Gross war der Sturm der Entrüstung, nachdem im Aargauer 1.-Liga-Derby ein Baden-Fan Muris Torhüter Reto Felder in die Trinkflasche urinierte. Europaweit fand der unappetitliche Skandal den Weg in die Gazetten. Der Vorstand des FC Baden reagiert schnell und kündigte an, hart durchzugreifen.

Knapp einen Monat nach der Pinkel-Affäre scheinen die ersten Massnahmen durchgesetzt worden zu sein. Nach grosser Ankündigung blieb die grosse Verkündung seitens des FCB-Vorstandes zwar aus, doch die betroffene Fan-Gruppierung verzichtete aus Protest am vergangenen Wochenende darauf, die Mannschaft im Spitzenspiel gegen Mendrisio von der gewohnten Tribüne aus zu unterstützen. Stattdessen organisierten die Betroffenen vor dem Stadion einen kleinen Grill-Plausch.

Auf Anfrage wurde diese Aktion weder vom Vorstand noch von den Fans selber kommentiert. Thomi Bräm, Präsident des 1.-Liga-Spitzenreiters, wollte auch über keine der getroffenen Sanktionen Auskunft geben. Allgemein scheint ein Staatsgeheimnis aus den Massnahmen gemacht zu werden – denn auch der ehemalige Fan-Beauftragte Stefan Brand wusste offiziell weder von einem Protest noch von irgendwelchen Beschlüssen, wie die «problematische» Gruppierung gemassregelt werden soll.

So berichtete Tele M1 über die Urin-Affäre: 

Urin-Skandal beim FC Baden.

Urin-Skandal beim FC Baden.

Dabei ist aus dem Vereinsumfeld zu vernehmen, dass der Spitzenspiel-Boykott als Reaktion auf solche Beschlüsse durchgeführt würde. Konkreter soll den Spielern verboten worden sein, sich nach den Spielen bei ihren Fans in der Kurve zu bedanken. Es ist sogar die Rede von einer Geldstrafe bis zu 5000 Franken. Dazu wurde die Präsenz von Sicherheitsleuten drastisch erhöht – wer die daraus entstehenden Mehrkosten jedoch berappen soll, ist nicht überliefert.

Darüber hinaus bestätigen Insider, die nicht genannt werden wollen, dass allen Vereinsmitgliedern verboten wurde, sich im selben Stadionsektor wie die Problemfans aufzuhalten. Das Ziel des Vorstandes sei, diese Gruppierung zu schwächen, wie es weiter heisst.

Noch vor wenigen Wochen schien das für lange Zeit angespannte Verhältnis der Ultra-Fans zur Vereinsführung angenehmer zu werden. Einige FCB-Anhänger präsentierten sogar Ideen, wie das Budget der 1. Mannschaft aufgestockt werden könnte.

Seit dem skandalösen Vorfall vom 13. September hat diese Beziehung einen erneuten Dämpfer erlitten, die Gespräche wurden sofort gestoppt und nicht wieder aufgenommen. Es herrscht Eiszeit zwischen den beiden Parteien. So wurden die Ultras auch nicht über ihre Bestrafung offiziell in Kenntnis gesetzt.

Ob weitere Protestaktionen folgen werden, bleibt zwar noch offen, es ist aber davon auszugehen. Sicher scheint jedoch, dass das Vertrauensverhältnis beidseitig zutiefst erschüttert ist.