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Vier Gründe für die FCA-Krise

Vier Gründe für die Krise beim FC Aarau

Vier Gründe für die Krise beim FC Aarau

Nach der 2:3-Pleite gegen Delémont droht dem FC Aarau der freie Fall. Vier Gründe für die Krise des FC Aarau.

Fünf Niederlagen und zwei Unentschieden in der Meisterschaft: Super-League-Absteiger FC Aarau wartet seit dem 30.August und dem 2:1 in Winterthur auf einen Sieg. Das 2:3 am Sonntag gegen Delémont mit zwei späten Gegentreffern ist symptomatisch für die Negativspirale, in welche die Mannschaft geraten ist. Nach 13 Spielen haben die Aarauer erst 13 Punkte auf dem Konto. Ginge die bevorstehende Reduktion der Challenge League heute über die Bühne, würde das Team in die neue 1.Liga Promotion relegiert. Für die Krise der Aarauer gibt es vier Gründe.

Punkt1: fehlende Kompetenz in der Führungsetage. Nach Fritz Hächler hat beim FCAarau mit Urs Bachmann zum zweiten Mal in Folge ein Quereinsteiger die wichtigste Funktion übernommen. Sport-Koordinator Bachmann markiert zwar Präsenz, zeigt viel Einsatz und guten Willen, aber er ist kein Fachmann. Ihm fehlt das Beziehungsnetz. Ein Transfercoup ist ihm bis zum heutigen Tag nicht gelungen. Ob Sportausschuss-Mitglied Fredy Strasser der rich-
tige Lehrmeister für Bachmann ist, darf zumindest bezweifelt werden. Strasser ist Spielerberater und hat als Schwiegervater und Manager von Mittelfeldspieler Sandro Burki Interessenkonflikte. Es ist sogar zu befürchten, dass Strasser nach der Vorrunde Sportchef beim FC Aarau wird. Und noch etwas: Was macht eigentlich Roger Hegi im Sport-Ausschuss?

Punkt2: die Unerfahrenheit des Trainers. Der frühere Juniorentrainer Ranko Jakovljevic hat die Mannschaft nicht im Griff. Und zwar auf und neben dem Spielfeld. Die Fehlerquelle bei den Spielern ist viel zu gross. Disziplinlosigkeiten wie die von André Goncalves beim 1:7 in Biel und von Michele Polverino beim 0:3 in Nyon sind schon beinahe an der Tagesordnung. Zudem fehlt Jakovljevic der Mut, wenigstens in Heimspielen zwei Stürmer aufzustellen. Jakovljevic hat nicht nur als Trainer, sondern auch als Psychologe versagt. Er hat es nicht geschafft, den abwanderungswilligen Aco Stojkov auf seine Seite zu bringen. Der mazedonische Internationale ist von der Qualität her der mit Abstand beste Aarauer und müsste aufgrund seiner Klasse in der Challenge League mindestens 20 Tore pro Saison schiessen. Doch der fünffache Saisontorschütze wirkt seit Wochen wie ein lustloser Fremdkörper. Und warum spielt Patrick Bengondo nicht? In der Super League war der 29-Jährige ein idealer Joker. Das würde ihn eine Klasse tiefer eigentlich zum Stammspieler qualifizieren. Momentan schmort er allerdings auf der Ersatzbank.

Punkt3: die Zusammenstellung des Teams. Dass die Vereinsverantwortlichen nach dem Super-League-Abstieg einen Dreijahresplan aufstellten, ist schön und gut. Die Meisterschaft 2010/11 als Zwischensaison zu bezeichnen, war geradezu fahrlässig. Im Profifussball zählen nicht Vergangenheit und Zukunft, es zählt einzig die Gegenwart. Schon in der Abstiegssaison wurde offensichtlich, dass es den Spielern an der Winnermentalität fehlt. Der Vereinsleitung ist eine Kurskorrektur nicht gelungen. Dass der frühere Coach Jeff Saibene Sandro Burki zum Captain ernannt hat, war falsch. Burki versucht zwar, Verantwortung zu übernehmen, aber der sensible Mittelfeldspieler ist dem Druck des Leaders nicht gewachsen. Ein Problem ist zweifellos auch das grosse Lohngefälle innerhalb der Mannschaft. Burki, Michele Polverino, David Marazzi, Bengondo und Stojkov haben Super-League-Löhne. Im Vergleich dazu haben Spieler wie Michael Ludäscher, Sascha Studer und Tobias Müller bessere 1.-Liga-Verträge. Das wäre kein Problem, wenn sich bei den Grossverdienern das Preis-Leistungs-Verhältnis im Gleichgewicht halten würde.

Punkt4: die neue Liga. Wohlens Präsident Andy Wyder wies schon vor Beginn der Saison auf die Gefahr hin, dass der FC Aarau die Challenge League unterschätzt. In der zweithöchsten Spielklasse sind nicht in erster Linie Technik und Kabinettstückchen, sondern Einsatz und Kampfgeist gefragt. Die Aarauer sterben momentan in Schönheit. Kommt hinzu, dass Teams wie Wil, Kriens und Delémont gegen den FCAarau, der sich während 29 Jahren in der höchsten Spielklasse halten konnte, besonders motiviert sind.

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