Ihren Glücksbringer, eine Kette mit Friedenstaube, trägt Laura Künzler stets um ihren Hals. Das Tier passt zur Ausnahmeathletin: Laura Künzler kennt die Netzkante aus der Vogelperspektive. Beim Blocken erreicht sie eine Höhe von 2,7 m, im Angriff mit Anlauf sind es sogar 3 m. So schnell wie Laura Künzler an Körpergrösse zugelegt hat, so steil ging es auch mit ihrer Karriere bergauf.

Vor drei Jahren spielte sie noch für Neuenhof in der 4. Liga. Im letzten Herbst erhielt sie ihr erstes Aufgebot für die Schweizer A-Nationalmannschaft. Drei internationale Turniere hat sie seitdem für die Schweiz bestritten, stand dabei mehrfach in der Startformation.

Der Aufstieg ist noch nicht gebremst

Ihr Wachstum dürfte mit 1,88 m bald abgeschlossen sein, karrieretechnisch ist die Angreiferin noch längst nicht am Ende angelangt. Beim NLB-Aufsteiger Kanti Baden bestreitet sie momentan ihre zweite Saison. «Angebote», sagt sie, «bekomme ich von ziemlich überall in der Schweiz.»

Ihr Traum aber ist eine Karriere im Ausland. Bei einem Profi-Team in Italien etwa oder einem College-Team in den USA. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – Laura Künzler ist in San Francisco geboren – könnte sie Ausbildung und Sport so gut wie sonst nirgends unter einen Hut bringen.

Für die weitere Entwicklung in die NLA

Momentan besucht Laura Künzler die 2. Klasse der Sportkanti in Aarau. Für ihren Trainer Harald Gloor ist klar, dass man eine wie Laura Künzler nicht lange in der NLB halten kann. «Für ihre Entwicklung ist es wichtig, dass sie bei einem NLATeam mittrainieren kann», sagt Gloor. Angesprochen auf ihre Stärken, gerät er ins Schwärmen, nennt ihre Grösse, die Explosivität, das Umsetzen von Anweisungen, die Fokussiertheit, ihren Ehrgeiz und ihre Abgeklärtheit.

Gloor hat ihren Werdegang genau verfolgt, schrieb im Rahmen seiner Berufstrainerausbildung eine Diplomarbeit über die Entwicklung von Talenten – mit Laura Künzler als Praxisbeispiel. Er ist überzeugt: «Sie wird ihren Weg machen.»

Zeit für Hobbys hat die 17-Jährige kaum. Auch ihre Beach-Karriere – Laura Künzler wurde an der U18-EM Fünfte – ist auf Eis gelegt. Der Fokus liegt auf der Halle. «Ein Leben ohne Volleyball kann ich mir nicht vorstellen», sagt Laura Künzler. Sie schätzt den Teamsport, das Miteinander und das Teilen der Leidenschaft. «Im Volleyball gibt es keinen Platz für Starallüren», sagt sie bescheiden, «man muss sich den Respekt erarbeiten.»

Dabei werden Erinnerungen an ihr erstes Training in Baden wach. «Ich war ein grosses, dünnes Mädchen mit Zahnspange», lacht Laura Künzler, «die Mitspielerinnen hatten wohl Angst, dass ich zerbrechen könnte.» Dann hämmerte sie einen Service über das Netz – und der Respekt war da.