Lok Reinach ist die klare Nummer 1 im Kanton Aargau. Zumindest in Sachen Unihockey. Aber: Die Vormachtstellung der Wynentaler wird auf die kommende Saison hin auf die Probe gestellt. Denn seit dem vergangenen Wochenende ist klar: 2017/18 spielen neben Lok und Unihockey Fricktal (das im Frühling 2016 nur ein Jahr nach der Gründung in die 1. Liga aufgestiegen ist) zwei weitere Aargauer Teams in der 1. Liga.

Baden-Birmenstorf und das Team Aarau haben die Aufstiegsspiele von der 2. in die 1. Liga überstanden und bilden damit zusammen mit Reinach und Fricktal das Quartett der besten Teams des Kantons. Das Spezielle daran: Die beiden Aufsteiger spielten noch vorletzte Saison in der 3. Liga. «Unser Saisonziel war der Ligaerhalt», sagt Thomas Käser, Präsident der Aarauer und lacht. Ähnlich klingt es bei Baden-Birmenstorf: «Der Aufstieg kam sehr überraschend. Der Durchmarsch von der 3. in die 1. Liga war völlig irrational», sagt Sportchef Pascal Aeschlimann.

Enttäuschte Gesichter: 2012 steigt Lok Reinach in die 1. Liga ab.

Enttäuschte Gesichter: 2012 steigt Lok Reinach in die 1. Liga ab.

Lok will wieder in die NLB

Auch in Sachen Saisonziele für 2017/18 sind sich die beiden Aufsteiger einig: Es lautet schlicht und einfach Ligaerhalt. Der Aargauer Aufsteiger aus der vergangenen Saison, Unihockey Fricktal, hat genau dieses Ziel in der abgelaufenen Saison erreicht: Der Zusammenschluss des UHC Fricktal Stein und Unihockey Kaiseraugst setzte sich in den Playouts gegen Lausanne durch und bleibt deshalb weiter oben.

Anders klingt es beim in der 1. Liga bestens etablierten Lok Reinach: «Wir wollen vorne mitspielen und peilen den Aufstieg an», sagt Sportchef André Huser. Aber ist das unter den aktuellen Umständen überhaupt möglich? Hat einer der Klubs aus dem Quartett der Kantonsbesten überhaupt das Potenzial um es in die NLB zu schaffen? «Ja», sagt Huser. «Für kommende Saison sieht es bei uns nicht schlecht aus. Mittelfristig wollen wir unbedingt wieder aufsteigen.»

Punktuelle Zusammenarbeiten sind ein Thema

Verständlich, dass die beiden Aufsteiger vor ihrer Premiere in der 1. Liga noch kleinere Brötchen backen. Ihr Fokus liegt auf dem Nachwuchs, den sowohl Aarau-Präsident Käser als auch Baden-Birmenstorf-Sportchef Aeschlimann als Basis ihres Erfolgs bezeichnen. Bevor sich die beiden Klubs um einen möglichen Aufstieg in die Nationalliga kümmern können, müssen sie infrastrukturelle Probleme lösen: Sowohl beim Team Aarau (zu wenig Hallenkapazitäten) als auch bei Baden-Birmenstorf (Exil wegen fehlender grossfeldtauglicher Halle) ist die Hallen-Situation nicht befriedigend.

Noch kein Thema sind derzeit Fusionen im Aargauer Unihockey-Kosmos. «Wenn man mit Top-Klubs konkurrieren will, dann muss man zusammenarbeiten. Ob es dafür gleich eine Fusion braucht, stelle ich infrage», sagt Aeschlimann. Team-Aarau-Präsident Käser will dort punktuelle Zusammenarbeiten mit anderen Klubs eingehen, «wo es Sinn macht».

Aargau United steckt in 2. Liga fest

Bereits fusioniert haben der UHC Bremgarten, der UHC Lenzburg und der Virtus Wohlen. Seit 2014 spielen die besten Spieler dieser drei Klubs im Dress von Aargau United. Trotz grosser Ambitionen steckt die Mannschaft weiterhin in der 2. Liga fest und musste in der abgelaufenen Saison zusehen, wie sie von Baden-Birmenstorf und Aarau rechts überholt wurde.

«Es fuchst uns schon, dass uns das nicht gelungen ist. Aber wir forcieren nichts. Wir wollen von unten wachsen», sagt Adrian Meyer, Präsident von Aargau United. Vielleicht habe man das bestehende Potenzial zum Zeitpunkt der Fusion überschätzt, weshalb man nun Geduld bei der gemäss Meyer «sehr positiven» Entwicklung des Nachwuchses benötige.

Fusionen sind künftig durchaus denkbar

Bei Lok Reinach sieht man die Fusions-Thematik sehr pragmatisch: «Wenn wir Aargauer Klubs in den kommenden drei, vier Jahren alle einfach in der 1. Liga vor uns hin dümpeln, dann muss man sich sicher wieder Gedanken über mögliche Fusionen machen», sagt Lok-Sportchef Huser.

Dass ein solches Projekt den Erfolg keineswegs garantiert zeigt aber neben Aargau United auch das Beispiel von Unihockey Mittelland. Der überkantonale Zusammenschluss von Olten und Zofingen schaffte den NLB-Ligaerhalt in der abgelaufenen Saison nicht und spielt in der kommenden Saison ebenfalls in der 1. Liga.