FC Aarau
Ulisse Pelloni ist die neue Nummer 1 im Tor

Der 21-jährige Tessiner tritt in die Fussstapfen von Joël Mall – der neu verpflichtete Steven Deana hat das Nachsehen und startet von der Ersatzbank

Dean Fuss
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Ulisse Pelloni ist die neue Nummer 1 im FCA-Tor

Ulisse Pelloni ist die neue Nummer 1 im FCA-Tor

Keystone

FCA-Trainer Livio Bordoli beendet das Training offiziell. Die meisten Spieler gehen in Richtung Garderobe. Olivier Jäckle lockert seine Muskeln mit Dehnübungen. Flügelspieler Luca Radice schnappt sich ein paar Bälle und zirkelt diese auf das Tor, das zu diesem Zeitpunkt von keinem Goalie mehr gehütet wird.

Das Torhüter-Duo ist anderweitig beschäftigt: Ulisse Pelloni jongliert zusammen mit Bruno Martignoni, aniele Romano und Michael Perrier im Kreis. Steven Deana diskutiert etwas abseits mit Goalietrainer Swen König. Der in der Sommerpause vom FC Sion gekommene Torhüter hat Gesprächsbedarf. Vor zwei Stunden hat er erfahren, dass er den Saisonauftakt von der Ersatzbank wird verfolgen müssen – also als Nummer 2 in die Saison starten wird. König, dem diese Aufgabe von Trainer Bordoli übertragen wurde, hat in Absprache mit dem restlichen Staff entschieden, dass der FCA auf Ulisse Pelloni als neue Nummer 1 und damit Nachfolger von Joël Mall setzen wird.

«Pello (Ulisse Pelloni, Anm. d. Red.) hat mich in der Vorbereitung sportlich mehr überzeugt», begründet König seinen Entscheid. Dass der 21-Jährige in der vergangenen Saison als Nummer 2 hinter Mall einen guten Job machte, habe dabei keine Rolle gespielt. Pelloni freut sich verständlicherweise über das in ihn gesetzte Vertrauen: «Damit habe ich mein Ziel der Vorbereitung auf die neue Saison erreicht. Aber das ist nur der Beginn. Jetzt habe ich die Chance, zu zeigen, dass die Verantwortlichen einen gute Wahl getroffen haben», sagt der Tessiner.

Pelloni will wieder in die Super League

Der mit 1,82 m eher klein gewachsene Goalie will unbedingt eines der Puzzleteile sein, die dem FCA das Saisonziel des sofortigen Wiederaufstiegs ermöglichen. Ganz neu ist die Ausgangslage für Pelloni nicht: In der Saison 2013/14 war er beim FC Locarno, ebenfalls in der Challenge League, als Nummer 1 gesetzt und bestritt 35 der 36 Meisterschaftsspiele. Trotzdem: «Hier in Aarau ist das für mich eine neue Situation. Aber ich fühle mich wohl und bin sehr selbstbewusst.»

Etwas weniger euphorisch klingt die Beurteilung der Situation bei Steven Deana: «Natürlich ist das für mich nicht sehr schön, aber ich nehme es sportlich», sagt der 25-Jährige. Vom FC Sion, wo er noch einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2018/19 hat, wurde er in der Sommerpause an den FCA ausgeliehen. «Ich bin mit dem Ziel nach Aarau gekommen, die Nummer 1 zu werden. Dass ich das nun nicht geschafft habe, ist für mich aber nur ein Ansporn, zu kämpfen und mich über Trainingsleistungen ins Team zu spielen», sagt Deana.

Das Verhältnis zwischen den beiden Torhütern stimmt trotz der Konkurrenzsituation. «Wir respektieren uns gegenseitig und gehen fair miteinander um», sagt Deana. Das bestätigt auch Goalietrainer König: «Die Goalies haben den Entscheid gut aufgenommen. Das zeigt auch, dass die beiden vom Typ her als Duo funktionieren.»

Die Variante «Routinier light»

Dass nach Joël Malls Abgang zu den Grasshoppers mit Steven Deana ein verhältnismässig junger Torhüter verpflichtet wurde, war nicht unbedingt abzusehen gewesen. Zwei mögliche Szenarien standen in Fachkreisen im Fokus: einerseits das Heraufholen eines Nachwuchs-Torhüters aus dem Team Aargau, um diesen hinter Pelloni als Nummer 2 aufzubauen, andererseits die Verpflichtung eines älteren Routiniers, um diesen gegen Pelloni in den Kampf um die Nummer 1 zu schicken.

Beide Optionen seien ein Thema gewesen, sagt König. Die Nachwuchs-Variante wurde aus zwei Gründen verworfen: «Erstens wollten wir angesichts des angestrebten sofortigen Wiederaufstiegs hinter einer jungen Nummer 1 nicht unbedingt eine noch jüngere Nummer 2 installieren. Zweitens sind die Torhüter des Teams Aargau Stand heute noch nicht bereit für die Challenge League – auch wenn da sehr viel Potenzial für die Zukunft vorhanden ist.»

Deshalb war ursprünglich die Routinier-Variante angestrebt worden. Weil sich solche Kandidaten aber durchs Band nicht auf einen Zweikampf um die Nummer 1 einlassen wollten, ging auch das nicht auf. «Mit Steven, der doch einige wesentliche Punkte unseres ‹Routinier-Profils› erfüllt, haben wir eine sehr gute Lösung gefunden», sagt König. Ein Rotationsmodell, wie es der FC St. Gallen in der vergangenen Super-League-Saison praktizierte, sei hingegen nie zur Diskussion gestanden.

Nun ist der Entscheid also gefallen und Ulisse Pelloni darf sich in seiner neuen Position beweisen. «Pello hat sich unser volles Vertrauen erarbeitet.»

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