Curling
Ungewisse Zukunft: Baden Regio verliert Platz in der League A

Jahrelang war Baden Regio eine Top-Adresse im Schweizer Curling. Doch ab der nächsten Saison wird Baden Regio nicht mehr in der Swiss League A vertreten sein.

Andreas Fretz
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Thomas Lips: «Ein Team Baden Regio mit mir als Skip wird es nicht geben.» KEYSTONE

Thomas Lips: «Ein Team Baden Regio mit mir als Skip wird es nicht geben.» KEYSTONE

Wie konnte es soweit kommen? Bereits 2009 verabschiedeten sich die Frauen um Skip Manuela Kormann vom Spitzensport. Aufwand und Ertrag standen in keinem Verhältnis. Noch blieb die Männerequipe. Diese zeigte in der letzten Saison allerdings schon früh Auflösungserscheinungen. Im Oktober sprang, nachdem die Qualifikation für die Heim-EM verpasst wurde, Simon Strübin wegen Motivationsproblemen ab. Danach kams zum Super-GAU. Baden verzichtete im Februar 2011 auf die Teilnahme an der Finalrunde. Begründung: personeller Engpass. Schlüsselspieler Toni Müller konnte und wollte aus beruflichen Gründen nicht antreten.

Das Exekutivkomitee der Liga verdonnerte Baden zur Teilnahme an der Auf-/Abstiegsrunde. Doch das Team um Skip Lips nahm nicht teil. Die Badener beharrten auf dem Standpunkt, man habe sich sportlich für die Finalrunde qualifiziert und demnach nichts in der Auf-/Abstiegsrunde verloren. Das Team zog sich quasi stillschweigend aus dem Meisterschaftsbetrieb zurück. Damit war auch der Platz in der League A verloren.

«Für das, was wir in der letzten Saison erlebt haben, gibt es im Reglement keinen Paragraphen», sagt Baden-Präsident Manfred Item. Die Entwicklung sei nicht vorhersehbar gewesen. Den teuren Rechtsweg wollte man nicht beschreiten. «Natürlich bedauern wir, dass wir nun keinen Platz mehr in der League A haben», sagt Item.

Toni Müller wechselt zu GC

Nun stellt sich die Frage, ob nächste Saison überhaupt noch ein Team für Baden spielt. Wie letzte Woche bekannt wurde, wechselt Toni Müller zu Aufsteiger GC. Und Thomas Lips sagt: «Ein Team Baden mit mir als Skip wird es nicht geben.» Der 41-jährige Banker will kürzer treten, sich auf Mixed-Bewerbe und aufs Coaching konzentrieren und wenn nötig als Ersatz für den in der Polizeischule engagierten Toni Müller bei GC einspringen.

Wie genau es in Baden weitergeht, ist unklar. «Am Montag gibt es eine Vorstandssitzung zu diesem Thema», sagt Item. Vielleicht wird es ein Team aus eigenen Vereinsmitgliedern geben. Die letzte Mannschaft spielte zwar auf dem Papier für Baden, die Akteure stammten jedoch aus den unterschiedlichsten Regionen und hatten kaum eine Bindung zum Verein. Das ist im Curling nicht ungewöhnlich, sondern die Regel.

Sollte Baden Regio wider alle Erwartungen eine schlagkräftige Equipe stellen, könnte diese gar um den Schweizer Meistertitel spielen. Grund dafür ist eine Modusänderung, die ab der kommenden Saison in Kraft tritt. Zuerst werden regionale und interregionale Ausscheidungen durchgeführt, bei denen auch neu gemeldete Teams mittun dürfen. Die sechs besten dieser Teams gesellen sich ab Januar zu den zehn Teams der Swiss League A und spielen dann um den Titel. Im Klartext: Eine neu formierte Truppe kann bereits in ihrer ersten Saison Schweizer Meister werden. Da bliebe tatsächlich kein Stein auf dem anderen...