Wie man Oberklassige aus dem Cup wirft, weiss der TV Möhlin. Zwei Tage vor Weihnachten hatten die Fricktaler in einem spektakulären Derby den RTV Basel mit 25:24 aus dem Wettbewerb spediert und sich einen Platz in den Viertelfinals ergattert.

Am Dienstagabend sollte in der Steinlihalle der nächste Oberklassige Bekanntschaft machen mit der Cupstärke der Mehlemer. Diesmal war der Gegner allerdings ein wesentlich grösseres Kaliber: Pfadi Winterthur, seines Zeichens 9-facher Schweizer Meister, 4-facher Cupsieger und aktueller Tabellenzweiter der Nationalliga A. 

Davon wollten sich die Mehlemer aber nicht einschüchtern lassen, hatten sie sich doch am Samstag in der Meisterschaft beim 29:14-Sieg gegen den STV Baden ordentlich warm geschossen. Und auch das Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten Steinlihalle (1000 Zuschauer) war bereit, seine Spieler lautstark zu unterstützen und zu einer weiteren Cupsensation zu peitschen.

Jelovcan überragend

Doch Pfadi Winterthur hatte etwas dagegen. Von der ersten Minute war der Favorit hellwach und stand in der Defensive sehr sicher. Ein ums andere Mal endeten die Mehlemer Angriffsbemühungen ohne Abschluss. Sauber herausgespielte Würfe waren kaum zu sehen. Es dauerte mehr als sieben Zeigerumdrehungen, bis die Fricktaler erstmals jubeln konnten.

Dass die Partie trotzdem noch nicht entschieden war, hatte der TV Möhlin seinem slowenischen Torhüter Rok Jelovcan zu verdanken, der in den ersten 30 Minuten 10 von 22 Schüssen der Winterthurer teilweise spektakulär parierte und die Stimmung in der Halle zum Kochen brachte.

Seine Vorderleute konnten die positive Energie von den Rängen jedoch nicht ausnutzen und kamen vor dem gegnerischen Tor weiterhin nicht auf Touren. Es fehlte das Tempo und die nötige Breite im Spiel, um die Winterthurer in Verlegenheit zu bringen.

Zu oft suchte man den Zweikampf - ein hoffnungsloses Unterfangen gegen die körperlich überlegenen Gäste. Die Konsequenz: Die Mehlemer gingen mit einem 6:12-Rückstand in die Pause. «Wir spielen einfach zu verkrampft», sagte Torhütertrainer Martin Pauli auf dem Weg in die Garderobe und fügt hinzu: «Uns fehlt der Mut im Angriff.»

Klare Worte von Trainer Cordas

Die Mehlemer steigerten sich nach der Pause und benötigten für die nächsten sechs Treffer nur 13 Minuten. Doch dafür passte die Abstimmung in der Abwehr nicht mehr. Pfadi hebelte die Mehlemer Hintermannschaft ein ums andere Mal mit einem langen Pass quer übers Feld aus.

Und so wuchs der Rückstand nach drei Vierteln der Partie auf zehn Treffer an. Damit war die Sache gegessen. 18:31 lautete das Resultat nach 60 Minuten.

«Dafür, dass wir nichts zu verlieren hatten, spielten wir im Angriff zu sehr mit angezogener Handbremse und machten so Fehler, die eiskalt ausgenutzt wurden», analysierte Marcus Hock, mit fünf Treffern erfolgreichster TVM-Torschütze.

Klarere Worte fand Trainer Zoltan Cordas: «Wir waren zu feige. Wenn mit Mischa Wirthlin und Manuel Csebits zwei 18-Jährige am frechsten spielen, kannst du nicht gewinnen.» Die beiden Youngster steuerten gemeinsam fünf Tore bei und sorgten so für den Lichtblick der Partie, in der Möhlin ohne Chance auf die Sensation blieb.