Eishockey
Von Neuenhof zurück zu den Wurzeln nach Kroatien

Für viele Eishockey-Spieler wäre ein Wechsel nach Kroatien ein Abstieg, nicht so für Dario Kostovic. Der gebürtige Neuenhofer spielt seit 2011 in Kroatien, wo er gerade eine seiner besten Saisons hatte.

Martin Merk, Pula
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Die Kurve gekriegt: Dario Kostovic hat in Kroatien auch seine sportliche Heimat gefunden.

Die Kurve gekriegt: Dario Kostovic hat in Kroatien auch seine sportliche Heimat gefunden.

Robanser

«Es ist unglaublich. Ich habe den Klub verfolgt, seit sie in dieser Liga sind und es hatte mich immer gereizt, hier zu spielen», erklärt der 32-Jährige. «Ich sagte mir, wenn mein Vertrag in Lugano ausläuft, komme ich ein, zwei Jahre hierher spielen, oder beende sogar meine Karriere hier unten.»

Gesagt, getan. Seit 2011 spielt der gebürtige Neuenhofer beim Klub aus der kroatischen Hauptstadt, der am Wochenende mit Spielen im römischen Amphitheater der istrischen Küstenstadt Pula für Schlagzeilen sorgte. «Es ist wirklich unglaublich für diesen Verein zu spielen und was sie hier auf einmal auf die Beine gestellt haben. Wir hatten letzte Saison in sieben Spielen hintereinander 15 000 Zuschauer, das ist schon sehr speziell.»

Fast 9000 Zuschauer im Schnitt

Dem Klub lief es schon bis zum Zerfall Jugoslawiens gut. Danach hatten die Teilrepubliken Mühe, das Spielniveau mit bescheidenen nationalen Meisterschaften zu halten. Einzig Slowenien vermochte den einen oder anderen Star wie Anze Kopitar zu produzieren. Medvescak Zagreb dagegen spielte zwei Jahrzehnte lang vor wenigen hundert Zuschauern.

Dies änderte sich mit der Öffnung der österreichischen Liga, welche auch Mannschaften aus Slowenien, Tschechien und Ungarn hat. 2009 wurde Medvescak noch mit Skepsis aufgenommen. Mittlerweile ist man sportlich wettbewerbsfähig, hatte mit 8835 Fans den höchsten Zuschauerschnitt und lag europaweit auf Platz 12. Die russische KHL möchte den Verein für nächste Saison bei sich aufnehmen, genauso wie eine Mannschaft aus Mailand.

«Ich bin super aufgenommen worden. Ich hatte eine meiner besten Saisons», sagt Kostovic, der in Split geboren wurde, jedoch in der Schweiz bei den Kloten Flyers gross wurde, über sein erstes Jahr. «Wir hatten eine gute Mischung und hätten eigentlich die Meisterschaft gewinnen müssen.»

Nationalmannschaft unterstützen?

Die Mannschaft hat viele Doppelbürger im Team wie Kostovic oder auch Nordamerikaner mit kroatischen Wurzeln. Einige von ihnen könnten auch die auf Rang 30 klassierte Nationalmannschaft unterstützen. Kostovic wäre ab 2013/14 spielberechtigt. Fannähe, kroatischen Spielernamen und ein lautes, aber gewaltfreies Publikum sind der Schlüssel zum Erfolg. Weil es keine Hooligan-Probleme wie im Fussball oder Basketball gibt, kommen auch viele Familien. «Es ist gutes Hockey und es gibt keine Linie, die schlecht ist», beschreibt Kostovic die Liga, auch wenn die NLA viel schneller und auch körperbetonter sei.

Vor der antiken Kulisse in Pula wurde Kostivic im ersten Spiel gegen Olimpija Ljubljana (2:3) nicht eingesetzt, dafür aber beim 4:1-Sieg gegen die Vienna Capitals am Sonntag. Es war ein spezielles Erlebnis, zumal Kostovic mit seiner Frau ein Haus in der Nähe hat und dort den Sommer verbrachte. «Eigentlich gehören wir da rein. Wir sind schon wie Gladiatoren», sagt Kostovic.