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Ein FCL-Nest im Brügglifeld, Widerstand gegen den Final in Bern und die Sache mit dem VAR: Alles zum Cup-Halbfinal zwischen Aarau und Luzern

Um wie viel Geld geht’s? Was ist ein Cupsieg sportlich wert? Und warum sind mehr Polizisten als sonst aufgeboten? Die zwölf wichtigsten Fragen und Antworten zum Spiel des Jahres im Brügglifeld.

Sebastian Wendel
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Spiele zwischen Aarau und Luzern (im Bild eine Aufnahme vom Cup-Halbfinal 2005) sind auf und neben dem Platz voller Zündstoff.

Spiele zwischen Aarau und Luzern (im Bild eine Aufnahme vom Cup-Halbfinal 2005) sind auf und neben dem Platz voller Zündstoff.

Rolf Jenni / SPO

1. Wieviel Prämien hat der FCA im Cup bereits erhalten bzw. können noch dazukommen?

Jeder Halbfinalist erhält 50'000 Franken Prämie vom Schweizerischen Fussballverband. Für den Finaleinzug gibt es weitere 50'000 Franken obendrauf. Speziell: Der Sieger erhält zwar einen Pokal, viel Prestige und einen internationalen Startplatz (siehe Frage 10) – mehr Geld als für die im Final unterlegene Mannschaft gibt’s jedoch nicht.

2. Hat der FC Aarau im Cup Geld verdient bzw. hätte er es ohne Corona-Einschränkungen?

Im Achtelfinal der Cupriese Sion, im Viertelfinal der FC Winterthur und nun im Halbfinal das Derby gegen Luzern: Hätte es ohne Corona-Einschränkungen und mit vollen Stadien dank dem Cup Geld über dem FCA geregnet? Jein: Einerseits wären hohe Einnahmen dank voller Ränge im Brügglifeld garantiert gewesen. Doch viele Zuschauer, besonders die Anreise von Gästefans, erfordern ein hohes Sicherheitsdispositiv, für das zu grossen Teilen der Heimklub (also der FCA) aufkommen muss. Und im Cup gilt ohnehin die Regel, dass die Hälfte der Zuschauereinnahmen an den Gastklub fliesst. Trotzdem: Einen kleinen finanziellen Gewinn hätte der FCA ohne Corona-Einschränkungen im Cup dank attraktiver Gegner und gut gefülltem Brügglifeld wohl erzielt.

In der Realität sieht es so aus: Zwar sind wegen der leeren Stadien die Sicherheitskosten bislang extrem tief ausgefallen, von den 50'000 Franken Prämien für die Halbfinal-Qualifikation sind jedoch mehr als die Hälfte in die Mannschaftskasse geflossen. Den Rest braucht der FCA für Sicherheitskosten, denn das Ligaspiel gegen GC (30. April) und der Cupmatch gegen Luzern (4. Mai) wurden von der Polizei als Anlässe mit erhöhtem Risiko für Ausschreitungen eingestuft, weshalb mehr Einsatzkräfte aufgeboten werden, was der FCA mitbezahlen muss. Kommt dazu: à-fond-perdu-Gelder wie für Meisterschaftsspiele (knapp 40'000 Franken pro FCA-Heimspiel ohne Zuschauer) gibt es für Cupspiele keine.

Fazit: Dank der Prämien und einiger Sondereinnahmen (Werbung auf LED-Bande im Brügglifeld, Trikotsponsor für Halbfinalspiel) schreibt der FCA im Cup wohl knapp eine schwarze Null – unbezahlbar ist jedoch der PR-Effekt, der sich mittel- und langfristig dank der Rückkehr auf die Schweizer Fussball-Landkarte ergibt. Dies sowohl sportlich als auch wirtschaftlich: Zum Beispiel ist die Halbfinal-Qualifikation auf der Suche nach einem Hauptsponsor ein dankbares Argument – und Sportchef Sandro Burki kann potenzielle Neuzugänge damit locken, dass mit dem FCA Exploits wie ein Cup-Halbfinal (evtl. sogar Final) möglich sind. All dies würde natürlich durch eine Finalteilnahme bzw. einen Cupsieg nochmals deutlich verstärkt.

3. Warum kommt im anderen Halbfinal Servette – St. Gallen der Video Assistant Referee (VAR) zum Einsatz, in der Partie zwischen Aarau und Luzern jedoch nicht?

Im Artikel 10 des Cup-Reglement heisst es: «Ab den Achtelfinals wird in Stadien, welche dafür ausgerüstet sind, ein Video Assistant Referee (VAR) […] eingesetzt.» Da der FC Aarau in der Challenge League spielt und in dieser der VAR nicht zum Einsatz kommt, sind die entsprechenden Technikinstallationen im Brügglifeld nicht vorhanden.

Einen zumindest faden Beigeschmack hat das Ganze: Während in Genf die Mannschaften bei einem Schiedsrichter-Fehlentscheid auf die Korrektur des VAR hoffen können, sind in Aarau die Mannschaften komplett von den Entscheidungen des Referees vor Ort abhängig. Im Fall, dass ein Schiedsrichter-Entscheid die Partie entscheiden würde und im gleichen Fall in Genf ein matchentscheidender Fehler korrigiert werden würde, wäre die Ungleichbehandlung perfekt. Es stellt sich also zumindest die Frage, warum der Schweizerische Fussballverband zugunsten der Gleichbehandlung nicht auf den VAR verzichtet, solange im Cup Mannschaften ohne VAR-taugliches Stadion dabei sind…

4. Der FC Aarau ist unter den vier Halbfinalisten der einzige Klub aus der Challenge League. Wann hat sich letztmals ein Unterklassiger für den Cupfinal qualifiziert? Und hat schon einmal ein Unterklassiger den Cup gewonnen?

Letztmals stand 2010 eine Mannschaft aus der Challenge League im Cupfinal: Lausanne-Sport verlor gegen den haushohen Favoriten FC Basel gleich mit 0:6. Trotzdem durften die Waadtländer in der Folgesaison im Europacup antreten, da damals noch der Finalverlierer den internationalen Startplatz des Siegers erbte, falls dieser bereits über die Liga qualifiziert war. Vier Jahre zuvor, am 17. April 2006, hat zum ersten und bis dato einzigen Mal ein Challenge-League-Klub den Cup gewonnen: In einem an Spannung nicht zu überbietenden Endspiel im Wankdorf besiegte Sion im Penaltyschiessen die Berner Young Boys.

5. Seit wieder 100 Zuschauer ins Stadion dürfen, verlost der FC Aarau an Liga-Heimspielen 40 Tickets unter den Saisonkarten-Inhaber. Für den Cuphalbfinal gegen Luzern wurden sogar 80 Tickets verlost – wie ist das möglich?

Vor Liga-Heimspielen werden 60 von 100 Tickets an wichtige Sponsoren, Gönnervereinigungen, Fanklubs und Ehrengäste abgegeben. Die restlichen 40 Tickets werden unter Saisonkarten-Inhabern verlost, die sich dafür aktiv bewerben müssen. Für das Cupspiel gegen Luzern war das erwartete Interesse an Tickets ungleich grösser: So vergab der FCA lediglich 20 von 100 Tickets in Eigenregie an die allerwichtigsten Sponsoren und Ehrengäste (z.B. Ehrenpräsident Alfred Schmid. Alle anderen 80 Tickets wurden automatisch unter den registrierten Saisonkarten-Inhabern verlost. Zum Zweck der Transparenz wurde die durch Captain Elsad Zverotic vorgenommene Verlosung aufgezeichnet und auf den FCA-Onlinekanälen ausgestrahlt.

6. 100 Zuschauer sind erlaubt – dürfen sich die Glücklichen darauf freuen, zum Match ein Bier und eine Bratwurst zu geniessen?

Nein. Gemäss Weisung aus Bern dürfen in den Stadien aktuell keine Verpflegungsstände betrieben werden. Also: Sandwich mitnehmen oder mit gefülltem Magen im Brügglifeld erscheinen.

7. Wird die Partie im TV übertragen?

Ja, SRF 2 zeigt Aarau - Luzern live. Anpfiff im Brügglifeld ist um 17.30 Uhr.

8. Wie lautet die Cup-Bilanz zwischen Aarau und Luzern?

Insgesamt trafen die Mannschaften im Schweizer Cup acht Mal aufeinander – mit je vier Siegen für Aarau bzw. Luzern. Von den fünf Aufeinandertreffen seit der Jahrtausendwende gewannen die Innerschweizer deren vier. Besonders in Erinnerung geblieben sind drei Duelle: Der Halbfinal im April 2005, als Luzern als Unterklassiger im Brügglifeld antrat und mit 2:1 gewann. In den Saisons 2015/16 und 2016/17 lautete der Cup-Viertelfinal jeweils FCA-FCL – in beiden Spielen fielen die Tore wie reife Früchte, Luzern gewann 4:3 bzw. 5:3. Letzteres war übrigens das Spiel, dass das Karriereende von Sandro Burki im FCA-Trikot einläutete: In einem Zweikampf verletzte er sich schwer am Knöchel, kämpfte sich dann kurzzeitig zurück, musste in der Folge aber wieder für längere Zeit in die Therapie. In der Woche, in der Burkis Rückkehr auf den Platz bevorstand, wurde er im August 2017 vom Captain zum Sportchef befördert.

9. Der FC Luzern ein Aarauer Nest? Der FC Aarau ein Luzerner Nest?

Tatsächlich haben viele Akteure schon für den Halbfinal-Gegner gearbeitet: Im FCL haben die Spieler Pascal Schürpf, Varol Tasar und Yvan Alounga, Goalietrainer Lorenzo Bucchi, Talentmanager Marco Schneuwly, Junioren-Masseur Domenico Gallizzi und Geschäftsstellen-Mitglied Manuel Moor eine FCA-Vergangenheit. Beim FCA waren Captain Elsad Zverotic, Goalie Simon Enzler, die Innenverteidiger Jérôme Thiesson und Nicolas Schindelholz, die Assistenztrainer Norbert Fischer und Petar Aleksandrov schon beim FC Luzern unter Vertrag.

10. Wo und wann findet der Final statt?

Der Cupfinal findet am Pfingstmontag 24. Mai in Bern statt; Anpfiff ist um 15 Uhr. Wobei sich punkto Finalspielort Widerstand regt bei den drei Halbfinalisten aus der Super League (Luzern, St. Gallen, Servette). Grund: Sie wollen den Final nicht auf Kunstrasen spielen.

11. Was ist ein allfälliger Cupsieg sportlich wert?

Der Cupsieger ist für die 2. Qualifikationsrunde der Europa Conference League qualifiziert, die in der Saison 2021/22 erstmals ausgetragen wird. Bis in die Gruppenphase müssen insgesamt drei Qualifikationsrunden überstanden werden. Sollte der Cupsieger bereits via Meisterschaft für den Europacup qualifiziert sein, erbt nicht – wie früher - etwa der Cupfinal-Verlierer den Europacup-Startplatz, sondern der Viertplatzierte der Super League.

12. Der FC Aarau hat für die nächste Saison «nur» die Lizenz II erhalten, die nicht zur Teilnahme am Europacup berechtigt. Müsste er bei einem allfälligen Cupsieg also die Conference League absagen?

Nein. Vorsorglich musste der FCA bei der Swiss Football League Daten eingeben, die zum Erhalt der Lizenz I nötig sind. Dazu gehört auch die Nennung eines Ausweichstadions im Fall einer Europacup-Qualifikation, das Brügglifeld erfüllt die internationalen Kriterien nicht. In Fällen wie jener des FCA wird standardmässig das Wankdorf-Stadion in Bern als Ausweichstadion genannt, eine nachträgliche Änderung ist jedoch möglich. In Frage kommen aus geografischer Sicht also auch Basel, Zürich oder Luzern.