Challenge League
Von Strassen-Rowdy Ionita bis zu Fettnäpfchen-Treter Lieder – Anekdoten zu den Ausländern des FC Aarau

Verstärkungsspieler aus dem Ausland kommen und gehen. Seit Igor Nganga den FC Aarau im Sommer in Richtung FC Wil verlassen hat, fehlt auf dem Brügglifeld der Publikumsliebling, die Kultfigur. Deshalb laden wir Sie ein, in Erinnerungen zu schwelgen und präsentieren die besten bisher noch unbekannten Anekdoten rund um die FCA-Ausländer seit der Saison 2000/01.

Dean Fuss
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Am Steuer des Pedalos sass Artur Ionita während seiner Zeit beim FC Aarau ganz legal – etwas anders verhielt es sich beim Moldawier im Auto.

Am Steuer des Pedalos sass Artur Ionita während seiner Zeit beim FC Aarau ganz legal – etwas anders verhielt es sich beim Moldawier im Auto.

Emanuel Freudiger;

Artur Ionita: Autobillet

Als sich ein Teamkollege ein neues Auto zulegt ist Artur Ionita etwas neidisch. Der Moldawier will unbedingt auch einmal mit besagter Neuerwerbung über die Aargauer Strassen kurven. Schliesslich willigt der Teamkollege ein und lässt Ionita ans Steuer. Weil dieser offenbar dermassen schlecht fährt, kommt die Frage auf, wie er denn zu seinem Autobillett gekommen sei. 130 ist in diesem Zusammenhang die Zahl aller Zahlen. Denn genau 130 Dollar musste Ionita bezahlen und bekam dafür in Moldawien den nötigen Ausweis.

Artur Ionita

2009 - 2014, 142 Spiele, 17 Tore

Genau aus diesem Grund müssen Eingewanderte ihren ausländischen Führerausweis im Strassenverkehrsamt umschreiben lassen – Ionita kümmert sich erst darum, als ihm das Billett deswegen bei einer Routine-Kontrolle entzogen wird. Zur Umschreibung muss er auch eine Kurz-Prüfung absolvieren. Da versagt Ionita aber in jeglicher Hinsicht dermassen, dass er den Führerausweis noch einmal neu erwerben muss – inklusive Fahrstunden. Kurz bevor er den FCA in Richtung Italien verliess, war dann alles in Ordnung und Ionita kurvte zum Abschluss doch auch noch vollkommen legal durch den Aargau.

Djamel Mesbah und Cristian Ianu: Die Schneeengel

Djamel Mesbah (r.) und Cristian Ianu bejubeln einen FCA-Torerfolg.

Djamel Mesbah (r.) und Cristian Ianu bejubeln einen FCA-Torerfolg.

Keystone

Ein Sonntagmorgen im Februar 2008, langsam wird es über dem tief eingeschneiten Stadion Brügglifeld hell. Die ersten Helfer sind bereits vor Ort. Sie schaufeln den Schnee vom Rasen und machen ihn für den Auftakt der Rückrunde des FCA gegen St. Gallen bespielbar – genau damit haben Djamel Mesbah und Cristian Ianu nicht gerechnet.

Christian Ianu:

2007 - 2009, 73 Spiele, 23 Tore

Denn die beiden zogen am Vorabend durch die Aarauer Klubs. Sie waren angesichts des starken Schneefalls am Samstagabend davon ausgegangen, dass die Partie sowieso abgesagt werden müsse und liessen sich richtig gehen. Stark angeheitert statten sie dem Brügglifeld in der Morgendämmerung einen Besuch ab. Sie machen Schneeengel und treiben auch in den Katakomben des Stadions allerlei Schabernack. Nur wenige Stunden später rücken Mesbah und Ianu pünktlich zur Besammlung der Mannschaft im Brügglifeld ein.

Djamel Mesbah:

2006 - 2008, 68 Spiele, 5 Tore

Beide spielen beim 3:1-Sieg gegen St. Gallen durch, Ianu erzielt sogar einen Treffer. Dumm nur: Eine Woche später kommt die Sumpftour intern raus. Weil sie aber nie an die Öffentlichkeit gelangt, belässt es der Klub bei einer Busse für die beiden Trunkenbolde.

Harut Vardanyan: Garderoben-Konfetti

Harut Vardanyan (M.): Auf und neben dem Platz kein Kind von Traurigkeit.

Harut Vardanyan (M.): Auf und neben dem Platz kein Kind von Traurigkeit.

Keystone

Harut Vardanyan sorgte nach seiner Zeit beim FC Aarau als Kopf der sogenannten «Denner-Bande» für Schlagzeilen. Der Armenier liess sich wegen Finanzproblemen nach seiner Aktivkarriere auf Einbruchdiebstähle zusammen mit Landsleuten ein. Die Truppe wurde geschnappt und der frühere Profi von YB, Servette und Aarau zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt. Das alles ist hinlänglich bekannt.

Harut Vardanyan

2004 - 2006, 42 Spiele, 0 Tore

Während seiner Zeit in Diensten des FCA war Vardanyan noch kein Krimineller, aber auf jeden Fall ein Schlitzohr. So kommt es, dass er eines Abends zusammen mit einem Teamkollegen an die Fasnacht geht. Dort kommen die beiden derart in Fahrt, dass sie gleich die ganze Nacht durchfeiern und sich erst in den frühen Morgenstunden auf den Rückweg nach Aarau machen. Unmittelbar nach ihrer Rückkehr müssen sie deshalb ohne Schlaf oder Dusche direkt im Training einrücken. In der Garderobe hinterlassen Vardanyan und sein ungenannt bleibender Teamkollege nach dem Umziehen Spuren ihrer Partynacht: in Form von Konfetti, die nun überall auf dem Boden herum liegen. Trotzdem fliegen die beiden nicht auf – bis heute.

Patrick Bengondo und Aco Stojkov: Zimmerstreit

Da verstanden sie sich: Patrick Bengondo (l.) und Aco Stojkov.

Da verstanden sie sich: Patrick Bengondo (l.) und Aco Stojkov.

Wagner

Winterpause 2010/11. Patrick Bengondo traut seinen Augen nicht. Als er nach dem Mittagessen den Materialraum im Hotel des FCA-Trainingslagers in Südafrika betritt, liegt da am Boden ein Afrikaner – und schläft. Es handelt sich beim anspruchslosen Schläfer um einen Testspieler, der ein paar Tage im Camp der Aarauer weilt.

Patrick Bengondo

2006 - 2011, 93 Spiele, 18 Tore

Bengondos Irritation steigert sich zur grenzenlosen Wut, als er erfährt, weshalb der junge Mann seinen Mittagsschlaf am Boden hält: Denn Testspieler hätte eigentlich das noch freie Bett in Aco Stojkovs Zimmer beziehen sollen. Doch der Mazedonier verweigerte seinem vorübergehenden Teamkollegen den Einlass. Begründung: Der Neue riecht ihm zu streng. Weil der Testspieler und Stojkov keiner gemeinsamen Sprache mächtig sind, können sie den Sachverhalt nicht ausdiskutieren.

Aco Stojkov

2009 - 2012, 73 Spiele, 25 Tore

Der junge Afrikaner zieht ab und findet in besagtem Materialraum seine kleine Wohlfühloase. Nachdem er Bescheid weiss, startet Bengondo durch. Er will Stojkov im Mannschaftscar an die Gurgel. Es braucht die halbe Mannschaft, um den gerechtigkeitsliebenden Bengondo zu stoppen und Schlimmeres zu verhindern.

Jean-Pierre Tcheutchoua: Kleiderwäsche

Auf dem Rasen ohne Pullover unterwegs: Jean-Pierre Tcheutchoua.

Auf dem Rasen ohne Pullover unterwegs: Jean-Pierre Tcheutchoua.

Wagner

Im Brügglifeld nannten sie ihn einfach «Tschämpu». Aufgrund des nicht ganz einfach auszusprechenden Namens des Kameruners irgendwie verständlich. Die Rede ist von Jean-Pierre Tcheutchoua. Wenn der Verteidiger jeweils im Stadion Brügglifeld eintraf, wurde es dem einen oder anderen seiner Mitspieler etwas unwohl. Der Grund dafür? Tcheutchouas - beziehungsweise eben Tschämpus - Kleider rochen unangenehm nach Schweiss. Kein Wunder, trug er doch meistens mehrere Kleidungsschichten übereinander. Dementsprechend schwitzte er sehr stark.

Jean-Pierre Tcheutchoua

003 - 2006, 76 Spiele, 4 Tore

Eines Tages kamen Tschämpus Teamkollegen auf eine glorreiche Idee: Sobald sich der Verteidiger nach dem Umziehen auf den Trainingsplatz begab, brachten sie seine Kleidung direkt in die Wäscherei. Dort nahmen sich die gutmütigen Angestellten der Kleidung Tschämpus an und wuschen sie. Komplett brachten sie den unangenehmen Geruch zwar nicht aus den Kleidern heraus, aber immerhin. Wenn die Mannschaft jeweils in die Garderobe zurückkehrte hingen die Kleider Tschämpus bereits wieder fein säuberlich an seinem Platz – als wären sie gar nie weg gewesen.

Mart Lieder: Übelriechendes

Diese Pose nahm Mart Lieder im Dress des FC Aarau des Öfteren ein.

Diese Pose nahm Mart Lieder im Dress des FC Aarau des Öfteren ein.

Freshfocus

Mart Lieder hat sich während seines einjährigen Engagements beim FC Aarau nicht nur Freunde gemacht. Weil es ihm an Torerfolgen fehlte, machte sich der holländische Stürmer in erster Linie dank seines oftmals etwas losen Mundwerks einen Namen. Darum dreht sich auch diese kurze Geschichte: Im vergangenen Frühling verschlägt es per Zufall einen alten Schulkollegen Lieders als Testspieler nach Aarau. Gemeinsam mit dessen beiden Agenten geht Lieder Mittagessen. Man tauscht sich über dies und jenes aus.

Mart Lieder

2015 - 2016, 33 Spiele, 6 Tore

Schliesslich fragt einer der beiden Agenten, wie eigentlich die Zukunft Lieders aussehe. Dieser antwortet, dass er sicher nicht beim FCA bleiben werde. Er habe das Heu nicht auf derselben Bühne wie Sportchef Raimondo Ponte (Wortwahl abgeschwächt, Anm. d. Red.). Und Lieder setzt gleich noch einen drauf: Der Sportchef rieche übel. Der Agent antwortet trocken, dass es sich beim Sportchef um seinen Vater handle. Dumm gelaufen. Bemerkenswert, dass sich ausgerechnet Lieder über angeblich üble Düfte beklagt. Wurde doch wegen ihm eine Busse (20 Franken) für das Ausstossen von Darmwinden im Mannschaftsbus erlassen.