Anfang Monat kämpfte der FC Aarau ums Überleben. Alles andere als ein Sieg beim Vorletzten Chiasso hätte nichts Gutes verheissen im Abstiegskampf. Das war am 4. November, Aarau gewann in extremis mit 3:2.

26 Tage später betitelt der Autor einen Artikel über den FC Aarau mit den Worten «Endspiel um die Barrage». Und das mit vollem Ernst: Der FC Aarau kann in dieser Saison noch ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden. Tönt verrückt, ist verrückt. Wie ist das möglich?

Die Ausgangslage vor dem Heimspiel gegen Lausanne-Sport präsentiert sich so: Mit einem Sieg würde der FC Aarau den Abstand auf sechs Punkte verkleinern. Damit könnte er die Waadtländer, die sich mit ihrem 12-Millionen-Kader in der Rückrunde in den Top 3 der Tabelle einnisten werden, bis zum Saisonende aus eigener Kraft überholen. Die Tür zu Rang 2 und somit zu den Barrage-Spielen, der Auf-/Abstieg-Lotterie Ende Saison gegen den Zweitletzten der Super League, wäre plötzlich ein Spalt breit offen.

2019: Spektakel oder Tristesse

Nach den beiden Dominatoren FC Zürich (2016/17) und Xamax (2017/18) ist die Challenge League in dieser Saison extrem ausgeglichen. Normalerweise verdammt ein Saisonstart à la FC Aarau mit sechs Niederlagen in sechs Spielen zu ewigem Abstiegskampf. Nicht in dieser Saison: Nach 15 von 36 Spielen beträgt der Abstand zwischen dem Ersten (Servette) und Letzten (Chiasso) überschaubare 18 Punkte. Seit Gründung der Zehnerliga wars nur einmal noch enger: Im November 2015 lagen 13 Zähler zwischen Leader Lausanne und Schlusslicht Aarau.

Zur Erinnerung: Es war die Saison, an deren Ende der FC Aarau nach einer fulminanten Rückrunde den zweiten Tabellenplatz nur um vier Punkte verpasste. Warum sollte den Aarauern heuer nicht Ähnliches gelingen? Die Qualität im Kader für eine Aufholjagd ist zweifellos vorhanden.

FCA-Stürmer Stefan Maierhofer: «Über eine Vertragsverlängerung können wir reden»

FCA-Stürmer Stefan Maierhofer: «Über eine Vertragsverlängerung können wir reden»

DEr hat bei Bayern München und in der Premier League gespielt, 19 Länderspiele für Österreich bestritten und in seiner Heimat mehrere Meistertitel gewonnen. Das neuste Husarenstück von Stefan Maierhofer: Mit 36 Jahren schiesst er den FC Aarau aus dem Tabellenkeller. Im FCA-Talk vor dem Spiel gegen Lausanne verrät der 2,02-Meter-Mann sein Erfolgsrezept und warum ihn alle «Major» nennen.

Will der FCA in der Rückrunde den Barrageplatz angreifen, sind zwei Dinge alternativlos: ein Sieg am Sonntag gegen Lausanne. Und in den verbleibenden zwei Vorrundenpartien gegen Vaduz und in Kriens nochmals mindestens vier Punkte. Geht Aarau gegen Lausanne hingegen als Verlierer vom Platz, beträgt der Abstand wieder zwölf Punkte. Der zweite Platz wäre kein realistisches Ziel mehr. Die Konsequenz wäre: Eine einschläfernde Rückrunde wie in der vergangenen Saison, als Aarau im unbedeutenden Mittelfeld festklebte.

«Rechnen gibt keine Punkte»

Was sagt Cheftrainer Patrick Rahmen zu der brisanten Ausgangslage vor dem Lausanne-Spiel? «Jeder bei uns kann die Tabelle lesen. Aber mit Rechnen gewinnt man keine Punkte. Wir wollen gegen Lausanne ein weiteres Mal bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.» Demut, Aggressivität und Leidenschaft – das sind die Werte, mit denen Rahmen seine Mannschaft am Sonntag auf den Platz schickt. Und er wird penibel darauf achten, ob sich gewisse Spieler nach den letzten Erfolgen bereits wieder in den Lehnstuhl begeben. «Wir haben den Anschluss ans Mittelfeld geschafft, aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Mein Anspruch ist höher, auch wenn wir den schlechten Saisonstart bis zum Schluss spüren werden.» Aussprechen will es im Brügglifeld niemand, aber allen ist bewusst: Das Heimspiel gegen Lausanne ist gleichzeitig ein Endspiel um die Barrage. Mehr noch: ein Endspiel für einen attraktiven Rest der Saison und gegen einen Frühling mit sportlicher Bedeutungslosigkeit.

Nach vier Siegen in Serie hat das Team von Patrick Rahmen Rückenwind. Bleibt zu hoffen, dass gegen Lausanne daraus der Sturm auf die Barrage wird.