Challenge League

Verlieren verboten: Der FC Wohlen sucht in Chiasso wieder positive Gefühle

Wohlens Trainer Francesco Gabriele äussert sich überlegt vor der Partie gegen Chiasso.

Wohlens Trainer Francesco Gabriele äussert sich überlegt vor der Partie gegen Chiasso.

Challenge-League-Schlusslicht Wohlen gastiert heute beim punktgleichen FC Chiasso. Die Mission ist klar: den Anschluss an die Konkurrenz will auf keinen Fall verloren werden.

Eigentlich ist es eine bemerkenswerte Aussage, die Wohlen-Trainer Francesco Gabriele vor der Partie gegen Le Mont machte: «Vielleicht werden wir im Nachhinein sagen, dass ein Sieg gegen Le Mont oder Chiasso für uns besser gewesen wäre als einer gegen Neuenburg.» Nur gingen diese Worte unter. Weil diese magische Nacht von Neuenburg, dieses 4:1 gegen Xamax in jenem Augenblick noch zu präsent war.

Mit etwas Abstand aber wird klar: Gabriele ahnte bereits da, dass sich diese Mini-Euphorie bald als Fluch statt Segen entpuppen könnte. Vor allem, weil er damals noch anfügte: «Wenn wir gegen Le Mont und Chiasso siegen sollten, dann sind wir noch nicht durch. Ebenso sind wir noch nicht abgestiegen, sollten wir beide Spiele verlieren.» Das tönt nach vorgezogener Relativierung.

Gewiss lag Gabriele mit dieser Aussage nicht falsch, aber der 39-Jährige klammerte einen entscheidenden Faktor aus: den mentalen. Ist man als FC Wohlen nicht imstande, gegen zwei direkte Konkurrenten im Kampf um den Ligaerhalt zu punkten, dann schürt das die schon vorhandene Fragilität weiter. Heute, zehn Tage nach Gabrieles Aussagen, ist das positive Gefühl aus Neuenburg schon wieder weg.

Die Angst zu scheitern hingegen zurück. Gegen Le Mont nämlich gab es am vergangenen Samstag prompt eine 0:1-Niederlage. Weil der Wohler Fussball da nicht mehr dynamisch, nicht mehr vertikal, nicht mehr berauschend war. Er war vor allem eines: zäh. Und plötzlich sind statt der Zuversicht die Sorgen wieder grösser. Vor allem, weil die heutige Aufgabe einen wegweisenden Charakter hat. Als Schlusslicht gastiert Wohlen beim punktgleichen FC Chiasso.

Ein Team, das es hinter sich zu lassen gilt. Das betonen sie in Wohlen öfters. Gerade in dieser Zeit, als die Freiämter sieben Niederlagen in Serie zu verkraften hatten, kam es gerade recht, dass die Tessiner ebenfalls kriselten und die Aargauer sagen konnten: Hauptsache, wir sind vor Chiasso. Heute aber droht diese Mannschaft, von der Wohlens Zukunft in der Challenge League je länger, je mehr abzuhängen scheint, davonzuziehen.

Der FC Wohlen soll heute das machen, womit er sich seit Beginn dieser Saison schwertut: Eine deutliche Reaktion zeigen. Kassierten die Freiämter jeweils das erste Tor einer Partie, so ging diese in der aktuellen Saison stets verloren. Seit Gabriele den FC Wohlen trainiert, ist der Challenge-Ligist zwar weniger anfällig dafür, dass er nach Gegentoren zusammenbricht. Aber Gabriele vermochte es bisher nicht, diesem kollektiven Trauma so entgegenzuwirken, dass die Mannschaft in solchen Situationen doch noch Punkte mitnehmen konnte.

Die Auswärtsstärke von Wohlen

Vor allem deshalb steckt der FC Wohlen gegenwärtig im Schwitzkasten. Am Boden ist er zwar noch nicht, aber die Situation ist beklemmend. Sollte die Gabriele-Elf auch heute verlieren, dann läuft sie Gefahr, den Anschluss an die direkten Konkurrenten zu verlieren. Klar, da ist auch noch dieser angeschlagene FC Schaffhausen, der auch nur zehn Punkte hat. Aber was predigt Gabriele immer wieder: «Wir schauen nicht auf die anderen, wir wollen den Klassenerhalt aus eigener Kraft realisieren.»

Die Tatsache, dass Wohlen das viertbeste Auswärtsteam der Liga ist, macht Hoffnung. Neun ihrer zehn Punkte holten die Freiämter in der Fremde. Zudem hat Chiassos jüngster Aufschwung bereits wieder an Fahrt verloren.

Nach dem überraschenden 3:1-Triumph über Aarau, dem ersten Heimsieg in dieser Saison, verloren die Tessiner am Mittwochabend gegen Winterthur im Cup. Wie sich Chiasso nach dieser kräfteraubenden Woche präsentieren wird, ist eine Frage. Ob Wohlen mit der martialischen Gangart der Südschweizer zurechtkommen wird, eine andere. Der Wohlen-Trainer betont immer wieder, dass ihm nie etwas geschenkt wurde. Daran wird sich auch heute in Chiasso nichts ändern.

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