HSC Suhr Aarau

Unerschütterlicher Glaube an die Rückkehr bei Pramuk

Martin Pramuk hat den Humor und den Glauben an seine Rückkehr nicht verloren. Er will nochmals einen neuen Anlauf nehmen.

Martin Pramuk hat den Humor und den Glauben an seine Rückkehr nicht verloren. Er will nochmals einen neuen Anlauf nehmen.

Martin Pramuk, Torhüter von Suhr Aarau, nimmt nach seiner Kopfverletzung einen neuen Anlauf. Nachdem ihn mehrere Gehirnerschütterungen ausser Gefecht gesetzt haben, arbeitet Pramuk an seinem Comeback. Ob und wann er wieder spielen kann, ist unklar.

Am Donnerstagabend stellte sich Martin Pramuk erstmals seit dem Spiel Mitte Oktober gegen Stäfa wieder ins Tor. Er hat dabei zwar lediglich Schaumstoffbälle abgewehrt, doch die Vorfreude war ihm beim Interviewtermin wenige Stunden davor deutlich anzusehen. „Ich will so schnell wie möglich wieder spielen“, sagt er.
Dass der 38-jährige Slowake wieder ans Handballspielen denken kann, ist nicht selbstverständlich. Viele glaubten nicht mehr an eine Rückkehr des routinierten Torhüters. Selbst HSC-Coach Guido Frei gab kurz vor Weihnachten in einem Interview mit der „Aargauer Zeitung“ zu Protokoll, dass Pramuk wohl nicht mehr zurückkehren werde. Den Vertrag mit seinem Ersatz Tomislav Stojkovic haben die Suhrer vorsorglich bis Ende Saison verlängert. Inzwischen hat Sportchef Martin Suter aufgrund der Entwicklung die Aussage von Frei jedoch relativiert. Man gehe davon aus, dass Pramuk voraussichtlich in dieser Saison nicht mehr spielen werde. Doch wie kam es zu diesen ursprünglich sehr negativen Prognosen?

"Deswegen hat mich der Ball voll erwischt"

Rückblende: Im März 2014, Pramuk spielte damals noch für Pfadi Winterthur, wurde er innerhalb einer Woche gleich drei Mal am Kopf getroffen. Die Folge war eine starke Gehirnerschütterung, die Pramuk zu einer rund zweimonatigen Pause zwang. Im Sommer folgte der Wechsel zu Suhr, wo er die Vorbereitungen ohne Probleme absolvierte. Doch bereits im zweiten Spiel gegen Schaffhausen kassierte er aus kurzer Distanz einen Kopftreffer. „Der Wurf kam, nachdem das Spiel wegen eines Fouls bereits unterbrochen war. Deswegen hat mich der Ball voll erwischt“, so Pramuk. Daraufhin pausierte er eine Woche und stellte sich dann – obwohl er die Nachwehen der Gehirnerschütterung noch spürte – wieder zwischen die Pfosten.

Kurz vor dem wichtigen Spiel gegen Stäfa kassierte er im Training erneut einen Kopftreffer. Erneut aus kurzer Distanz und erneut auf der rechten Seite. Obwohl er den Kopf kaum noch drehen konnte und unter starken Kopfschmerzen litt, spielte der Slowake mit Schmerzmitteln. Allerdings nur kurz. „Ich musste mich auswechseln lassen, es ging überhaupt nicht. Ich konnte den Ball kaum mehr fokussieren und hatte grosse Schmerzen.“ Die nachfolgenden Untersuchungen ergaben bei Pramuk aufgrund der vielen Kopftreffer eine schwere Hirn- und Gleichgewichtszentrumserschütterung mit einem Schleudertrauma.

"Jetzt will ich unbedingt zurück"

So unheilvoll die Diagnose klingt, so gravierend waren die Symptome: Neben starken Kopfschmerzen und Schwindel hatte Martin Pramuk Mühe, Gesichter zu erkennen, und auch sein Kurzzeitgedächtnis war betroffen. „Meine Frau rief mich an und bat mich, etwas Kleines zu erledigen. Eine Minute später hatte ich es bereits wieder vergessen.“ Pramuk, der empfindlich auf Licht und laute Geräusche reagierte, blieb drei Wochen zu Hause. „Das war eine sehr schwierige Phase, in der ich auch kurz daran gedacht habe, mit dem Handball aufzuhören. Aber nur kurz. Jetzt will ich unbedingt zurück“, hält Pramuk fest. Und was sagte seine Frau, mit der er eine Tochter hat, zu seinem Entschluss? „Sie meinte, ich sei erwachsen genug, um diese Entscheidung zu treffen.“

Und so begann Martin Pramuk an seinem Comeback zu arbeiten. Physiotherapie, Besuche beim Chiropraktiker und in der Schwindelklinik, sowie erste Versuche mit Joggen und Velofahren standen an. Anfänglich waren die Fortschritte nur sehr klein. Auch die Tests in der Schwindelklinik gaben wenig Anlass zur Hoffnung. „Bei einem Test war ich so schlecht, dass ich zu den letzten vier Prozent gehörte, die diesen Test je dort absolviert haben“, erzählt Pramuk.

Unglaubliches Pech und trotzdem optimistisch

Doch davon liess er sich nicht entmutigen. Er glaubte weiter an seine Rückkehr – und wurde belohnt. Seit drei Wochen bestreitet er den Alltag und seine individuellen Trainings ohne Schmerzmittel. Noch immer plagen ihn leichte Kopfschmerzen und Schwindel, doch Pramuk, dessen Vertrag beim HSC noch bis Mai 2017 läuft, ist guter Dinge, dass er wieder für die Suhrer auflaufen wird – obwohl die Ärzte nicht sagen können, ob und wann es soweit sein wird.

Hat er Angst vor der Rückkehr ins Tor? „Nein“, sagt Martin Pramuk. „In 23 Jahren kassierte ich zuvor nur zwei oder drei Kopftreffer. Es war unglaubliches Pech, dass ich letztes Jahr so oft getroffen wurde. Ich glaube fest daran, dass mir dies nicht mehr passieren wird.“

Meistgesehen

Artboard 1