Schwimm-Crack

Vom Verweigerer zur Wasserratte

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«Mein erster Schwimmkurs war ein totaler Ablöscher», erinnert sich An Schwimmen drea Alessandro Bruder. Dieses Erlebnis und viele seiner Gegner hat der 14-Jährige längst hinter sich gelassen.

Der Grossvater war Rettungsschwimmer im Rhein, der Vater Wettkampfschwimmer. Doch Andrea Alessandro Bruders erster Schwimmkurs liess noch keine grosse Karriere erahnen. «Es war ein totaler Ablöscher», erinnert sich der Auensteiner, der am 23. Dezember seinen 15. Geburtstag feiert. Vor allem die pädagogischen Fähigkeiten des Leiters vermochten den damaligen Kindergärtner nicht zu überzeugen. «Ich habe mich in der Folge sogar geweigert, weiter zu schwimmen.»

Doch irgendwann triumphierte die Zuneigung zum Medium Wasser doch noch. «Ich habe Wasser einfach gerne», sagt Bruder. Aus dem Verweigerer wurde eine richtige Wasserratte. Bruders Spezialität sind die langen Distanzen in der Disziplin Open Water. Im Juli wurde er Schweizer Meister über 3000 m in der Kategorie der 14- und 15-Jährigen. Mit seiner Zeit wäre er sogar in der Kategorie bis 18 Jahre zuoberst auf dem Treppchen gestanden. Bei der Überquerung des Hallwilersees schwamm Bruder in diesem Jahr ebenfalls obenauf. Manchmal trainiert er auch im Hallwilersee. Dabei wird er von seiner Gotte im Boot begleitet.

Beim Start sieht er nur die Füsse

Auch im Becken ist Bruder erfolgreich. Über 1500 m holte er in seiner Kategorie SM-Silber, über 400 m Bronze. Allerdings hat er im Becken noch Schwächen. Eine ist der Start. «Wenn ich wieder auftauche, sehe ich meistens nur noch die Füsse meiner Gegner», sagt Bruder. Bei der Wende erkennt er auch noch Steigerungspotenzial. Trotzdem wurde Bruder ins Swiss-Olympic-Förderkader aufgenommen. In dieser Saison möchte er auch noch den Sprung vom Regional- ins Nationalkader schaffen.

Der Aufwand, den Bruder für seinen Sport betreibt, ist enorm. Das Mitglied vom SC Aarefisch trainiert siebenmal pro Woche. Mit Training und Schule kommt der Bezirksschüler auf eine 45-Stunden-Woche. Dabei sind die Hausaufgaben nicht eingerechnet. Das Konditionstraining erledigt sich fast von selbst. Da Bruder mit dem Velo in die Schule nach Schinznach-Dorf fährt, radelt er pro Tag eineinhalb Stunden. Im Sommer pedalt er auch ins Training in Aarau. Dann sinds sogar zwei Stunden pro Tag. «Wenns mal beim Schwimmen nicht mehr läuft, kann ich mich als Triathlet versuchen», sagt Bruder mit einem Lachen.

Ab August in die Sportkanti Aarau

Bei solch einem Programm bleibt wenig Raum für Hobbys. Wenn es die Zeit erlaubt, bastelt Bruder Schiffs- und Flugzeugmodelle aus dem zweiten Weltkrieg nach. «Geschichte interessiert mich», sagt der Nachwuchssportler, der ab dem kommenden Sommer die Sportkanti in Aarau besuchen will. «Wenn ich im Schwimmen weiterkommen möchte, ist die Sportkanti die einzige Alternative», sagt Bruder. Am kommenden Freitag wird er am Besuchstag erstmals Kantiluft schnuppern. Danach weiss er vielleicht, ob er sich für Geistes- und Sozialwissenschaften oder doch eher für die mathematische Richtung entscheiden soll. Sportlich strebt Bruder die Teilnahme bei internationalen Wettkämpfen an. Auch die Qualifikation für die Jugend-Olympiade ist ein Ziel.

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