Basketball
Vevey beschenkt Aarau mit Klopapier zum 20. Sieg in Folge

Vor 1000 Zuschauern in Vevey gewann Alte Kanti 83:79. Das Spitzenspiel der Nationalliga B hielt, was es versprach. Dejan Hohler gelangen 24 Punkte.

Yannick Ngarambe
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Klopapierrollen als Willkommensgeschenk (Foto von Yannick Ngarambe

Klopapierrollen als Willkommensgeschenk (Foto von Yannick Ngarambe

Yannick Ngarambe

Die Stimmung war bereits vor der Partie mit den Händen greifbar. Rund 1000 Zuschauer pilgerten in die legendäre ehemalige Markthalle, um den Spitzenkampf der NLB hautnah mitzuerleben. Und die Vevey-Fankurve liess die Aarauer gleich bei der Spielerpräsentation wissen, was für eine Atmosphäre sie erwarten würde. Gemeinsam mit der Ankündigung des letzten Spielers der Alten Kanti flogen auf einen Schlag an die einhundert Klopapierrollen aus dem Heimsektor, und deckten die angereisten Akteure buchstäblich ein.

Als es dann endlich losging, bekamen die Zuschauer einen Leckerbissen zu sehen. Die beiden Mannschaften kämpften verbissen und begegneten sich physisch wie mental absolut auf Augenhöhe. Entsprechend ausgeglichen gestaltete sich das Bild auf der Punktetafel, und bis zur Hälfte vermochte sich keine Mannschaft richtig abzussetzen.

Aaraus Trainer Milenko Tomic war stark gefordert, wollte er mit seinen Schützlingen den 20. Sieg in Folge einfahren. Spätestens zur Pause war nämlich allen klar, dass das wieder genesene Vevey in keinster Form demjenigen glich, welches vor dem Jahreswechsel noch mit rund 30 Punkten in der Telli verlor. Vor allem bestand der sechste Mann diesmal aus eintausend frenetischen Fans – ausgestattet mit Konfetti, Fahnenschwingern und nicht enden wollenden Sprechchören.

Nach Wiederanpfiff bot sich ein ähnliches Bild wie in den ersten 20 Minuten. Doch langsam begannen die entscheidenden Akteure das Spiel an sich zu reissen. Auf Seiten von Vevey war dies Domenico Marcario, der den Westschweizern im Hinspiel noch fehlte, der jedoch den Kern ihrer Mannschaft bildet. Für Aarau lenkte Dejan Hohler die Offensive souverän. Ausserdem blieb er durch seine Vielseitigkeit stets gefährlich und unberechenbar. Unterstützung fand er im aufblühenden Marco Lehmann, der den Grossteil seiner 18 Punkte in den letzten zwei Vierteln erzielte.

Fünf Minuten vor Spielende war die Spannung schliesslich auf ihrem Höhepunkt angelangt. Das Publikum sah einen Führungswechsel nach dem anderen und durchlebte emotional gleich mehrere Wechselbäder. Mit 40 Sekunden auf der Spieluhr und einem Punkt Rückstand hatte Vevey schliesslich die mögliche Führung in den eigenen Händen. Doch von da an lief bei den Gastgebern nicht mehr genügend zusammen. Sie vergaben in der Schlussminute insgesamt drei von vier zugesprochenen Freiwürfen. Dadurch kamen sie nicht mehr an die Aarauer heran, und Lehmann besiegelte ihr Schicksal im Gegenzug mit einem Dreier, der die Massen endgültig verstummen liess.

Vevey wirkte im entscheidenden Moment zu statisch und zeigte Nerven. Dies sind aus Aarauer Sicht durchaus erfreuliche Zeichen, die es in die Playoffs mitzunehmen gilt. Hohler war einmal mehr ein unverrückbarer Anker, defensiv wie offensiv, und Roman Albrecht findet unter den Brettern zunehmend zu seinem Spiel. Sollte es tatsächlich soweit kommen, dass sich die beiden besten Teams der Nationalliga B in den Finalspielen wiedersehen, ist für Hochspannung ebenso gesorgt wie für magische Momente.

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