Challenge League

Versagen in der heissen Zone: In Vaduz kassieren die Aarauer eine 1:5-Niederlage

In der 27. Runde der Challenge League verliert der FC Aarau auswärts gegen den FC Vaduz mit dem brutalen Ergebnis von 1:5. Wie auch in den bisherigen zwei Duellen in dieser Saison konnten die Liechtensteiner das Spiel für sich entscheiden. Optisch war der FCA in Vaduz besser – warum es trotzdem eine 1:5-Klatsche gab

1:5. Die höchste Niederlage in einer Saison, in der die einzige Konstante die Tiefschläge sind. Erneut ein Auswärtsspiel, von dem der FC Aarau mit leeren Händen zurückkehrt. Gründe genug, die Verursacher zu geisseln?

Nein. Wer dabei war, der weiss: Das klare Resultat deckt sich nicht vollends mit den Stärkeverhältnissen im Vaduzer Rheinpark-Stadion.

Die Fakten: Alle fünf Schüsse aufs Tor, welche die Liechtensteiner abgaben, landeten auch im Netz. Die Aarauer hatten fast genauso viele Grosschancen. Doch von ihren vier Torschüssen war nur einer erfolgreich, jener von Varol Tasar zum 1:2-Anschlusstreffer in der 58. Minute.

FC Vaduz-FC Aarau 5:1 – Stimmen zum Spiel

FC Vaduz-FC Aarau 5:1 – Stimmen zum Spiel

Interviews mit Captain Patrick Rossini und mit Cheftrainer Stephan Keller.

Aarau hatte ein bisschen weniger oft den Ball als Vaduz (45:55 Prozent), dafür mehr Eckbälle (6:5). Sowohl die Tore zum 1:0 und 2:0 (53. und 54.) als auch jene zum 3:1 und 4:1 (71. und 76.) fielen in kurzen Abständen – die Aarauer standen also nicht unter Dauerbeschuss der Vaduzer.

Natürlich ist der Sieg der Liechtensteiner verdient. Einen anderen Schluss lässt die Klarheit des Resultats nicht zu. Doch wie konnte es soweit kommen, wenn Vaduz optisch nicht einmal die spielbestimmende Mannschaft war? Einfach gesagt: Dort, wo ein ausgeglichenes Spiel entschieden wird, in der heissen Zone, versagten die Aarauer. Vor dem eigenen und vor dem gegnerischen Tor.

Viel zu einfach kamen die Vaduzer zu ihren Treffern, weil der FCA vor und im eigenen Strafraum Aggressivität, Cleverness, Zweikampf-Qualität und Souveränität vermissen liess. Kreierten sie selber einmal eine vielversprechende Situation vor dem gegnerischen Tor, hatten die Aarauer salopp gesagt plötzlich «die Hosen voll».

Interimscoach Stephan Keller sagte denn auch nach Spielschluss: «Vielleicht haben nicht alle so fest an ein Erfolgserlebnis geglaubt wie ich. Wir waren dort zu zahm, wo es im Fussball halt auch mal wehtun kann.»

Das ist die nette Ausdrucksweise. Aber sie bestätigt den Eindruck, den man von dieser Mannschaft seit Saisonbeginn hat: Sie ist zu lieb, sie scheut Widerstände. Da ist keiner, der vorangeht. Keiner, der ein Zeichen setzt in Form eines Fouls oder eines Machtworts.

In Charaktere investieren

An die nächste Saison haben die FCA-Verantwortlichen bereits hohe Ansprüche gestellt. Gemäss Präsident Alfred Schmid wolle man «vorne mitspielen», um der Bevölkerung die Notwendigkeit eines neuen Stadions auch auf diese Weise zu verdeutlichen.

Schmid sagte vor einigen Wochen zudem: «Wir werden die Reserven anzapfen, um die Mannschaft zu verbessern. Wir wollen Hochkaräter holen, die uns sofort helfen.» Die Partie in Vaduz hat einmal mehr deutlich gemacht: Die Verantwortlichen sind gut beraten, nicht nur in fussballerische Qualität, sondern auch in die richtigen Charaktere zu investieren.

Eine Mannschaft ohne emotionale Anführer hat noch nie etwas erreicht. Man darf gespannt sein, welche neuen Spieler Sportchef Sandro Burki für die wichtigste Saison der jüngeren Klubgeschichte präsentiert.

Zuvor jedoch wird Burki in der Trainerfrage die Katze aus dem Sack lassen. In dieser Woche läuft die Frist der Swiss Football League aus. Der FC Aarau muss bekannt geben, wie es weitergeht. Gemäss Recherchen wird frühestens am Mittwoch kommuniziert. Es würde nicht verwundern, wenn bald Patrick Rahmen als neuer FCA-Chefcoach vorgestellt wird.

Lesen Sie die Partie hier im Liveticker nach:

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