Urs Meier

Vermittlungsplattform gegen Personalmangel: Ex-Fifa-Schiri will den Amateursport revolutionieren

Urs Meier möchte mit seiner Vermittlungsplattform den Durchbruch schaffen.

Urs Meier möchte mit seiner Vermittlungsplattform den Durchbruch schaffen.

Seit Juni 2018 ist die Vermittlungsplattform «SportBird» von Urs Meier online. Obwohl die Idee hinter dem Angebot vielversprechend ist, kann sich der ehemalige Spitzenschiedsrichter mit der Entwicklung nicht zufrieden geben. Dies möchte er nun ändern.

Die Idee ist eigentlich simpel und genial zugleich: Man sucht möglichst schnell und effizient einen Partner, meldet sich dann auf der Plattform an, füllt sein Profil aus und schon werden einem passende Angebote aus der Umgebung vermittelt. 

Was sich wie eine Dating-Plattform anhört, ist eigentlich eine Webseite, um Schiedsrichter, Spieler, Trainer, Unterstützer und Vereine im Fussball zu vermitteln. Ins Leben gerufen wurde das Projekt vom ehemaligen Spitzenschiedsrichter Urs Meier. Gemeinsam mit vier Freunden aus der Region Birrhard gründete der 60-jährige Meier das Unternehmen SportBird GmbH. Seit Juni 2018 ist die Firma nun mit ihrer Plattform online. 

Eigentlich hört sich die Idee wie ein Selbstläufer an. Die richtigen Leute sollen die richtigen Vereine finden, gerade Klubs aus kleineren Gemeinden könnten durch ein solches Netzwerk enorm profitieren. 

Fehlender Bekanntheitsgrad

Und trotzdem drückt der Schuh: Der Bekanntheitsgrad der Website hält sich in Grenzen. Social-Media-Kanäle dümpeln trotz attraktiven Gewinnspielen vor sich her. Knapp eineinhalb Jahren nach der Lancierung von «Sportbird.ch» ist das Fazit ernüchternd: Registriert haben sich in der Schweiz gerade mal 46 Vereine und 56 Sportler. 

Prominente Unterstützung: Ex-Fussballprofi Mladen Petric macht Werbung für «SportBird».

«Wir sind überhaupt nicht zufrieden, die Seite wird ganz klar zu wenig genutzt», so Meier mit der knallharten Analyse. «Natürlich liegt das auch an uns, wir haben zu wenig Werbung gemacht und müssen jetzt handeln.»

Aller Anfang ist schwer, diese Phrase kennt auch der ehemalige Spielleiter. «So bald die User merken, dass die Seite lebt, dann registrieren sich auch mehr», erklärt Meier. «Man kann das vergleichen mit einem See ohne Fische, da geht kein Angler hin. Aber sobald da Fische sind, wollen alle ihre Angelrute auswerfen.» 

Das sieht auch Luigi Ponte so. «Ich kannte die Plattform bisher noch nicht, aber es gibt bestimmt Bedarf für dieses Angebot. Gerade im Aargau haben einige Vereine mit Trainer- und Schiedsrichtermangel zu kämpfen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese Plattform zur Lösung des Problems beitragen wird, aber sie muss auf jeden Fall noch bekannter werden», betont der Präsident des Aargauischen Fussballverbands. 

AFV-Präsident Luigi Ponte sieht Bedarf für das Angebot von «SportBird».

AFV-Präsident Luigi Ponte sieht Bedarf für das Angebot von «SportBird».

Expansion nach Deutschland 

Trotz bisher mässigem Erfolg in der Schweiz, geht die Vermittlungsplattform nun auch in Deutschland auf den Markt. «Das Potential für eine solche Plattform ist in Deutschland viel grösser, ausserdem hatten unsere Nachbaren in den letzten Jahren einen dramatischen Rückgang bei den Schiris, da muss man etwas dagegen machen», erklärt Meier.  

Gerade bei jungen, potentiellen Schiedsrichter könne die Plattform «SportBird» auch dazu beitragen, den finanziellen Anreiz der Schiedsrichterei aufzuzeigen, sagt der ehemalige Spielleiter.

Der FC Hausen am Albis sucht Schiedsrichter und bietet dabei auch einen finanziellen Anreiz.

Der FC Hausen am Albis sucht Schiedsrichter und bietet dabei auch einen finanziellen Anreiz.

Er hätte zwar immer wieder Diskussionen mit dem Schweizerischen Fussballverband gehabt, ob das nicht der falsche Ansatz sei: «Schlussendlich ist es egal wie die Leute zur Schiedsrichterei kommen. Wenn jemand wegen Geld Spielleiter wird und dann nach 2-3 Jahren merkt, dass es ein tolles Hobby ist, dann hat das Angebot seinen Zweck erfüllt.» 

Überhaupt war das Angebot von Schiedsrichter in der Schweiz der Antrieb für Meier, um mit der Plattform online zu gehen. «Seit 20 Jahren reden wir davon, dass wir die 5000er-Grenze an Schiedsrichter knacken wollen. Ich möchte mit dieser Plattform dazu beitragen, dass wir 5500 registrierte Spielleiter in der Schweiz erreichen.» Es seien hierzulande zwar nicht so drastische Zustände wie in Deutschland, aber man trete an Ort und Stelle, so der ehemalige Fifa-Schiedsrichter. 

SportBird will die Zahl an registrierten Schiedsrichter in der Schweiz steigern.

«Nur weil da Meier steht, ist das Projekt nicht erfolgreich»  

Um diesem Ziel nun Stück für Stück näher zu kommen, will Meier die Gespräche mit dem Verbänden aufnehmen und mehr in die Werbung investieren. «Nur weil da der Name Urs Meier steht, ist das Projekt nicht von alleine erfolgreich. Wir müssen mehr investieren», erklärt der Ex-Spielleiter. 

Urs Meier ist als TV-Experte eine bekannte Grösse — von seinem prominenten Namen konnte «SportBird» aber noch nicht profitieren.

Urs Meier ist als TV-Experte eine bekannte Grösse — von seinem prominenten Namen konnte «SportBird» aber noch nicht profitieren.

Dass Meier und sein Team nicht schon früher mit einer entsprechenden Werbe-Offensive gehandelt haben, liegt auch daran, dass sie die Plattform nur als Nebentätigkeit betreut haben.

Dementsprechend ist «SportBird» auch kostenlos und wird es vorerst auch bleiben. «Vielleicht werden Vereine in ein paar Jahren einen Beitrag zahlen müssen, aber bis dahin liegt noch viel Arbeit vor uns.» Für Spieler, Trainer und Unterstützer solle das Angebot ohne Kosten bleiben. 

Obwohl der Erfolg bisher noch ausblieb, hat Meier eine klare Vision für die Zukunft: «Ende 2020 wollen wir im gesamten deutschsprachigen Raum – auch Österreich – die bekannteste Adresse im Amateursport sein.» Er könne sich zudem in Zukunft vorstellen, das Angebot irgendwann auf den Bereich Kultur zu erweitern, betont der erfolgreichste Schweizer Schiedsrichter der Geschichte. 

Meistgesehen

Artboard 1