Fussball
Trotzreaktion gegen den verunmöglichten Aufstieg

Vor dem Challenge-League-Spitzenspiel des FC Wohlen gegen den FC Winterthur war die nicht erhaltene Lizenz für die Super League das grössere Thema als der Gegner.

Fabian Sangines
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Wohlens Mergim Brahimi (l.) im Zweikampf Dennis Iapichino während der Vorrundenpartie gegen Winterthur (1:0).

Wohlens Mergim Brahimi (l.) im Zweikampf Dennis Iapichino während der Vorrundenpartie gegen Winterthur (1:0).

GERRY FREI

Manch einer im Freiamt hatte nach dem sportlichen Höhenflug des FC Wohlen davon geträumt: von der grossen Bühne, der Super League. Der neutrale Beobachter, etwas sachlicher, erfreute sich immerhin an einem epischen Dreikampf um den Aufstieg zwischen Lugano, Servette und Wohlen, das in der Rückrunde – in erster Linie auf heimischem Terrain – seine Konstanz und ein Stück weit auch seine Leichtigkeit verloren hat.

Nun also ist also mit dem FC Wohlen mindestens ein Team bereits raus aus dem Rennen, obwohl sieben Runden vor Schluss aus rein sportlicher Sicht noch alles drinliegt. «Natürlich sind wir etwas enttäuscht, aber Präsident Lucien Tschachtli hat uns bereits vor etwas mehr als einen Monat darüber informiert, dass ein Aufstieg wohl nicht möglich sein wird», erklärt Mergim Brahimi seine Gefühlslage.

Der Flügelflitzer ist seit seiner Ankunft im Winter 2014 ein absoluter Leistungsträger im Team von Trainer Ciriaco Sforza. Wenig überraschend also, dass sich seine Formkurve mit derjenigen der Mannschaft grösstenteils deckt: In der Hinrunde wirbelte er durch die Liga, während sich in diesem Frühjahr das schwindlig Spielen des Gegners und die vornehme Zurückhaltung öfter abwechseln, als es der 22-Jährige von sich selber erwartet: «Mit meiner Rückrunde bin ich noch nicht so zufrieden. Eine Blessur am Oberschenkel hat mich etwas aus dem Rhythmus gebracht.»

Der hemmende Bluterguss

Tatsächlich war auffällig, wie Sforza seine Nummer zehn in den letzten vier Spielen immer auswechselte, was auf den von Brahimi angesprochenen Bluterguss zurückzuführen ist, den er sich vor einem Monat in Winterthur eingefangen hat. «Seither spiele ich immer mit Schmerztabletten und nach 60 bis 70 Minuten lässt diese Wirkung nach.» Nicht zuletzt deshalb wurde ihm am Sonntag in Schaffhausen eine Pause gegönnt.

Diese Auszeit hat ihre Wirkung nicht verfehlt, der Linksfuss fühlt sich mittlerweile wieder «topfit». Das ist auch bitter nötig, denn heute geht es dem Team gegen den Tabellennachbarn aus Winterthur nicht darum, den viel zitierten Heimkomplex abzulegen, sondern vielmehr eine Trotzreaktion auf die enttäuschende Nachricht der Swiss Football League (SFL) zu zeigen. «Wir haben uns gesagt, nun wollen wir den Ligatitel umso mehr», so Brahimi und schiebt nach: «Ausserdem wäre es auch für die Zukunft jedes Einzelnen wichtig, die Saison ganz oben abzuschliessen.»

Keine Wechselgedanken

Auch wenn der ehemalige GC-Junior durchaus das Talent für höhere Aufgaben als die Challenge League hat, befasst er sich noch nicht mit einer möglichen Rückkehr in die höchste Spielklasse des Landes: «Mein Vertrag läuft bis Sommer 2016 und ich bin glücklich bei Wohlen. Wir haben ein Riesenteam, das, wenn Ciri bleibt, sicher weitgehend zusammen bleiben wird.»

Hinzu kommt, dass Brahimi unter Sforza viel Verantwortung tragen darf – in seinem Alter nicht unwesentlich für eine erfolgreiche Entwicklung. So durfte er im Heimspiel gegen Le Mont, als Alban Pnishi und Kevin Pezzoni nicht dabei waren, die Captainbinde tragen. «Ich bin nicht unbedingt der Lautsprecher, ich versuche, lieber mit Leistung ein Vorbild zu sein», so Brahimi. Dank der ausgestandenen Blessur und der nötigen Portion Trotz dürfte heute einer vorbildlichen Leistung also nichts mehr im Wege stehen.

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