Leistungssport und Karriere
Viele Leistungssportler brauchen ein zweites finanzielles Standbein

Vom Sport zu leben gelingt in der Schweiz nur eine Minderheit der Athletinnen und Athleten. Selbst Olympiafahrer müssen daneben noch Geld verdienen. Swiss Olympic will helfen, dass Spitzensportler ihre Karriere auch im Beruf lancieren können.

Rainer Sommerhalder
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Zwei sportliche Banker: Curlerin Silvana Tirinzoni ist aktive Leistungssportlerin und Angestellte der Migrosbank, Rudolf Dellenbach ist Bankdirektor der AKB und ehemaliger Spitzensportler.

Zwei sportliche Banker: Curlerin Silvana Tirinzoni ist aktive Leistungssportlerin und Angestellte der Migrosbank, Rudolf Dellenbach ist Bankdirektor der AKB und ehemaliger Spitzensportler.

Alex Spichale

Die Rahmenbedingungen, um Leistungssport und Ausbildung zu kombinieren, sind in der Schweiz und im Aargau so gut wie noch nie. Dank Sportschulen und -klassen sowie leistungssportfreundlichen Lehrbetrieben hat jedes Talent die Chance, seinen Weg zum «Traumberuf» und zum sportlichen Olymp zu finden.

Doch irgendwann kommt der Moment, wo selbst Olympiateilnehmer Geld verdienen müssen. Und gerade unter den fünf olympischen Ringen finden sich viele Disziplinen, in denen eine Schweizer Athletin oder ein Schweizer Athlet trotz Erfolg nicht vom Ruhm allein leben kann.

Ein Projekt von Swiss Olympic

«Die meisten Schweizer Leistungssportler können nicht vom Sport allein leben», sagt auch die Aargauerin Karin Wunderlin-Rauber. Als Leiterin Athleten- und Karrieresupport bei Swiss Olympic weiss sie, wovon sie spricht. 60 Anfragen von Leistungssportlern zum Thema Karriereplanung hat ihr Team 2014 bereits bearbeitet. «Es ist ein ganz wichtiges Thema und eine ganz grosse Herausforderung», sagt sie. Denn auch Wunderlin-Rauber weiss: Beispiele wie von Bob-Anschieber Alex Baumann (siehe Text unten), bei denen die perfekte Symbiose zwischen Sport- und Berufskarriere gefunden wird, sind derzeit noch die Ausnahme. Selbst wenn Swiss Olympic seit zehn Jahren auf die Mithilfe des Stellenvermittlers Adecco zählen kann. Dort vermittelt Claudia Kaufmann in einem 40-Prozent-Pensum Jobs für Sportler.

Immer wieder mit Erfolg. Es seien häufig kleinere Firmen mit Bezug zum Athleten oder zur Sportart, die Hand bieten. Swiss Olympic erarbeitet zurzeit ein Projekt zum Thema «leistungssportfreundliche Arbeitgeber». Ziel ist es, ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen und zu versuchen, auch grosse Firmen dafür zu gewinnen. Denn Sportler sind überaus dankbare und interessante Arbeitnehmer. Sie bringen Fähigkeiten mit, welche auch in der Privatwirtschaft Gold wert sein können.

Eine Form von Sponsoring

Was es braucht, sind Flexibilität sowie spezielle Modelle – sowohl vonseiten Arbeitgeber, wie auch von den Athleten und Klubs. Letztere sollten die Firmen bei dieser Partnerschaft vermehrt als Sponsor ansehen und behandeln. «Unter Umständen kann ein solches Modell für den Sportler wertvoller sein als ein traditionelles Sponsoring», sagt Christian Koch, Leiter der Sektion Sport im BKS. «Lösungen wie diese stehen auch bei unseren Überlegungen im Zentrum», ergänzt Wunderlin-Rauber.

Thomas Kähr, CEO des NLA-Handballclubs HSC Suhr Aarau, kennt die Problematik, dass für neu engagierte Spieler berufliche Lösungen gefunden werden müssen. «Erst vor kurzem haben wir für einen ausländischen Spieler eine Teilzeitstelle in einer Schreinerei und für ein Schweizer Talent ein Praktikum in einer Apotheke gefunden», sagt Kähr. Häufig werde man bei Vereinssponsoren fündig. Er sagt auch, dass diese spezielle Sponsoring-Zusammenarbeit noch zu wenig systematisch betrieben wird. «Auch bei uns sehe ich noch Nachholbedarf.»

Offene Ohren in Aargauer Firmen

Doch wie sehen es potenzielle Arbeitgeber? Sowohl die Aargauische Kantonalbank wie auch die Mammut Sports Group AG engagieren sich bereits als leistungssportfreundlicher Lehrbetrieb. Rudolf Dellenbach, CEO der AKB, kennt als ehemaliger Spitzenruderer den Spagat zwischen sportlichen und beruflichen Zielen. «Als Arbeitgeber ist mir aber auch der Anspruch des Unternehmens bekannt, der nur ungern auf den vollen Einsatz eines leistungsstarken Mitarbeiters verzichtet», sagt Dellenbach. «Und gerade Spitzensportler verfügen in der Regel über enormen Durchhaltewillen und sehr viel Biss.» Die AKB würde bei sportlichen Ambitionen eines Mitarbeiters auf jeden Fall einen gemeinsamen Weg finden, sagt Dellenbach – «aus Überzeugung».

Mammut-CEO Rolf G. Schmid gibt zu bedenken, «dass die Führung solcher Mitarbeiter anspruchsvoll ist, weil die Planbarkeit oft schwierig ist. Auch lassen nicht alle Positionen eine Anstellung im Teilzeitpensum zu.» Der Lenzburger sieht aber auch die Chance, «dass ein Sportler seine Motivation in den Arbeitsalltag einbringt», deshalb stehe man Anfragen von Leistungssportlern positiv gegenüber.

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