1. Liga
Urin-Skandal beim FC Baden: «Du hast dich angesteckt, du hast Aids!»

«Absolut verwerflich» findet der Präsident des Aargauer Fussballverband, was beim 1. Liga-Spiel Baden gegen Muri passiert ist: Ein Badener Fan hat in die Trinkflasche des Gästegoalies uriniert. Dieser merkte es zu spät. Der Vorfall hat Folgen.

Daniel Weissenbrunner
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Fans urinierten in seine Trinkflasche: Reto Felder, Goalie von Muri.

Fans urinierten in seine Trinkflasche: Reto Felder, Goalie von Muri.

Tele M1

Für die Gäste aus Muri endet die 1.-Liga-Partie beim FC Baden in jeder Beziehung bitter. Zuerst pfeift der Schiedsrichter in der Nachspielzeit beim Stand von 2:2 einen «Schwalben»-Penalty gegen sie - die Partie endet prompt 3:2 für Baden.

Diskussionsthema Nummer 1 war indes nicht die unglückliche Niederlage, sondern ein Zwischenfall mit einem unappetitlichen Beigeschmack. Gemeint ist jene Szene in der zweiten Halbzeit, die noch ein Nachspiel haben wird. Ein Badener Anhänger sprang mehr oder weniger unbemerkt hinter das Tor von Reto Felder, dem Torhüter des FC Muri. Er schnappte sich Felders Trinkflasche, schüttete diese aus und urinierte hinein. Felder bemerkte es erst, als er einen Schluck zu sich nahm. Muri-Trainer Beat Hubeli rang hinterher nach Worten. «Dieses Verhalten ist eine neue Form der Geschmacklosigkeit.»

«Du hast dich angesteckt, du hast Aids»

Gegenüber Tele M1 sagt Urin-Opfer Reto Felder, wie er den Vorfall erlebt hat: «Ich habe getrunken und gemerkt, da ist etwas nicht gut. Warm, komisch - das ist Urin.» Dann hätten die Badener Fans geschrien: «Du hast dich angesteckt! Achtung, du hast Aids!» Sowas habe er noch nie erlebt, sagt Felder. «Das ist unterste Schublade.»

Der FC Muri will den Vorfall damit nicht beruhen lassen. Vereinspräsident Jörg Weiss wird einen Brief an den FC Baden und den Verband schicken. «Wir legen keinen Protest gegen die Spielwertung ein. Wir wollen aber, dass man nach solchen Zwischenfällen nicht einfach zur Tagesordnung übergeht».

Dem FC Baden ist die Angelegenheit höchst unangenehm. Thomi Bräm, der selber nicht am Spiel anwesend war, kündigt ein hartes Durchgreifen an. Der Klubpräsident war gestern daran, die internen Videoaufzeichnungen auszuwerten. Noch gelte die Unschuldsvermutung, ergänzt er. «Sollte sich der Vorfall aber als wahr erweisen, wird es Konsequenzen geben.»

«Lausbubenstreich» oder «absolut verwerflich»?

Als «schwerwiegenden Akt» wollte Thomi Bräm den Vorfall aber am Sonntag nicht verstanden wissen. Gegenüber Tele M1 sagte er, das sei «eher in der Kategorie Lausbubenstreich». Hans Aemisegger, Präsident Aargauischer Fussballverband, sieht das anders: «Das gehe über einen Laububenstreich hinaus. Das ist absolut verwerflich und mit unserem Fairplay-Gedanken nicht vereinbar.»

Goalie Reto Felder will nach dem unfreiwilligen Trinken von Urin zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen.

Überschwänglicher Badener Jubel nach dem 3:2 in der Nachspielzeit.
10 Bilder
Sieg und 47. Geburtstag: Doppelte Freude bei Baden-Trainer Gabor Gerstenmaier
"Urin-Opfer" Reto Felder (im Tor) und Badens Torschütze Goran Antic.
Jubel bei Geburtstags-Kind Gabor Gerstenmaier (r.).
Badens Marvin Spielmann mit einem Kabinett-Stückchen.
Auch nach dem Spiel im Fokus: Muri-Schlussmann Reto Felder.
Muris Shqiprim Taqaj (r.) trifft ins Tor.
Hitziges Aargauer Derby.
Mavin Spielmann (links) im Zweikampf mit Muri-Captain Tobias Müller.
Luiyi Lugo versucht den Ball an Reto Felder vorbeizustochern.

Überschwänglicher Badener Jubel nach dem 3:2 in der Nachspielzeit.

Otto Lüscher