Für alle Schweizer Turnerinnen und Turner beginnt am Donnerstag das Eidgenössische Turnfest (ETF). Endlich, sechs Jahre nach Frauenfeld, geht wieder der grösste Breitensport-Anlass der Schweiz über die Bühne. Breitensport? Nicht nur.

Denn auch die Nationalmannschaft der Kunstturner ist schon ganz aufgeregt. «Wir freuen uns alle auf das Turnfest», sagt Lucas Fischer. Der frischgebackene Vize-Europameister am Barren startet zu seinem ersten Wettkampf nach der EM.

«Das ETF ist speziell für mich, weil die Atmosphäre so super ist. Es sind so viele turn-begeisterte Leute hier. Dass es in Biel ist, freut mich erst recht.» Biel ist ein Heimspiel für Fischer, denn der Aargauer Kunstturner trainiert mit seinen Natikollegen in Magglingen, oberhalb der Stadt.

Er erinnert sich noch lebhaft an das letzte Eidgenössische 2007 in Frauenfeld: «Das war super. Ich wurde damals Vierter und konnte zum ersten Mal mitten in die nationale Spitze turnen.» Um den Turnfestsieg wird er am Samstag nicht kämpfen, denn er tritt nur an seinem Paradegerät an, dem Barren.

Sein Tipp für den Sieg: «Titelverteidiger Claudio Capelli ist Favorit. Von den Aargauern könnte Oliver Hegi vorne mitmischen, wenn er alles durchzieht.» Und bei den Frauen? «Klare Sache, Giulia Steingruber wird gewinnen.»

Aargauer Medaillenhoffnungen

Die Trampolinturner aus Möriken-Wildegg möchten um Medaillen fliegen. Markus Brack ist vor wenigen Wochen Vize-Schweizer-Meister geworden. Doch er hat noch eine zweite – und grössere – Chance auf den Turnfestsieg: Zusammen mit seinem Bruder Martin startet er in Biel als Schweizer Meister und ETF-Titelverteidiger im Synchronspringen.

Sogar zum zweiten Mal als Titelverteidiger am Start ist das Geräteturn-Sie&Er-Paar Fränzi Bechter und André Keller. Sie könnten nach 2002 und 2007 zum dritten Mal in Folge den Turnfestsieg holen.

In einigen weiteren Kategorien stehen Aargauer Athleten weit vorne auf der Favoriten-Liste: Zum Beispiel die Wettinger Geräteturner Pascal Aebi und Simon Müller oder die Aerobic-Teams aus Unterkulm und Eien-Kleindöttingen.

Wettingen will den dritten Titel

Nach 2002 im Baselland und 2007 in Frauenfeld will Wettingen auch am Eidgenössischen Turnfest in Biel Turnfestsieger im Vereinswettkampf werden. «Wir wollen den Titel verteidigen», gibt denn auch Wettingens Präsident Dario Meier zu verstehen, «unser Traum ist, dreimal die Höchstnote zu erturnen.»

Dieses Ziel wollen die Limmattaler mit attraktiven Vorführungen erreichen. Deren Highlights sind am Boden die Twist-Salti und der dreistöckige Turm, bei den Sprüngen zwölf Doppelsalti mit halber Drehung und an den Schaukelringen der Doppelsalto mit angewinkelten Beinen als Abgang.

Doch die Konkurrenz ist gross, auch wenn der Kantonsrivale und ewige Turnfest-Zweite, der BTV Aarau, am diesjährigen «Eidgenössischen» nicht mitmacht.

Da die Aarauer Leichtathleten 2011 nach der Erhöhung der Verbandsbeiträge aus dem Schweizerischen Turnverband ausgetreten und nur noch Mitglieder des Leichtathletikverbandes sind, nehmen sie auch nicht mehr an Turnfesten teil. Damit fällt der innerkantonale Zweikampf weg.

Auch so ist der Hattrick nicht einfach realisierbar. Ausserkantonale Konkurrenten, wie der BTV Luzern, der am Lägern-Cup an den Schaukelringen eine blanke Zehn holte, oder Mels mit starken Geräteturnern und Leichtathleten sind ernst zu nehmende Gegner.

«Es wird nicht einfach werden», ist sich Oberturner Fabio Moser bewusst. In der verbleibenden Zeit bis zum Auftritt am zweiten Turnfestwochenende will sich Wettingen noch den letzten Schliff holen: Vor allem an der Einzelausführung und an der Synchronität soll gefeilt werden.