«Meine Frau hat Angst um meine Figur»: Das erste Interview mit dem neuen FC-Aarau-Sportchef Sandro Burki am Donnerstag.

10. Mai 2002: Burki wird mit der U17-Nati Europameister

Burki wird mit der U-17 Europameister

Burki wird mit der U-17 Europameister

«Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen: Am Tag vor dem ersten Gruppenspiel kam der damalige Technische Leiter des Schweizer Fussballverbandes, Hansruedi Hasler, auf den Platz und hielt eine Ansprache. Er sagte, dass der Rückflug am Tag nach dem Final gebucht sei – egal, wie weit wir im Turnier kommen würden. Wir Spieler wussten, dass wir gut sind und weit kommen können. Aber ab diesem Moment war im Kopf von jedem, ohne dass wir es ausgesprochen hätten, einfach klar: Wir werden Europameister. Wir wussten morgens beim Frühstück, dass wir am Abend das Spiel gewinnen werden. Egal, wer der Gegner ist. Das alles als Stammspieler miterlebt zu haben, war eine besondere Ehre.»

2002–2003: Burki als Junior bei Bayern München

«Kürzlich habe ich zu Hause eine Trainerhose von Bayern getragen, die zufällig im Kleiderschrank zuoberst lag. Mein Sohn fragte mich, ob ich Bayern-Fan sei. Als ich antwortete, ich habe mal dort gespielt, hat er mir erst nicht geglaubt. Ja, es war schon unglaublich, diesen Klub als 16-Jähriger hautnah kennen gelernt zu haben, mit Spielern wie Schweinsteiger und Lahm ein Team gebildet zu haben und mit Figuren wie Kahn und Ballack trainiert zu haben. Nach eineinhalb Jahren habe ich mich nach Bern zu den Young Boys ausleihen lassen, um auf Super-League-Level Spielpraxis für die anstehende U19-EM zu haben. Vielleicht war das ein Fehler, denn danach war ich bei den Bayern-Bossen natürlich kein Thema mehr.»

19. Juli 2007: Burkis erstes Pflichtspiel im FCA-Trikot

Burkis erstes Pflichtspiel

Burkis erstes Pflichtspiel

«Der FC Aarau war mein Kindheits-Verein. Als kleiner Junge bin ich mit meinem Vater viele Male aufs Brügglifeld gepilgert und habe auf der Gegentribüne die Spiele verfolgt. Um eine bessere Sicht auf den Platz zu haben, sind meine Kollegen und ich auf Harassen gestanden. Mit 20 bin ich vom FC Vaduz zu Aarau gewechselt, und das war rückblickend die beste Entscheidung meiner Karriere. Ich trage diesen Klub und alles, was ihn ausmacht, wirklich tief im Herzen drin. Ich hatte immer wieder Angebote von grösseren Klubs, aber ich bin aus tiefer Überzeugung immer hiergeblieben. Ich denke, diese Treue wird jetzt belohnt, indem ich nach der Karriere in wichtiger Funktion beim FC Aarau bleiben kann.»

20. August 2008: Burkis erstes und einziges Länderspiel

Burki bei seinem einzigen Länderspiel für die Schweizer Nati

Burki bei seinem einzigen Länderspiel für die Schweizer Nati

Ich bin stolz auf meine Karriere. Dazu trägt die Tatsache, dass ich ein Länderspiel bestritten habe, viel bei. Ich bin gerne Schweizer, ich liebe dieses Land. Ich kenne die Stimmen, die behaupten, der damalige Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld habe mich nur aufgeboten, um seinem Ex-Klub FC Aarau einen Gefallen zu tun. Aber ich war damals einer der besten Mittelfeldspieler der Super League und mit dem FC Aarau Tabellenführer. Es war aber auch klar, dass diese Erfolgsphase nicht ewig anhalten würde und dass ich dann eher nicht mehr für die Nati aufgeboten werde. Trotzdem werde ich die Tage beim Team und den Kurzeinsatz im WM-Qualifikationsspiel in Genf gegen Zypern nie vergessen.»

Infogram: Sandro Burkis Karriere in Zahlen

13. Mai 2010: Burki und der FC Aarau steigen erstmals ab

Burki im Abstiegsspiel gegen GC

Burki im Abstiegsspiel gegen GC

«Das war ganz klar der Tiefpunkt meiner Karriere. Der FC Aarau hatte seit Ewigkeiten den Ruf, unabsteigbar zu sein und sich immer noch irgendwie zu retten – wenn nötig, auch am grünen Tisch. Dann zu der Mannschaft zu gehören, die für den erstmaligen Abstieg der Klubgeschichte gesorgt hat, war sehr bitter. Ich bekam ein richtig schlechtes Gewissen gegenüber den Fans und den Angestellten. Ich hatte danach einige Angebote auf dem Tisch, am konkretesten waren die von Sion und St.Gallen. Aber als mir die FCA-Verantwortlichen sagten, um mich herum eine neue Mannschaft aufbauen zu wollen, war für mich sofort klar: Ich bleibe beim FC Aarau und will mithelfen, den Klub wieder in die Super League zurückzuführen.»

2. Juni 2013: Burki und der FC Aarau steigen wieder auf

Burki und der Wiederaufstieg mit Aarau in die Super League

Burki und der Wiederaufstieg mit Aarau in die Super League

«Mit René Weiler hatten wir einen Trainer, der seinen Plan knallhart verfolgte und jeden Spieler wieder wegschickte, der nicht ins Konzept passte. Ein Jahr zuvor sind wir in der Barrage gegen Sion nur knapp gescheitert, schon da hat sich der baldige Aufstieg angedeutet. Im Aufstiegsjahr selber hatten wir einen hervorragenden Teamgeist, das war neben Weilers Arbeit sicher der Schlüssel zum Sieg. Noch heute bin ich Spielern wie Davide Calla, Joël Mall und Alain Schultz freundschaftlich verbunden. Ein solches Jahr voller Höhepunkte schweisst zusammen, wir fühlten uns von Woche zu Woche stärker. Die Aufstiegsparty in der Stadt mit Tausenden Fans war drei Jahre nach dem Abstieg die perfekte Wiedergutmachung.»

20. April 2016: Burkis 340. Pflichtspiel für Aarau – Rekord

«Meine Frau hat Angst um meine Figur»: Das erste Interview mit dem neuen FC-Aarau-Sportchef Sandro Burki am Donnerstag.

«Als ich erfahren habe, dass ich an diesem Tag zum Spieler mit den meisten Einsätzen für den FC Aarau werde, musste ich erst einmal leer schlucken. Für den Verein spielten Legenden wie Charly Herberth, Rolf Osterwalder oder Petar Aleksandrov – und ich bin derjenige, der die meisten Spiele für den FC Aarau bestritten hat, das ist schon Wahnsinn. Seit 2009 war ich auch Captain, und ich habe dieses Amt mit viel Freude ausgeübt. Aber es ist mir wichtig, zu sagen, dass ich mich nie aufgedrängt habe, Captain zu werden und später, als neue Trainer kamen, Captain zu bleiben. Aber bei jedem Trainerwechsel stand es nie zur Diskussion, ob der Burki Captain bleibt oder nicht. Das bedeutet mir viel.»

1. März 2017: Burki wird im Cup gegen Luzern brutal gefoult

«Meine Frau hat Angst um meine Figur»: Das erste Interview mit dem neuen FC-Aarau-Sportchef Sandro Burki am Donnerstag.

«Ob das Foul rückblickend meine Karriere früher als gedacht beendet hat? Nein. Ich habe mich ja wieder fit gefühlt, in den Sommerferien war die Vorfreude auf die Saison gross. Ich hatte nach dem Foul mit Costa Kontakt, er hat sich entschuldigt. Ich bin ihm nicht böse, obwohl er in dieser Situation eine schwere Verletzung in Kauf genommen hat. Bedenklicher ist, dass der Schiedsrichter nicht reagiert hat. Die Unparteiischen haben es schwer, sie sind neben dem Pfeifen immer noch voll berufstätig, während der Fussball immer professioneller und schneller wird. Adrien Jaccottet (damals Schiedsrichter; d. Red.) hat am Tag danach angerufen und gesagt, wie leid es ihm tue, jetzt wo er die Bilder gesehen habe.»