Handball
Von der Verlobten ins Fricktal gelockt

Erstligist Möhlin mit Marcus Hock bezwingt den TV Muri 32:30. Der TV Möhlin hat auch während der Winterpause auf sich aufmerksam gemacht und mit Marcus Hock den zweimaligen Torschützenkönig der 2. Deutschen Bundesliga verpflichtet.

Alexander Wagner
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Möhlins Transferbombe Marcus Hock (rechts) war nur mit unfairen Mitteln zu bremsen.

Möhlins Transferbombe Marcus Hock (rechts) war nur mit unfairen Mitteln zu bremsen.

Alexander Wagner

Im ersten Spiel gegen Wohlen gelangen dem knapp zwei Meter grossen Rückraumspieler zehn Tore. Im Duell gegen den zweiten Freiämter Verein, den TV Muri, setzte er ein weiteres Ausrufezeichen: In der ersten Hälfte erzielte er sieben Treffer, gab ein Kreisanspiel, blockte einen Schuss in der Abwehr und leitete damit insgesamt drei Gegenstoss-Tore ein. Mehr Einfluss auf ein Spiel kann man fast nicht mehr nehmen.

Möhlins finanzielle Möglichkeiten

So war es denn auch nicht verwunderlich, dass Möhlin bereits zur Pause einen beruhigenden Vorsprung hatte und mit 21:13 führte. Dass Möhlin ein besonderer Verein ist, bewies er nicht nur mit der Transferbombe von Hock, sondern auch damit, dass die Fans gleich im Bus anreisten und so die Fricktaler ein Heimspiel im Freiamt genossen. «Wir sind ein breit abgestützter Verein und haben gewisse finanzielle Möglichkeiten», erklärt Mannschaftsleiter Paul Hürbin. Doch der Zufall half auch noch etwas mit. So suchte sich Hock, der zehn Länderspiele für die Junioren-Nationalmannschaft absolviert hat, einen Verein in der Schweiz, weil seine Verlobte bereits umgezogen war. So war es ihm auch egal, auf deutlich tieferem Niveau zu spielen: «Ich habe genug erlebt. Jetzt konnte ich den Schritt wagen und Beruf und Handball kombinieren», erklärt der gebürtige Aschaffenburger.

In der zweiten Halbzeit gelang Hock auch nicht mehr alles, aber er verwandelte vier Penaltys sicher und führte sein Team zum 32:30-Auswärtserfolg. «Ich muss noch lernen, dass ich nicht alles selber machen muss.» Es sei jetzt ein ganz anderes Spiel und darauf müsse er sich zuerst einstellen. In der Bundesliga hatte er drei, vier ganz routinierte Nebenleute, hier muss er viel selber machen. Aber eben nicht alles.

Mit dem Auswärtserfolg im Freiamt hat der TV Möhlin fünf Siege in Serie hingelegt und sich auf einen Aufstiegsplatz gehievt. Und mit der äusserst spielstarken Mannschaft, dem routinierten Trainer Wolfgang Böhme und dem Zuzug des 29-jährigen Hock sind die Weichen klar gestellt. «Das Ziel ist der Aufstieg», erklären Hock und Hürbin übereinstimmend. Dieses Ziel hatte der TV Möhlin, der jahrelang eine feste Grösse in der NLB war, in den letzten Jahren immer gehabt. Doch diesmal stehen die Vorzeichen sehr gut.

Der TV Muri im Elend

Ganz anders hingegen beim TV Muri. Die junge Truppe aus dem Freiamt musste bereits die siebte Niederlage in Folge verkraften. Den letzten Sieg konnte das Team von Martin Pauli und Zoltan Cordas im November 2011 einfahren. Damit liegt Muri auf einem Abstiegsplatz, ganz knapp hinter Wohlen. Dem Freiämter Derby kommt also ganz besondere Bedeutung zu: Die Gefahr wird immer grösser, dass es nächste Saison in der 1. Liga einige Aargauer Derbys weniger geben wird.