Fussball
Urs Bächer: «Ich habe mehr Unterstützung vom Verein erwartet»

Der 53-jährige Ex-Geschäftsführer des FC Wohlens spricht im Interview Klartext. Er habe die Mannschaft falsch zusammengestellt, habe ihm Wohlens Challenge-League-Chef René Meier vorgeworfen. Seine Entlassung war ihm Mitte Dezember mitgeteilt worden.

Ruedi Burkart
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Urs Bächer lässt sich nicht verbiegen: «Ich bin eben so, wie ich bin.»

Urs Bächer lässt sich nicht verbiegen: «Ich bin eben so, wie ich bin.»

Ruedi Burkart

Am 1. Juni 2013 trat Urs Bächer (53) bei seinem Stammklub FC Wohlen die neu geschaffene Stelle als vollamtlicher Geschäftsführer an. Nach einer sportlich katastrophalen ersten Saisonhälfte in der Challenge League sowie dem «Fall Wellington» wurde der Arbeitsvertrag mit Bächer auf den 31. Januar 2014 gekündigt.

Urs Bächer, ist der Fussball ein Drecksgeschäft?

Urs Bächer: Nein, das ist er sicher nicht. Aber natürlich funktioniert der Fussball anders als die Privatwirtschaft. Der Erfolg ist viel weniger gut planbar, es hängt alles von unzähligen Faktoren ab.

Zum Beispiel?

Tagesform der Spieler, Verletzungspech, Glück, Entscheide der Schiedsrichter. Oder auch nervige Journalisten (schmunzelt).

Verletzte hatte der FC Wohlen bisher reichlich zu beklagen. Ist dies der Hauptgrund dafür, dass das Team nie zu einem Lauf ansetzen konnte?

Aus meiner Sicht: Ja. Sehen Sie, wir hatten phasenweise elf Spieler in den Trainings, oder dann fuhren wir mit zwölf Gesunden ans Auswärtsspiel gegen Schaffhausen. Am Montag war jeweils schon klar, wer am kommenden Samstag spielen wird. Gesunde Konkurrenz sieht anders aus.

Mit der Konsequenz, dass Wohlen bei Halbzeit der Saison auf dem letzten Rang der Tabelle liegt.

Wissen Sie, im Vorstand wurde vor der Saison ein Konzept erarbeitet. Das hätte funktioniert. Doch man gab dem Ganzen zu wenig Zeit und hat dieses Konzept, welches wir zusammen erarbeiteten, verlassen. Jetzt ist eigentlich alles genau so wie in den letzten Jahren. Bei Halbzeit der Saison wurde nochmals Geld für neue Spieler eingeschossen. Jetzt steht plötzlich der kurzfristige Erfolg über diesem Konzept.

Dieses ursprüngliche Konzept sah vor...

...dass das Budget extrem heruntergefahren wird. Dass junge Spieler mit langfristigen Verträgen ausgestattet werden. Dass man wenn möglich Spieler aus der Region holt. Und vor allem, dass keine Transfers auf Leihbasis getätigt werden. Diese Vorgaben wurden meines Erachtens erfüllt.

Man wird den Verdacht nicht los, dass Sie das klassische Bauernopfer im «Fall Wellington» sind.

(überlegt und schmunzelt) Dieser Entscheid, mich zu entlassen, lässt natürlich Spielraum für Spekulationen.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie sich nach einem neuen Job umsehen müssen?

Am 17. Dezember morgens um 11 Uhr wurde mir die Kündigung überreicht.

Wie hat Vereinspräsiden Andy Wyder die Kündigung begründet?

Die Kündigung hat René Meier (Wohlens Chef Challenge League, Anm. d. Red.) begründet. Und zwar folgendermassen: Falsche Mannschaftszusammenstellung und noch zwei, drei andere Sachen... (zögert) aber das gehört nicht in die Zeitung. Und dann natürlich auch noch der «Fall Wellington».

Vielen Sponsoren soll auch ein Dorn im Auge gewesen sein, dass Sie sich auf der Tribüne immer wieder lautstark aufgeregt haben.

Ich bin, wie ich bin. Fertig und Schluss! Das ist mein Charakter, mein Herzblut für diesen Verein. So bin ich schon immer gewesen. Wer mich kennt weiss das. Und das lasse ich mir auch von niemandem verbieten.

Nach Ende des Presseboykotts sagte René Meier in einem Interview mit der Aargauer Zeitung unter anderem wörtlich: «Ich werfe mir einzig vor, dass Andreas Wyder und ich uns entlasten wollten und deshalb mit Urs Bächer einen hauptamtlichen Geschäftsführer eingestellt haben.» Das muss für Sie wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein.

Natürlich war es das.

Das Interview erschien am 12. Dezember, also fünf Tage bevor Sie die Kündigung erhielten.

Sehen Sie, ganz dämlich bin ich ja nicht. Und als ich das gelesen habe, war für mich der Fall klar. Grossen Spielraum für Interpretationen lassen diese Worte eigentlich nicht.

Fühlen Sie sich verraten?

Sagen wir es so: Ich hätte mir von jenen Leuten im Verein, die seit Jahren im Profifussball zu tun haben...

...Andy Wyder und René Meier...

...mehr Unterstützung erwartet. So wie es ursprünglich auch abgemacht gewesen war. Dass ich im Profibereich keine Erfahrung hatte, das war ja bekannt. Und dann muss ich Sachen hören wie: «Wir haben das jetzt elf Jahre lang gemacht und nie so schlechte Spieler geholt, wie das diese Saison geschehen ist.»

Ihnen müssen die Augen tränen. Kaum hat man Ihnen gekündigt, stehen mit Daniele Romano und Joel Geissmann zwei Spieler im Team, die bis Saisonende ausgeliehen wurden.

Und das ist für das Team wunderbar. Romano war übrigens im September bereits ein Thema bei uns. Aber Aarau wollte ihn damals noch nicht abgeben und ich bin davon ausgegangen, dass er gar nicht zu uns zurück kommen wollte. Aber das ist jetzt ja nicht mehr von Belang.

Wie geht es bei Ihnen weiter? Bis Ende Januar erhalten Sie noch Lohn vom FC Wohlen. Und dann?

Tja, das werden wir sehen. Wo eine Tür zu geht, geht eine andere auf.