Fussballverband

Über 30 Aargauer Vereine fordern Krisengipfel – Verbands-Präsident Aemisegger auf Tauchstation

Wie lange kann sich AFV-Präsident Hans Aemisegger noch im Amt halten?

Wie lange kann sich AFV-Präsident Hans Aemisegger noch im Amt halten?

Etliche Aargauer Fussballvereine fordern eine ausserordentliche Delegiertenversammlung, Loris Benito und Diego Benaglio ziehen sich wegen der Unruhen als Botschafter zurück: So leidet der Aargauer Fussball unter der Causa «Hans Aemisegger». Die Schlinge um den Präsidenten zieht sich zu.

Vetterliwirtschaft, Vergraulen von hoch angesehenen Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle und diktatorischer Führungsstil: Die in der «AZ» aufgedeckten Verfehlungen des Hans Aemisegger sind massiv. Der Präsident des Aargauischen Fussballverbandes (AFV) hat in Eigenregie einen 50'000 Franken teuren Auftrag für einen Werbefilm an seinen Sohn Oliver vergeben. Er hat mit seinen Alleingängen die Kündigungen von AFV-Geschäftsführer Hannes Hurter sowie dessen Mitarbeitern Jonas Manouk und Marc Grütter provoziert. Und er hat den ausgewiesenen Fachmann Jürg Widmer als Leiter des von diesem entworfenen Vorzeigeprojekts «Kicker Talents» abgesetzt.

Nun zieht sich die Schlinge um Hans Aemisegger zu, vonseiten der 85 dem AFV angeschlossenen Vereine wächst der Widerstand gegen das Verbandsoberhaupt. Gemäss «AZ»-Recherchen steht eine ausserordentliche Delegiertenversammlung unmittelbar bevor. Auf der Traktandenliste sollen zwei Themen stehen: die allfällige Abwahl von Hans Aemisegger und der Widerruf der Kündigungen von Hurter und Manouk.

Gemäss AFV-Statuten kann eine ausserordentliche Delegiertenversammlung entweder vom Verbandsvorstand oder auf Begehren von mindestens einem Fünftel der Mitgliedervereine einberufen werden. Heisst: Mindestens 17 Vereine müssten ihr Begehren mit Grundangabe schriftlich beim Verband einreichen. Der Vorstand muss dann innerhalb von acht Wochen den Wunsch einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung in die Tat umsetzen. Bis Mitte dieser Woche haben sich bereits über 30 Vereinspräsidenten für einen Krisengipfel ausgesprochen.

Jürg Widmer droht mit Anwalt

Die Kündigungswelle auf der AFV-Geschäftsstelle ist gemäss einer Umfrage der am häufigsten genannte Grund für den Ruf nach einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung. Was ist da los? Was sagt der Vorstand zum Exodus? Die Klubs, die mit ihren Beiträgen den AFV mitfinanzieren, wollen Antworten auf diese Fragen.

Die «AZ» weiss: Die Kündigungen von Hurter, Manouk und Grütter sowie die Absetzung von Widmer gründen im herrischen Führungsstil von Präsident Aemisegger. Die vier Personen haben nicht nur einen guten Job gemacht, sie sind in den vergangenen Jahren allesamt zu allseits geschätzten Gesichtern des Verbands geworden. Die Vereine, die sich bislang für die ausserordentliche Delegiertenversammlung ausgesprochen haben, wollen an dieser den Verbleib von Hurter und Manouk erwirken.

Die Zukunftsperspektiven des Quartetts sind unterschiedlich: Hurter und Manouk müssen – Stand heute – ab Juni stempeln gehen. Grütter hat mit dem FC Aarau inzwischen einen neuen Arbeitgeber gefunden. Widmer ist zwar neuer Trainer des FC Eschenbach (Kanton Luzern), mit diesem Amt lässt sich jedoch kein Lebensunterhalt finanzieren. Der Verlust der 20-Prozent-Stelle als AFV-Buchhalter und des Mandats als Projektleiter von «Kicker Talents» stellen Widmer vor erhebliche finanzielle Probleme.

Für den Aufbau und die Installierung des Projekts war ein Zeitraum von drei Jahren vorgesehen. Widmer hat dereinst zwar keinen Arbeitsvertrag unterschrieben, doch weil die Dauer von drei Jahren in einem Protokoll schriftlich festgehalten ist, will er beim AFV eine Abgangsentschädigung in Höhe des Honorars einfordern, das er bis 2021 als Projektleiter erhalten hätte. Falls Aemisegger nicht zu einer angemessenen Verlustentschädigung bereit ist, wird Widmer wohl rechtliche Schritte gegen den AFV einleiten.

Präsidiale Schönfärberei

Was den Vereinsexponenten zudem sauer aufstösst: Die AFV-Verbandsspitze hat es bislang nicht für nötig befunden, sich konkret zu den Vorwürfen gegen ihren Präsidenten zu äussern. Aemisegger und sein Vize Luigi Ponte hatten der «Aargauer Zeitung» für vergangene Woche ein Treffen versprochen, an dem sie Stellung nehmen wollen. Passiert ist nichts, nicht einmal den Termin abgesagt haben sie. Aemisegger ist auf Tauchstation. Er hat sich dazu entschieden, nicht mehr mit der «AZ» zu sprechen. Mit dieser Taktik hofft er, Zeit zu gewinnen und Gras über die Sache wachsen zu lassen.

Der Präsident hat in den vergangenen Wochen versucht, mit schönfärberischen Medienmitteilungen den Anschein zu erwecken, als sei innerhalb des AFV alles in Ordnung. Damit gaukelt er der Öffentlichkeit und den Mitgliedervereinen etwas vor. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass es innerhalb des fünfköpfigen Vorstands, dem neben Aemisegger und Ponte auch noch Maurice Besson, Richard Zwicker und Armando Granzotto angehören, brodelt. Und zwar so heftig, dass der Kessel in Kürze explodieren könnte: In Form von Rücktritten von einzelnen oder mehreren Vorstandsmitgliedern.

Benito und Benaglio wollen nicht mehr Botschafter sein

Ein weiteres Indiz für die Missstände ist folgendes: Loris Benito und Diego Benaglio sind gemäss «AZ»-Recherchen als Botschafter des AFV zurückgetreten. Benito wurde kürzlich zum «Aargauer Sportler des Jahres 2018» gewählt, er ist amtierender und bald wieder Schweizer Meister mit YB und Schweizer Nationalspieler. Benaglio gewann 2009 mit dem VfL Wolfsburg sensationell den deutschen Meistertitel und war langjähriger Stammgoalie der Schweizer Nati. Mit ihrer prall gefüllten Vita waren Benito und Benaglio ideale Aushängeschilder, die mit verschiedenen Aktivitäten Werbung für den AFV betrieben haben.

Doch nun haben beide entschieden, nicht mehr als Botschafter tätig zu sein, solange Aemisegger noch AFV-Präsident ist. Ironie des Schicksals: Im Editorial der jüngsten Ausgabe der AFV-Zeitschrift «Hattrick» gratuliert Aemisegger Loris Benito zur Wahl zum Aargauer Sportler des Jahres mit den Worten: «Loris Benito, wir sind stolz auf dich.» Als das Magazin erschien, hatte sich Benito bereits für den Rücktritt als AFV-Botschafter entschieden. Peinlich für Aemisegger, der sich gerne im Scheinwerferlicht der Stars sonnt.

Fazit: Die Missstände im AFV mehren sich, Aemisegger gerät immer stärker in Erklärungsnot. Doch er schweigt und es gibt keine Anzeichen, dass Aemisegger an einen Rücktritt denkt. Er will die Krise aussitzen und um sein Amt kämpfen. Der Kampf wird jedoch einer gegen Windmühlen sein, aus dem Aemisegger eigentlich nicht als Sieger hervorgehen kann. Sollte es wie erwartet in den nächsten Wochen zu einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung kommen, dürfte Aemisegger an dieser als AFV-Präsident abgewählt werden. Spätestens jedoch an der nächsten ordentlichen Delegiertenversammlung im August. Die Schlinge zieht sich zu.

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