Es war nicht der Kampf um den Sieg, der die Zuschauer am Cross Race in Pfaffnau die Luft anhalten liess. Die Aufmerksamkeit gehörte am Stephanstag Lukas Winterberg. Der Roggliswiler lieferte sich mit dem Franzosen Francis Mourey einen Fight um Platz drei. Auf der letzten Steigung hielt er ihn in Schach, wagte keck noch einen Blick zurück, machte in der Kurve vor der Zielgeraden den Raum eng, hinderte Mourey so am Vorbeifahren und schlug ihn im Sprint. «Habe ich das?», meinte Lukas Winterberg im Ziel, angesprochen auf seine clevere Fahrweise, grinste – und liess sich von Freunden auf die Schulter klopfen.

Verletzung kurz vor der Mountainbike-Schweizer-Meisterschaft

Nicht alles gelang dem 27-Jährigen so gut wie das Cross Race in Roggliswil. Den Tiefpunkt erlebte Lukas Winterberg vor der Mountainbike-Schweizer-Meisterschaft im Juli, kurz nach seinem Debüt im Mountainbike-Weltcup. Bei der Streckenbesichtigung knallte er bei einem Sturz auf eine Wurzel: «Es fühlte sich an, als wäre mein Bein entzwei.» Der Oberschenkel war aber «nur» stark geprellt, nicht gebrochen, Schonung war angesagt.

Im Engadin bewegte sich der Luzerner im Höhentraining vorerst sachte und unterstützte mit Physiotherapie den Heilungsprozess. «Das alles war aber schon eher ausspannen als trainieren», sagt er über die fünfwöchige Zwangspause. Die eigentlich geplanten intensiven Einheiten musste er sausen lassen. Bei der Teamtrophy des Inferno-Triathlons kehrte Lukas Winterberg Ende August ins Renngeschäft zurück und siegte mit seiner Equipe.

«Ich kam nie wirklich auf Touren»

Kurz darauf startete Winterberg in die Quer-Saison – in Peking. Dem Saisonauftakt in der Schweiz folgten Renneinsätze in den USA und weitere auf heimischem Boden. Trotz ansprechender Resultate war «Winti» nicht zufrieden. Der Trainingsrückstand habe sich stets bemerkbar gemacht: «Ich kam nie wirklich auf Touren.» Eine Luftveränderung musste her. Lukas Winterberg reiste nach Ruanda, nahm die neuntägige «Tour of Rwanda» in Angriff – das nächste «exotische» Rennen nach der Tour de Kamerun im März. «Das Durchkommen – nicht der Rang – war das Ziel», sagt Winterberg über die 920 Kilometer, auf denen 15 000 Höhenmeter zu bewältigen waren.

47 der 70 gestarteten Fahrer finishten. Als Gesamtsechster war Lukas Winterberg, der seine Sportkarriere als Zimmermann im Teilzeit-Pensum und mit Sponsoren und Gönnern finanziert, bester Europäer. «Mit vollem Einsatz Rennen zu fahren, bringt mir mehr, als ‹halbbatzig› zu trainieren», sagt er über die Einsätze in der Ferne. Diese brächten ihn auch persönlich weiter. «Was ich in Ruanda und Kamerun gesehen habe, lehrt mich Demut. Wenn man sieht, unter welchen Umständen Menschen in Afrika ihr Leben mit Zufriedenheit meistern, ändert sich der Blick auf die eigenen ‹Probleme›.»

Nach Ruanda kam die gewünschte Steigerung. Im Dezember feierte er in Namur (Be) sein bisher bestes Weltcup-Ergebnis (30.). Nun folgt für das Mitglied der Radquer-Nationalmannschaft mit der Schweizer Meisterschaft in Dagmersellen das zweite Highlight fast vor der Haustüre. «Ich will mich nicht mit Prognosen aus dem Fenster lehnen», hält er sich bezüglich einer Zielformulierung bedeckt. In den letzten drei Jahren fuhr Winterberg stets unter die ersten sechs. «Natürlich ist das Podest im Hinterkopf. Aber es bringt mir nichts, mich deswegen verrückt zu machen.»