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Vizepräsident Geissberger nach Bekenntnis zu Jurendic: «Ist immer der Trainer schuld?»

Macht der FCA acht Monate nach der Schällibaum-Verlängerung wieder den gleichen Fehler? Ist Burki ein Sportchef ohne Macht? Was sind die Ziele für die Rückrunde? Antworten von Roger Geissberger, Vizepräsident und Ressort Leiter Sport beim Challenge-League-Siebten.

Sebastian Wendel
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Roger Geissberger (r.), Vizepräsident und Leiter Ressort Sport, mit Trainer Jurendic. Links FCA-Präsident Alfred Schmid.

Roger Geissberger (r.), Vizepräsident und Leiter Ressort Sport, mit Trainer Jurendic. Links FCA-Präsident Alfred Schmid.

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Herr Geissberger, im April verlängerte der Verwaltungsrat gegen den Willen von Sportchef Ponte den Vertrag mit Marco Schällibaum. Acht Monate später hält er an Marinko Jurendic fest, obwohl der neue Sportchef Burki Vorbehalte gegenüber dem Trainer hat. Warum macht der Verwaltungsrat erneut den gleichen Fehler?

Roger Geissberger: Wir, der Verwaltungsrat und Sandro Burki, sind in der Tat mit Vorbehalten in die Evaluation der Trainerfrage gegangen. Nach zahlreichen und konstruktiven Gesprächen sind wir zum Schluss gekommen, am Trainer festzuhalten.

Mit Verlaub: Nicht Burki, sondern der Verwaltungsrat hat das entschieden. Der Sportchef hat im FCA-Konstrukt keine Entscheidungsmacht in der Trainerfrage.

Geissberger: Falsch! Sandro Burki hatte bei den Gesprächen von Anfang den Lead. Nach Abwägung aller Faktoren haben am Dienstagvormittag der Sportchef, Präsident Alfred Schmid und ich gemeinsam und in Absprache mit dem Verwaltungsrat entschieden. Sandro Burki steht voll hinter der Entscheidung, an Jurendic festzuhalten. Er hat auch so abgestimmt.

Befürchten Sie nicht, dass dadurch Burkis Stellenwert intern und extern leidet?

Geissberger: Sandro Burki ist unser starker Mann in sportlichen Fragen, er ist am Puls und weiss am besten, was gut und was schlecht ist für die Mannschaft. Er hat unser Vertrauen und wir unterstützen ihn. Der Sportchef ist wie der Verwaltungsrat überzeugt, dass die Entscheidung nach Abwägung aller Faktoren die richtige ist. Kontinuität ist im Fussball ein wichtiger Faktor.

Nehmen wir mal an, Burki hätte auf einen Trainerwechsel bestanden. Hätten Sie ihm den Wunsch erfüllt?

Geissberger: Die Frage ist hypothetisch, weil er das nicht gefordert hat. Aber: Der Verwaltungsrat hätte von Anfang an darauf bestehen können, dass die «Trainerfrage» nicht diskutiert wird.

Was hat zum Meinungsumschwung geführt, entgegen der anfänglichen Tendenz und trotz der Analyse alternativer Szenarien an Jurendic festzuhalten?

Geissberger: Ein Trainerwechsel stand nie kurz bevor. Abgesehen von den Rückfällen in Vaduz und Schaffhausen (jeweils 1:4; d. Red.) hat sich die Mannschaft seit dem Sportchef-Wechsel stabilisiert und in 11 Spielen 16 Punkte geholt. Und ist immer der Trainer schuld, wenn es nicht läuft? Müssen sich nicht auch die Spieler hinterfragen? Zudem steht die kurzfristige Entwicklung in der Stadionfrage über allem.

Das tönt nach Verlegenheitslösung.

Geissberger: Auf keinen Fall. Wir sind überzeugt, den richtigen Trainer zu haben. Er gilt nicht umsonst als grosses Trainertalent mit besten Referenzen. Und er hat im vergangenen Jahr – mal abgesehen von den Resultaten – wichtige Vorgaben umgesetzt: Er integriert Eigengewächse und hat zusammen mit Burki die medizinische Abteilung verbessert. Übrigens...

Ja?

Geissberger: Wir haben uns auch im Umfeld des FCA umgehört: Viele Leute waren dafür, am Trainer festzuhalten. Und bei einer Umfrage auf dem Onlineportal Ihrer Zeitung hat die grosse Mehrheit für Jurendic gestimmt.

Wir kritisieren die fehlende Fussball-Kompetenz im Verwaltungsrat. Dass dadurch Leute über die Trainerfrage entscheiden, die den Alltag im Brügglifeld nicht miterleben.

Geissberger: Mit dem aktuellen Verwaltungsrat ist der FCA seit 2007 zweimal Fünfter in der Super League geworden, zweimal abgestiegen und einmal aufgestiegen. Von fehlender Fussball-Kompetenz kann keine Rede sein. Zudem sassen im fünfköpfigen Sportausschuss immer nur Personen mit Fussballvergangenheit. Ja, wir Verwaltungsräte sind primär Unternehmer und beschäftigen deshalb schon immer einen vollamtlichen Sportchef. Dieser ist, in Absprache mit dem Trainer, für das Kader verantwortlich. Der Verwaltungsrat stellt sicher, dass die Finanzen und das Juristische stimmen und dass der FCA keine Verluste schreibt.

Was erwarten Sie von Jurendic und Burki in der Rückrunde?

Geissberger: Dass sie die Mannschaft weiter stabilisieren und der Aufwärtstrend anhält. Ich habe da keine Bedenken, denn beide arbeiten im Sinn der Sache. Das Team hat die Qualität, auf Rang 4 zu landen. Das ist unser Ziel.

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