Challenge League

Und dann kam Tasar: Wohin führt der Weg des FC Aarau?

Siegtorschütze Varol Tasar (rechts) freut sich zusammen mit seinen Teamkollegen über den Sprung auf den Barrage-Platz.

Der 22-jährige Flügelstürmer schiesst den FC Aarau zum 2:1-Auswärtssieg gegen Schaffhausen – wird er nach dem Servette-Aufstieg zum Doppelaufsteiger?

Es ist einer der genialen Augenblicke von Varol Tasar. Es ist der Moment, der alles entscheidet. Der Geniestreich, der so typisch ist für Tasar. Typisch, weil seine Geniestreiche meistens aus dem Nichts kommen. Die Gala von Tasar in der 79. Minute dauert fünf Sekunden. Nur fünf Sekunden.

Aber in dieser Zeitspanne wird der Spielverlauf auf den Kopf gestellt. Der 22-jährige Deutsche sprintet von der Mittellinie in Richtung Strafraumgrenze, schüttelt vier Schaffhauser ab und schlenzt den Ball mit dem linken Fuss in die entfernte Torecke.

Challenge League 18/19 Runde 33: FC Schaffhausen - FC Aarau 11.5.19 - 2:1 für FC Aarau von Varol Tasar (Assist: Gianluca Frontino)

Challenge League 18/19 Runde 33: FC Schaffhausen - FC Aarau 11.5.19 - 2:1 für FC Aarau von Varol Tasar (Assist: Gianluca Frontino)

Es ist der Schuss ins Glück. Mit dem elften Saisontor schiesst Tasar den FC Aarau auf den Barrage-Platz. Er ist wieder einmal der Matchwinner und hat doppelten Grund zum Feiern: Sein neuer Verein Servette macht am Freitag mit einem 3:1-Sieg gegen Lausanne den Aufstieg in die Super League perfekt. Und am Samstag sorgt Tasar mit einem feinen Solo und einem herrlichen Abschluss dafür, dass der FC Aarau weiterhin vom Sprung in die höchste Spielklasse träumen darf.Das Glück ist zurückgekehrt 

Vielleicht kann sich Tasar Anfang Juni sogar als Doppelaufsteiger feiern lassen. Bis jetzt hat das Märchen mit seiner Person in der Hauptrolle nur ein Kapitel. Klar ist nämlich, dass der junge Mann mit dem grossen Talent mit Servette in der nächsten Saison in der Super League spielen wird. Aber wer weiss?

Vielleicht schreibt dieses Märchen mit Tasar als kleiner Prinz noch ein zweites Kapitel mit dem Titel «Der Doppelaufstieg mit Servette und Aarau». Gemach, gemach: Nach dem 2:1-Sieg in Schaffhausen ist der FCA zwar auf Barrage-Kurs, aber so richtig überzeugen konnte die Mannschaft gegen die Nordostschweizer nicht. Bei aller Freude, bei aller Euphorie rund um die Aufholjäger muss man eines in aller Deutlichkeit feststellen: Nach den Pleiten, dem Pech und den Pannen zu Beginn der Saison ist das Glück zurückgekehrt.   

Die Bilder vom Sieg in Schaffhausen:

«Der Glaube an den Erfolg war immer da»

Der FC Aarau eilt also von Sieg zu Sieg – und die Fussballgötter stehen seit Wochen tüchtig Pate. Um es salopp zu formulieren: Die Aarauer treffen ins Tor, die Gegner schiessen an den Pfosten. Schaffhausens Miguel Castroman traf Mitte der zweiten Halbzeit gleich zweimal die Torumrandung. Aber ausgerechnet als der Druck auf das Tor von Djordje Nikolic immer grösser wurde, schlug Tasar zu.

Erster Versuch: Das Interview mit Varol Tasar wird unterbrochen, als ihn seine Teamkollegen vom Mikrofon wegzerren

Im Video: Aarau-Matchwinner Varol Tasar muss Interview abbrechen, weil die FCA-Fans rufen

Der Mann der Stunde wollte trotzdem nichts von einem glücklichen Sieg wissen: «Wir haben die Startphase dominiert und hätten vor der Pause höher als 1:0 führen müssen», sagt Tasar. «Die zweite Halbzeit war nicht mehr so gut. Aber der Glaube an den Erfolg war immer da. Wir haben gekämpft, sind als Einheit aufgetreten und wurden schliesslich belohnt. So kann es weitergehen.»

Zweiter Versuch: Varol Tasar im Interview nach seinem Traumtor, das den FC Aarau auf den Barrageplatz hievt

Zweiter Versuch: Varol Tasar im Interview nach seinem Traumtor, das den FC Aarau auf den Barrageplatz hievt

Für Patrick Rahmen ist die Solidarität innerhalb der Mannschaft der Hauptgrund für die Erfolge der vergangenen Wochen: «Die Spieler haben ein Ziel», sagt der Trainer des FC Aarau. «Sie sind bereit, für dieses Ziel hart zu arbeiten. Das zahlt sich aus.»

Jonglieren mit Zahlen

Was passiert nun im Schlussspurt der aus Sicht des FC Aarau so verrückten Saison? Es beginnen die Rechenspiele: Nun wird nicht nur mit dem Ball, sondern auch mit Zahlen jongliert. Nach elf Runden hatte der FC Aarau gerade mal vier Punkte.

Die rote Laterne leuchtete hell über dem Brügglifeld. Nach der fulminanten Aufholjagd mit dem Gewinn von 53 Punkten aus 22 Spielen sind die Aarauer drei Runden vor der Abrechnung auf dem Barrage-Platz. Von 22 Spielen hat die Mannschaft 16 gewonnen, fünfmal unentschieden gespielt und nur einmal verloren. Das ist eine Wahnsinns-Bilanz!

Challenge League 18/19 Runde 33: FC Schaffhausen - FC Aarau 11.5.19 - die Matchhighlights

Challenge League 18/19 Runde 33: FC Schaffhausen - FC Aarau 11.5.19 – alle Matchhighlights im Video

Bleiben drei Fragen: Wohin führt der Wahnsinn? In die Barrage? In die Super League? Vorsicht: Der Vorsprung des FC Aarau auf das drittklassierte Lausanne beträgt gerade mal einen Zähler. Die Tordifferenz ist noch immer um sechs Treffer schlechter als jene der Waadtländer. Die restlichen drei Spiele gegen Kriens, Chiasso und Rapperswil-Jona sind auf dem Papier zwar lösbar, haben es aber in sich.

Gegner im Abstiegskampf

Aufgepasst: Die drei vermeintlich kleinen Gegner stecken mittendrin im Sumpf des Abstiegskampfs. Sie werden laufen, rennen, fighten und schlagen. Sie werden kämpfen bis zum Umfallen. Das Erreichen der Barrage ist also alles andere als ein Selbstläufer.

Bei aller Skepsis: Die Vorteile bezüglich der beiden Aufstiegsspiele gegen den Neunten der Super League sind momentan aufseiten des FC Aarau. «Lausanne muss, Aarau will in die Barrage», sagt Patrick Rahmen. Weil das so ist, wird das Brügglifeld am Mittwoch im Heimspiel gegen den SC Kriens aus allen Nähten platzen.

Schliesslich soll mit den Fans im Rücken der nächste Schritt in Richtung Super League gemacht werden. Und wer jetzt schon an die Barrage glaubt, der kann sich einen Termin in seiner Agenda schon mal rot anstreichen: Am Sonntag, 2. Juni, findet das entscheidende zweite Spiel statt. Im Brügglifeld!

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

Meistgesehen

Artboard 1