Feld steht. Das System und unser Anspruch bleiben gleich.»

Fest steht, dass der heutige Gegner aus Aarau nicht mehr viele Chancen auf den Ligaerhalt besitzt. Entsprechend erwartet Sousa im Brügglifeld eine umkämpfte Partie, in der das Tabellenschlusslicht alles in die Waagschale werfen wird. «Wie bereits in den letzten Partien werden sie alles daransetzen, uns das Leben schwer zu machen. Wir müssen einen guten Job machen, denn die Ausgangslage birgt tatsächlich einige Tücken», so Sousa.

Belohnung für die tägliche Arbeit

Während es für Aarau ums nackte Überleben geht, bleiben dem FCB die kommenden zweienhalb Wochen zur Überbrückung vor dem letzen Saisonhighlight. Am 7. Juni findet in Basel der Cupfinal gegen den FC Sion statt. Diese Zeit gibt Sousa die Möglichkeit, jenen Spielern Einsatzminuten zu schenken, denen dies bislang selten vergönnt war. «Ich will sie dafür belohnen, was sie täglich im Training leisten», so Sousa.

Eine Chance also für Spieler wie Yoichiro Kakitani oder Ahmed Hamoudi, sich doch noch für den Cupfinal aufzudrängen. Auch die unmittelbare Zukunft auf der Goalieposition ist unklar: Erhält Germano Vailati, die etatmässige Nummer 2, die Chance, sich für den Cupfinal einzuspielen? Sousa wollte sich zu diesem Thema nicht äussern.

Zu einigen Wechseln ist der Trainer heute in Aarau ohnehin gezwungen. Marek Suchy und Taulant Xhaka sind gesperrt, Marco Streller spielt schon seit geraumer Zeit am Limit – der abtretende Captain dürfte im Hinblick auf den Cupfinal geschont werden.

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