NLA-Handball

Von allem ein bisschen mehr: Der HSC Suhr Aarau überzeugt beim Kantersieg gegen Wacker Thun mit einer geschlossenen Teamleistung

In der 3. Runde der NLA-Saison lässt der HSC Suhr Aarau Wacker Thun beim diskussionslosen 29:14 keine Chance. In Abwesenheit von Rückraumspieler João Ferraz drängen sich andere in den Vordergrund. Trainer Misha Kaufmann lobt nach dem Spiel das Kollektiv – und warnt davor, in Euphorie zu verfallen.

Irgendwie wirkte alles ein wenig lauter als sonst in der Schachenhalle. Klar, die Radiohits wummern hier stets ohrenbetäubend aus den Boxen. Das rhythmische Trommeln der treusten Fans treibt die Dezibelanzeige zuverlässig in die Höhe. Und doch war es, als sei in der Halle eine besondere Energie freigesetzt worden, in dieser dritten Runde gegen Wacker Thun. Als wüssten alle beim HSC, dass sie hier noch einmal eine Schippe drauflegen müssen.

Man könnte auch sagen, das Spiel weckte alte Playoff-Geister. Spiele gegen Wacker Thun, das sind meist enge Angelegenheiten für den HSC. Stellvertretend darf dabei die Viertelfinal-Serie aus dem letzten Jahr gelten, die sich über fünf Spiele zog und an deren Ende sich der HSC nur äusserst knapp nicht Halbfinalist nennen durfte. Knapp, so viel darf gesagt werden, wurde es am Sonntag nicht.

In Ferraz’ Abwesenheit trumpfen andere auf

Es gab da diese Szene Mitte der ersten Halbzeit, als sich Linksaussen Timothy Reichmuth auf einen freiliegenden Ball warf, als hinge sein Leben davon ab, ob er ihn nun erreicht oder nicht. In einer anderen Aktion lag Torhüter Dragan Marjanic bei einer wahnwitzigen Parade quer in der Luft. Von allem noch ein wenig mehr, alles ein bisschen spektakulärer.

«Heute hat alles gepasst», sagte Trainer Misha Kaufmann nach diesem nie gefährdeten 29:14-Sieg (Halbzeitstand 13:6). «Die Mannschaft ist ohne João noch näher zusammengestanden.» Zum dritten Mal nacheinander trat der HSC ohne seinen rechten Rückraumstar João Ferraz an. Den wurfstarken Portugiesen plagt noch immer eine Verletzung am Knie, er ist aber zurück im Training, der nächste Match liegt in Reichweite.

In seiner Abwesenheit spielten sich andere in den Vordergrund. Daniel Parkhomenko etwa, der die ersten Tore für sein Team schoss. Der junge Linkshänder durfte sich auf die Offensive konzentrieren, von Abwehrarbeit war er befreit. Park­homenkos Wucht beeindruckte – auch die Thuner. Sie vertei­digten den 19-Jährigen hart, die Finger gruben sich tief in das rote Dress des Rückraums. Ein Rezept aber fanden sie keines gegen ihn.

«Da kommt das Selbstvertrauen von alleine»

Das besondere Etwas hatte an diesem Nachmittag auch ein anderer Spieler aus dem HSC-Nachwuchs: Manuel Zehnder. Zehnder hat Jahrgang 1999, doch am Sonntag wirkte er, als stehe er schon viele Jahre auf allerhöchstem Niveau auf der Platte. Er nahm die richtigen Würfe, er verteilte die Bälle, er orchestrierte die Angriffe. Sechs seiner acht Treffer erzielte er in Halbzeit zwei. «Ich habe versucht, einfach zu spielen und mich an die Vorgaben gehalten. Da kommt das Selbstvertrauen von alleine», sagte Zehnder.

Dass am Ende Spielmacher Sergio Muggli (vier Tore) als bester Spieler ausgezeichnet wurde, unterstrich, wie geschlossen und gut die gesamte Mannschaft des HSC auftrat. Die Wahl dürfte auch im Sinne von Trainer Kaufmann gewesen sein, der bei jeder Gelegenheit betont, wie wichtig jeder einzelne seiner Spieler ist. Der HSC hat nun aus den ersten drei Spielen zwei Siege geholt, das lässt sich sehen. Misha Kaufmann aber sagte: «Man sollte das nicht überbewerten. Das war heute ein tolles Spiel, nicht mehr und nicht weniger.»

Sie haben die Partie verpasst? Schauen Sie sie sich hier in der Aufzeichnung des Livestreams an:

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