Es sind 35 Minuten gespielt. Und aus Wohler Sicht weiss man nicht so recht, was fühlen, was denken: Enttäuschung? Wut? Verachtung? Oder gar Mitleid? Erst 35 Minuten sind gespielt – und schon wieder ist die Mannschaft des FC Wohlen am Boden. 0:3 steht es zu diesem Zeitpunkt – völlig verdient liegen die Gäste aus Aarau klar in Front. Sie müssen sich vorkommen wie im Training, so einfach kamen sie zu den Toren durch Rossini, Ciarrocchi und Tréand. Das Heimteam leistete bei den Gegentreffern keinen Widerstand, bot den Aarauern höchstens Geleitschutz.

Unverständnis ist vielleicht das Wort, das es am besten trifft. Unverständnis, dass auch im dritten Spiel unter Trainer Francesco Gabriele keine Fortschritte zu erkennen sind. Unverständnis aber auch darüber, dass Wohlen mit viel Elan und guten Spielzügen ins 13. Aargauer Derby startete, daraus aber keinen Profit schlug. Stattdessen: Der Einbruch nach dem ersten Gegentreffer. Ab der neunten Minute lief beim Gabriele-Team bis zur Pause nichts, aber auch gar nichts mehr zusammen.

Der Chefcoach, der sich immer mehr als Dauerverlierer statt als Heilsbringer herausstellt, sagte vor dem Spiel und nach den zwei Niederlagen gegen Servette und Chiasso: «Nach jedem Gewitter scheint die Sonne. Darauf vertraue ich.» Doch über dem Stadion Niedermatten sind gestern noch dunklere Wolken als zuvor aufgezogen.

Gabriele weiterhin ohne Sieg

Derzeit sieht es so aus, dass aus dem Gewitter bald ein Hagelsturm werden könnte. Die Mannschaft macht einen komplett verunsicherten und orientierungslosen Eindruck. Im Nachhinein muss man festhalten: Der Abgang von Martin Rueda zum FC Wil war weit schlimmer als anfangs befürchtet. Damals meinte man in Wohlen, den Negativtrend elegant gestoppt zu haben. Weit gefehlt!

Gabriele griff für das Duell gegen den Erzrivalen in die Trickkiste: Der 39-Jährige wollte die Aarauer Offensivkünstler mit einer verstärkten Abwehr stoppen: Statt vier verteidigten gestern fünf Wohler. Gebracht hat es nichts. Nach dem 1:6 in Genf und dem 0:1 im Cup gegen eine B-Auswahl von Chiasso lieferte der FC Wohlen die dritte Bankrotterklärung in der Ära Gabriele ab.

Nochmals zum Unverständnis: Dieses wurde in der zweiten Halbzeit noch grösser. Warum? Wohlen war plötzlich agil, stabil und kam zu Chancen. Eine nutzte Stahel zum 1:3, Muslin und Minkwitz vergaben weitere Hochkaräter. Wer weiss, was nach einem allfälligen Anschlusstreffer zum 2:3 noch passiert wäre? Aber vielmehr stellt sich aus Wohler Sicht die Frage: Warum erst in der zweiten Halbzeit?

Aus Wohler Sicht hat die erneute Derbyniederlage dennoch etwas Gutes. Wie sagte Captain Alain Schultz doch vor dem Spiel? «Ich werde solange für Wohlen spielen, bis ich ein Derby gegen Aarau gewonnen habe.» Nach dem 1:4 deutet rein gar nichts darauf hin, dass dies bald passieren wird. Gut für Wohlen: Denn Schultz war auch gestern Abend der einzige Profi im Kader, der sich das Prädikat «genügend» verdiente. Und der das letzte Fünkchen Hoffnung versprühte: Hoffnung, dass die Saison nicht im totalen Fiasko, im Abstieg endet.

Telegramm

Wohlen - Aarau 1:4 (0:3)

Niedermatten. – 2140 Zuschauer. – SR Erlachner. – Tore: 9. Rossini 0:1. 18. Ciarrocchi 0:2. 35. Tréand 0:3. 53. Stahel 1:3. 76. Garat 1:4.

Wohlen: Kiassumbua; Giampà, Stahel, Loosli, Hajrovic, Kleiner (57. Foschini); Muslin, Castroman, Minkwitz (70. Dangubic); Schultz; Lotti (83. Abegglen).

Aarau: Bucchi; Thaler, Besle, Garat, Martignoni; Jäckle, Burki; Ciarrocchi, Josipovic (73. Perrier), Tréand (46. Audino); Rossini (83. Wüthrich).

Bemerkungen: Wohlen ohne Bicvic, Kamber und Pacar. Aarau ohne Markaj, Peralta, Romano und Thrier (alle verletzt). – Verwarnungen: Castroman (Foul). 63. Stahel (Foul). 68. Muslin (Reklamieren).

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker:

Liveticker: Challenge League, FC Wohlen - FC Aarau